Die Gemeinschaftsschule Freisen arbeitet seit dem laufenden Schuljahr 2025/2026 an einem ganzheitlichen Kinderschutzkonzept. Hintergrund: Statistisch ist davon auszugehen, dass in einer durchschnittlichen Schulklasse zwei bis drei Kinder bereits Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht haben – meist im familiären oder nahen sozialen Umfeld. Die Schule setzt dabei nicht bei null an, sondern führt zahlreiche seit Jahren bestehende Maßnahmen erstmals systematisch zusammen.
„Kinderschutz beginnt nicht erst dann, wenn ein Verdachtsfall auftritt“, betont Schulleiter Marc André Müller. „Er beginnt dort, wo Kinder wissen, dass sie ernst genommen werden, dass ihnen zugehört wird und Erwachsene aufmerksam hinschauen. Unser Ziel ist eine Schulkultur, in der Kinder sich sicher fühlen und Verantwortung von allen getragen wird.“
Eine tragende Säule bildet das seit vielen Jahren bestehende Kriseninterventionsteam, das sich mindestens einmal monatlich trifft. Dem Team gehören Schulleiter Marc André Müller, die stellvertretende Schulleiterin Karina Ritter, die Lehrerin und Leiterin des Schulsanitätsdienstes Michaela Loch, der Lehrer und Schulseelsorger Rouven Ballof, der Lehrer und ehemalige Polizeibeamte Jan-Hendrik Mörsdorf, Schulsozialarbeiter Frank Seibert sowie Sekretärin Elke Kulla an. Das Gremium plant präventive Maßnahmen und begleitet bei Bedarf konkrete Fälle.
Bei der Erarbeitung des Konzepts wurde auf breite Beteiligung gesetzt. Neben Lehrkräften brachten sich Eltern und die Schülervertretung ein. Fachlich begleitete das SOS-Kinderdorf den Prozess. Zudem beschäftigte sich das gesamte Kollegium an einem pädagogischen Tag intensiv mit dem Thema. Auch ein Vertreter der WIAF als Träger der Freiwilligen Ganztagsschule nahm teil. „Ein wirksames Kinderschutzkonzept entsteht nicht am Schreibtisch“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin Karina Ritter. „Es lebt davon, dass Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie das gesamte Kollegium Verantwortung übernehmen. Nur gemeinsam kann Kinderschutz im Schulalltag gelingen.“
Im Zuge der Konzeptentwicklung wurden mögliche Risikobereiche analysiert, verbindliche Meldewege festgelegt und ein Verhaltenskodex erarbeitet. Das Konzept versteht sich dabei ausdrücklich als lebendiger Prozess, der kontinuierlich weiterentwickelt werden soll. Die Schule kann auf bewährte Strukturen aufbauen: die Schulseelsorge mit einer Sprechstunde an zwei Tagen pro Woche, die durchgängige Schulsozialarbeit, jährlich gewählte Vertrauenslehrkräfte sowie ein bestehendes Präventionscurriculum mit regelmäßigen Angeboten externer Partner wie Nele und Phönix. Das neue Konzept vernetzt diese Bausteine erstmals systematisch und schafft klare Zuständigkeiten und Abläufe, ohne Bewährtes zu ersetzen.
Zum Schuljahresbeginn 2026/2027 startet die nächste Phase: Alle Klassen werden altersgerecht über das Konzept informiert, Eltern umfassend eingebunden und Ansprechpartner sowie Unterstützungsangebote durch Aushänge und Informationsmaterialien noch sichtbarer gemacht. Die Meldewege innerhalb des Kollegiums sind bereits verbindlich eingeführt.
Schulsozialarbeiter Frank Seibert unterstreicht die Bedeutung der Vernetzung: „Kinder brauchen Menschen, denen sie vertrauen können. Oft ist es nur ein Gespräch, das den entscheidenden Unterschied macht. Unser Auftrag ist es, hinzuhören, aufmerksam zu sein und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Das Kinderschutzkonzept sorgt dafür, dass jeder weiß, an wen er sich wenden kann und welche Schritte anschließend folgen.“
Mit dem Konzept setzt die Gemeinschaftsschule Freisen ein deutliches Zeichen: Schule soll nicht nur ein Ort des Lernens sein, sondern auch ein Ort der Sicherheit, des Vertrauens und des Schutzes – zum Wohl aller Kinder und Jugendlichen.





