An saarländischen Gemeinschaftsschulen werden pro Woche mehr als 5.000 Unterrichtsstunden von Lehrkräften erteilt, die für das jeweilige Fach keine entsprechende Ausbildung haben. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion zur Lehrkräfteversorgung und zum fachfremden Unterricht (Drucksache 17/2320) hervor. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der CDU, Jutta Schmitt-Lang, sieht darin ein „strukturelles Versagen“ der Bildungspolitik.
Besonders betroffen seien Fächer wie Mathematik, Kunst, Musik und Arbeitslehre in der Sekundarstufe I. Konkret bedeute das etwa, dass ein Chemielehrer Mathematik oder eine Englischlehrerin Französisch unterrichte, so Schmitt-Lang. „Wenn Schülerinnen und Schüler über Jahre hinweg in zentralen Fächern von Lehrkräften unterrichtet werden, die dafür gar nicht ausgebildet sind, darf sich niemand über sinkende Bildungsleistungen wundern. Gute Bildung braucht gut ausgebildete Fachlehrkräfte“, erklärte die Abgeordnete. Als besonders gravierend bewertet die CDU-Fraktion, dass das Bildungsministerium nach eigener Aussage nicht belastbar beziffern kann, wie groß der Mangel an qualifizierten Fachkräften in den einzelnen Fächern tatsächlich ist. „Wer aber nicht weiß, wo wie viele Mathematik-, Physik- oder Französischlehrkräfte genau fehlen, kann Personal auch nicht zielgerichtet steuern“, kritisierte Schmitt-Lang.
Unterstützung für ihre Kritik sieht die CDU-Politikerin in einem aktuellen Sonderbericht des Rechnungshofs, der erhebliche Defizite in der Personalverwaltung festgestellt habe. Darin würden unter anderem veraltete IT-Strukturen, Doppelerfassungen und sogenannte Schatten-IT bemängelt. „Wer bei der IT hinterherhinkt, kann auch bei der Personalsteuerung nicht vorne liegen“, so Schmitt-Lang. Die Abgeordnete warf dem Ministerium zudem vor, ohne Konzept zu agieren und lediglich auf „Trostpflaster“ wie Nachqualifizierungen zu setzen. Besonders stieß ihr auf, dass fachfremder Französischunterricht durch Spanischlehrkräfte mit dem Verweis auf ähnliche Fremdsprachendidaktik und Sprachverwandtschaft gerechtfertigt werde. „Ähnliche Didaktik ersetzt aber keine entsprechende Lehrbefähigung. Es fehlen die entsprechende Sprachkompetenz und der erforderliche Wortschatz. Wer dauerhaft auf fachfremden Unterricht angewiesen ist, verwaltet nur den Notstand, anstatt ihn zu beseitigen“, sagte sie. Nach 14 Jahren SPD-geführter Bildungspolitik fehle es nicht nur an Lehrkräften, sondern vor allem an einer funktionierenden Steuerung, bilanzierte Schmitt-Lang. Es gebe „keinen Plan für vorausschauende Personalplanung, kein Konzept zur Fachkräfteanwerbung, keine Steuerung des fachgerechten Einsatzes von Lehrkräften an den Schulen.“ Die Leidtragenden seien die Schülerinnen und Schüler. „Ich habe kein Vertrauen mehr, dass die SPD diesen Kurswechsel noch schafft. Dafür braucht es nach der Landtagswahl 2027 einen echten Neustart in der saarländischen Bildungspolitik“, forderte die CDU-Bildungspolitikerin.




