Tiny-House-Siedlungen: Die neue Art des Wohnens?

Die aktuelle Arbeitssituation in vielen Branchen und der Wohnungsmarkt in Deutschland sorgen nicht erst seit gestern für Anspannung. Viele junge Menschen fühlen sich überarbeitet und unterbezahlt, da die Wohnungen in Städten immer teurer werden, während der Lohn gleichbleibend niedrig gehalten wird. Ebenso steigen die Preise für Grundstücke, Bauland und Häuser in den letzten Jahren rasant an. Selbst das Leben in abgelegenen Orten auf dem Land, was sonst immer so günstig war, scheint für viele inzwischen ein unerfüllbarer Traum zu sein.

Doch auch der Klimawandel und der Wunsch nach einem nachhaltigeren und ruhigeren Leben wächst bei vielen. Bewegungen wie Minimalismus und Zero Waste haben sich längst etabliert und werden zu einem immer größeren Trend, der inzwischen viele Anhänger gefunden hat. Auch die sogenannte Tiny House Bewegung gehört zu diesen Strömungen.

Was ist die Tiny House Bewegung?

Der Ursprung

Die Tiny House Bewegung fand ihren Ursprung in den USA, wo sich der Trend von Klein- und Mini-Häusern entwickelte. Aufgrund des wachsenden materiellen Wohlstands wurden neu gebaute Einfamilienhäuser in den USA innerhalb von 30 Jahren im Durchschnitt um 65 Quadratmeter größer gebaut. Obwohl die Zahl der Einwohner pro Haushalt von den 1970ern bis 2010 immer weiter sank, bauten viele Eigentümer und Vermieter ihre Häuser immer größer. Da zusätzlich immer mehr Menschen in die Städte zogen, stiegen folglich die Preise für Baugrund und der vorhandene Platz für Häuser wurde immer kleiner. Die Tiny House Movement oder auch Small House Movement erwuchs schließlich aus dem Wunsch vieler Menschen heraus ein kompakteres und flexibleres Eigenheim zu besitzen.

Die Bewegung in Deutschland

In Deutschland war eine der ersten Inspirationen für das Leben in einem Tiny House tatsächlich der Bauwagen aus der 1979 entstandenen Kindersendung “Löwenzahn”, in dem der Hauptcharakter Peter Lustig lebte. Doch auch die US-amerikanische Bewegung schwappte allmählich nach Deutschland, nachdem auch hierzulande die Grundstückspreise begannen zu steigen und die Verstädterung des Landes zugenommen hatte.

Vor allem in den letzten Jahren bekommt diese Bewegung aus denselben Gründen und nicht zuletzt aufgrund ihres Umweltaspekts immer mehr Aufmerksamkeit. Dabei sind nicht nur viele Privatpersonen, sondern auch Architekten und Innendesigner auf den Trend aufmerksam geworden und haben bereits einen Markt für Tiny Houses etabliert. Trotzdem gestaltet sich der Bau und das Leben in den kleinen Häusern hierzulande bisher schwierig, denn die Häuser müssen strenge Voraussetzungen erfüllen, um rechtlich als Wohnhaus genehmigt zu werden.

Was sind Tiny Houses?

Für Tiny Houses gibt es bisher keine festgelegte Definition. Als Tiny House werden üblicherweise Wohnhäuser bis zu einer Wohnfläche von maximal 45 Quadratmetern bezeichnet. Darüber hinaus werden Häuser bis zu einer Fläche von 90 Quadratmetern als Small Homes bezeichnet. Oft werden diese Häuser auf Rädern aus alten Zirkuswagen oder Bauwagen gebaut. Es gibt jedoch auch viele andere Modelle, die beispielsweise in Form von kleinen Holzhütten oder aus Containern gebaut werden.

Was sind die Gründe für ein Tiny House?

Die Gründe für so ein kleines Haus können so vielfältig wie ihre Formen sein. Die gängigsten Beweggründe sind jedoch der Kostenfaktor, Minimalismus und der Umweltaspekt. Da der Bau und die Instandhaltung sowie das Wohnen in Tiny Houses insgesamt deutlich kostengünstiger ausfällt als bei einem normalen Wohnhaus, entscheiden sich viele Menschen aus finanziellen Gründen für ein Leben auf wenigen Quadratmetern.

Andere wiederum bevorzugen ein einfaches Leben, das nicht mehr Dinge beinhaltet, als sie tatsächlich im Alltag benötigen. Dabei wenden sich viele Minimalisten gegen den Massenkonsum in der Gesellschaft oder empfinden diese Lebensform als ruhiger und angenehmer.

Weiterhin spielt der Umweltaspekt oft eine große Rolle bei der Entscheidung für ein Tiny House, denn laut Jonas Kappel von einrichtungsradar.de würden diese aufgrund ihrer geringen Größe deutlich weniger Heizkosten verbrauchen. Die meisten Eigentümer griffen für die Beheizung auf Pelletöfen zurück, denn diese seien klimaneutral und günstiger als Erdgas oder Erdöl. Nicht ohne Grund sei die Anzahl der Pelletheizung von 2012 bis 2021 in Deutschland bereits um 328,144 Anlagen gestiegen.

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