Der Wald der Stadt St. Wendel wird nicht nur unter ökonomischen Zielsetzungen bewirtschaftet, auch ökologischen Belangen und der Naherholung wird Rechnung getragen. Wie Bürgermeister Peter Klär mitteilt, ist die naturnahe Bewirtschaftung des städtischen Waldes seit 2003 nach FSC und seit 2005 nach PEFC zertifiziert. Das bedeutet, dass die Bewirtschaftung nach strengen ökologischen Kriterien erfolgt und Kontrollmechanismen unterliegt. Zu den Auflagen gehören der Verzicht auf Kahlschläge, die Bevorzugung heimischer Laubbaumarten und die natürliche Verjüngung des Waldes durch Samenflug und Vogelsaat. Schon seit Jahren wird im Stadtwald auf jeglichen Chemieeinsatz verzichtet.
Durch die naturnahe Bewirtschaftung wird der Stadtwaldarten- und strukturreicher. Der Wald präsentiert sich öfter mit einer mehrstufigen Schichtung aus Kraut-, Strauch- und Baumschicht. Im Zuge der FSC-Zertifizierung wurden Prozent des Stadtwaldes, das sind 85 ha, als Waldschutzgebiete völlig aus der Bewirtschaftung herausgenommen. In diesen sogenannten Referenzflächen soll die Waldentwicklung ohne forstliche Eingriffe beobachtet werden. Diese Flächen ähneln in ihrem Schutzstatus den sogenannten Naturwaldzellen.
Bei Kulturen soll auf eine Einzäunung zum Schutz der Jungpflanzen vor Verbiss, wenn möglich, verzichtet werden. Dies setzt eine entsprechende konsequente Regulierung des Rehwildbestandes voraus. Der geforderte hohe Laubholzanteil bedeutet die allmähliche Umwandlung von Nadelholzreinbeständen in standortgerechte Laubwälder oder Mischbestände. Dieser Umbau ist bereits in vollem Gange. Hatte die Nadelholzbaumart Fichte vor 30 Jahren noch einen Flächenanteil von 30 bis 35 Prozent im Stadtwald, so bewegt sich dieser heute noch um die 20 Prozent. Vor allem die bei uns labile Fichte wurde durch andere geeignete Baumarten ersetzt. Hier wurden Buchen, Kirschen und Bergahorn gepflanzt. Als Reaktion auf die spürbare Klimaerwärmung wurde auch die Esskastanie eingebracht, die als wärmeliebende Baumart eher am Rande der Rheinebene und im Mittelmeerraum beheimatet ist. Aus wirtschaftlichen Überlegungen fand auch die Douglasie auf den passenden Standorten Berücksichtigung. Die Stadt investiert jedes Jahr rund 50.000 Euro in ihre sogenannten „Kulturen“.
Seit 2009 liegt für den Stadtwald eine Waldbiotopkartierung vor, die sämtliche ökologischen Besonderheiten, wie Feuchtbiotope, naturnahe Fließgewässer, Kerbtäler, hochwertige Waldränder, seltene naturnahe Waldgesellschaften, aufgelassene Steinbrüche, Blockhalden etc. erfasst und beschreibt. Diese Waldbiotopkartierung findet auch Berücksichtigung bei der Bewirtschaftung des Waldes.
Fichte hat noch Hauptanteil beim Holzeinschlag
Bezüglich des Holzeinschlages im Stadtwald ist festzustellen, dass derzeit der Hauptteil der Einnahmen immer noch von der Brotbaumart Fichte erbracht wird (jährlich ca.130.000 Euro).
Bei einem Gesamteinschlag von jährlich 6.000 Festmeter entfallen ca. 3.500 Festmeter auf Nadelholz und die restlichen 2.500 Festmeter auf Laubholz. Die anfallenden Laubholzstämme werden global vermarktet, das anfallende Laubbrennholz aus den Kronen und schwächeren Stämmen sättigt den lokalen Brennholzmarkt. Aufgrund des niedrigen Ölpreises ist die Nachfrage nach Brennholz derzeit leicht rückläufig. Brennholz wird derzeit zunehmend an den Waldweg gerückt und zum Preis von 39 Euro pro Raummeter bereitgestellt. Seit 2009 darf Brennholz im öffentlichen Wald nur nach Vorlage eines sogenannten Motorsägen-Führerscheines aufgearbeitet werden. Ein Raummeter trockenes Brennholz ersetzt ca. 200 Liter Heizöl und verbrennt dabei CO² neutral. Bei der Nutzung von Brennholz verbleibt das dünnere Holz im Wald. Hintergrund dieser Regelung ist, dass die Nährstoffe bei Bäumen vor allem in den Blättern, Nadeln und in der Rinde enthalten sind. Das Holz an sich ist eher nährstoffarm. Gerade dünneres Holz mit hohem Rindenanteil verbleibt aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes im Wald. Des Weiteren bietet liegendes und stehendes Totholz vielen Insekten, Pilzen, Fledermäusen, Bilchen und Vögeln einen geeigneten Lebensraum und leistet somit einen erheblichen Beitrag zum Naturschutz.
