Im Landkreis St. Wendel erfüllen nur rund 2.400 der knapp 44.700 Wohnungen die Voraussetzungen, damit ältere Menschen mit körperlichen Einschränkungen darin gut zurechtkommen. Das geht aus einer regionalen Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts hervor, die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt wurde. „Damit bieten nur rund 5 Prozent aller Wohnungen im Landkreis St. Wendel den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Das Thema ist drängend: In den kommenden zehn Jahren gehen im Kreis rund 15.900 Baby-Boomer in Rente.
Als wichtigstes Einzelkriterium für altersgerechtes Wohnen gilt eine bodengleiche, gut begehbare Dusche. „Die gibt es aktuell nur in rund 13.200 Wohnungen im Landkreis St. Wendel“, so Günther. Damit erfüllten lediglich 30 Prozent der Wohnungen „das A-und-O-Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu können“. Beim Eingang beginnen die Probleme oft schon: 29 Prozent aller Hausflure – rund 11.600 Wohnungen – seien nicht breit genug für einen Rollstuhl. Oft seien bereits die Haustüren zu schmal. In rund 11.900 Küchen könnten Menschen mit Rollstuhl nicht wenden, und 18.500 Bäder – 41 Prozent – seien zu klein. Beim altersgerechten Umbau rät Günther, „unbedingt das Bad anzupacken“, warnt jedoch: „Gerade bei Wohnhäusern aus den 50er-Jahren ist oft die Decke zu dünn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen.“
BDB-Präsidentin Katharina Metzger fordert eine „Senioren-Umbau-Offensive“ und sogenannte „Boomer-Zuschüsse“ vom Bund. „Denn auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, sagt sie. Die Lösung liege „ganz klar im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute wohnen“. „Die Mieter, Wohnungs- und Hauseigentümer im Kreis St. Wendel brauchen dafür allerdings Rückenwind aus Berlin: ‚Boomer-Zuschüsse‘, mit denen sich aus Standard-Wohnungen mit Stufen und Stolperschwellen an der Dusche endlich barrierearme Wohnungen machen lassen“, so Metzger.
Das Pestel-Institut fordert, der Bund müsse einen Großteil der Umbaukosten als direkten Zuschuss übernehmen. „Denn wer kurz vor der Rente seine Wohnung altersgerecht umbauen will, der scheut sich, dafür noch einen Kredit aufzunehmen. Und die heute gängige staatliche Unterstützung von 10 Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein ‚Placebo-Zuschuss‘. Der reicht auf keinen Fall, um eine effektive Umbauwelle fürs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten“, sagt Günther. Auch Metzger kritisiert den bestehenden Fördermix aus KfW, Krankenkassen und Pflegeversicherung: „Durch das Förder-Dickicht muss man sich erst einmal durchkämpfen. Der Sanierungsschub, der dringend notwendig ist, kommt so jedenfalls nicht zustande.“ Der Bund müsse das altersgerechte Umbauen zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und einen „milliardenschweren Zuschuss“ bereitstellen.