Pilz schädigt Eschen
Verursacher des sogenannten Eschentriebsterbens ist ein Pilz, der mit deutschem Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ heißt und aus dem fernen Japan stammt. Erstmals nachgewiesen wurde die Krankheit in Deutschland 2007. Seither erfolgte eine rasche Ausbreitung über ganz Deutschland. Im Stadtwald St. Wendel ist der Eschenanteil relativ gering, sodass diese Krankheit nicht so massiv ins Auge fällt. Meist ist die Esche einzelbaumweise in Laubholzbeständen beigemischt oder in Kleinbeständen vorhanden.
Die Ausbreitung erfolgt durch die Luft über die Pilzsporen. Die befallenen Eschen versuchen die durch den Pilzbefall abgestorbenen Triebe durch verstärkten Austrieb zu ersetzen. Es kommt nach Kronenverlichtung zu Kronenverbuschungen. Der Pilzbefall schwächt die Eschen massiv und macht sie anfällig für Sekundärschädlinge, wie Rindenpilze, Holzfäuleerreger (Hallimasch) und Käferbefall (Eschenbastkäfer). Erkrankte Eschen entlang von Strassen oder im öffentlichen Anlagen enthalten hohe Totastanteile und müssen verstärkt kontrolliert werden. Eine Bekämpfung der Pilzkrankheit ist nicht möglich. Es gibt Unterschiede in der Anfälligkeit von Einzelbäumen. Eine Hoffnung für die Baumart Esche besteht in der Ausbildung von Resistenzen und dem Überleben einzelner resistenter Eschen.
Sommer 2015 war zu trocken
Nachdem im März 2015 das Sturmtief „Niklas“ über Deutschland hinweggezogen war, das im Stadtwald nur geringe Schäden verursachte, gab es einen Sommer mit minimalen Niederschlägen bei hohen Temperaturen. Der Sommer bedeutete Trockenstress für die Waldbäume. Waldbäume reagieren auf diesen Trockenstress mit dem Einrollen oder gar Abwerfen von Blättern, um die Verdunstung über diese zu reduzieren. Auch bei den Nadelbäumen ist festzustellen, dass ältere Nadeljahrgänge sich gelb und braun färben und abgeworfen werden. Durch die Trockenheit und extreme Hitze leidet Holzzuwachs und Vitalität der Waldbäume. Sie werden anfällig für den Befall von Sekundärschädlingen. Gerade bei der Baumart Fichte war festzustellen, dass gegen Ende des Sommers der Befall durch Borkenkäfer zunahm. Aufgrund einer niedrigen Ausgangspopulation der Borkenkäfer blieb es aber bei einem relativ geringem Schadholzanfall. Jedoch muss die weitere Entwicklung im Frühjahr 2016 abgewartet werden.
Bäume für den Weihnachtsmarkt
Neben den Walderzeugnissen Holz, Wildpret, Schmuckreisig liefert der Stadtwald auch die Weihnachtsbäume für den diesjährigen Weihnachtsmarkt und die einzelnen Stadtteile. Es handelt sich hier überwiegend um Fichten, die auf städtischen Waldflächen naturnah angezogen und geerntet werden. Naturnah heißt, dass keinerlei Chemie, in Form von Spritzmitteln oder Düngern eingesetzt wird. Bei den Flächen handelt sich oft um Grundstücke unter Stromleitungen, wo kein Wald mit hohen Bäumen wachsen darf. So wurden diese Jahr zwischen 600 und 700 Fichten zu diesem Zweck eingeschlagen und abtransportiert. Um auch in den Folgejahren liefern zu können, wurden 1.000 Fichten in die Weihnachtsbaumkulturen nachgepflanzt.
Quelle: Stadt St. Wendel




