#WeRemember – „Das Schlimmste ist das Vergessen“

Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus: Dr. Rixecker hält fesselnden Vortrag

Prof. Dr. Rixecker hält VOrtrag zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus
Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus: Prof. Dr. Roland Rixecker hielt einen fesselnden Vortrag am Gymnasium Wendalinum (Foto: Karin Schüßler)

Thema der Vortragsveranstaltung: „Von der Notwendigkeit der Erinnerung in Tagen der Zeitenwende. Oder: Was hat der 07. Oktober 2023 mit dem 27.01.2024 zu tun?“

Am Samstag, 27.01.24, fand zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus die zentrale alljährliche Gedenkveranstaltung des Landkreises St. Wendel im Gymnasium Wendalinum statt. Als Gastredner war Prof. Dr. Roland Rixecker, Antisemitismus-Beauftragter der saarländischen Landesregierung, eingeladen. Warum der 27.01. als Gedenktag in jedem Jahr? Am 27.01.1945 waren die Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Auschwitz von der Roten Armee befreit worden. Dieser internationale Gedenktag wurde von den Vereinten Nationen im Jahre 2005 ins Leben gerufen. An der Aktion „#WeRemember“ gegen das Vergessen beteiligen sich auch der Deutsche Bundestag sowie der Deutsche Bundesrat. Ziel ist, im Gedenken an die Holocaust Opfer Zeichen gegen Antisemitismus und alle Formen von Völkermord, Hass und Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

OStD Alexander Besch, Schulleiter des Gymnasiums Wendalinum, begrüßte den Landrat Udo Recktenwald als Gastgeber der Veranstaltung, den Referenten Prof. Dr. Rixecker, das Adolf-Bender-Zentrum vertreten durch Jörn Didas, weitere Mitwirkende und Gäste aus Politik, Schulen, Gesellschaft sowie die anwesenden Teilnehmer der Vortragsveranstaltung. Auch von seiner Seite aus wurden mahnende Worte für diese Zeit ausgesprochen.

Landrat Udo Recktenwald (Foto: Karin Schüßler)

Im Landkreis St. Wendel wird seit 2015 jährlich an diesem internationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Landrat Udo Recktenwald ist es seit vielen Jahren wichtig, gemeinsam mit Vereinen wie dem „Verein wider das Vergessen und Rassismus“ e. V. in Marpingen sowie weiteren Institutionen wie dem Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel eine Erinnerungskultur zu schaffen, um das Geschehene und Erlebte während der NS-Zeit für nachfolgende Generationen als Warnung wachzuhalten. Einen großen Wert legt er hierbei darauf, die Jugend in die Erinnerungsarbeit miteinzubeziehen. Denn die Zunahme von Antisemitismus weltweit ist beunruhigend.

Udo Recktenwald sieht unsere Demokratie aufgrund des Wirkens von antidemokratischen Kräften in Gefahr, eine Demokratie, die wir durchaus auch wieder verlieren können. „Demokratie ist nicht gottgegeben, Demokratie ist anfällig, Demokratie lebt von Streitkultur, dem Austausch der Argumente sowie der Akzeptanz der Mehrheiten und dem Respekt vor Minderheiten“, so Recktenwald. Man könne nicht zulassen, dass die Demokratie sich mit ihren eigenen Waffen schlägt. Demokratie muss eine Zukunft haben. Derzeit sei sie in Gefahr, zeige Schwächen. Umso wichtiger sei es, politisch antidemokratische und antisemitische Strömungen im Auge zu behalten und aktiv dagegen zu wirken.

Zitat Udo Recktenwald: „80 % der AFD-Anhänger sehen Deutschland laut einer aktuellen Forsa Umfrage nicht in einer besonderen Verantwortung für Israel, 20 % sehen in den Juden die eigentlichen Herrscher der Welt.“ Nur an den Holocaust zu erinnern, sei nicht genug.  Der Landrat mahnt, dass sich Geschichte wiederholen kann. Er zitiert den amerikanischen Schriftsteller William Faulkner: „Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist noch nicht einmal vergangen.“ „Zusammenhalt sei jetzt wichtig, sich zu wehren und einzustehen gegen Hass und Gewalt, gegen Intoleranz und Antisemitismus, gegen Radikalität und Rassismus, gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung. Wir brauchen ein Bündnis für Demokratie, wir brauchen ein BFD, ein Bündnis für Demokratie statt AFD“, so Recktenwald.

Zum Abschluss seiner Rede zitiert der Landrat die Holocaust Überlebende Margot Friedländer: „Seid Menschen, lasst euch nicht anstecken!“

 

Angekündigt vom Landrat wurden eine Kundgebung sowie eine Demonstration für Demokratie am 05.02.24 in St. Wendel um 17 Uhr

 

Prof. Dr. Rixecker spricht in seinem Vortrag über Parallelen der NS-Zeit zur heutigen Zeit:
1940 – geplante Deportation aller europäischen Juden nach Madagaskar
2023 – geplante Deportation von Menschen mit Migrationshintergrund nach Nordafrika

Hermann Göring erklärte 1937 in Berlin, Hitler habe ihn angewiesen, den Madagaskar Plan endlich in Angriff zu nehmen. Dies bedeutete, alle europäischen Juden sollten nach Madagaskar, einem Inselstaat im Süden Afrikas, deportiert werden, den sie unter Androhung der Todesstrafe niemals wieder hätten verlassen dürfen.

Am 25.11.23 trafen sich in einem Landhotel in der Nähe von Potsdam Abgeordnete der AFD-Fraktion des Deutschen Bundestages, Abgeordnete des Landtages in Thüringen, Mitarbeitende der AFD, Mitglieder der Werteunion, wohlhabende Ärzte und Unternehmer. In einem Vortrag der österreichischen Identitären Bewegung, einer rechtsextremistischen rassistischen Gruppierung, wurde ein Masterplan vorgestellt, gemäß dem Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund in einen Musterstaat in Nordafrika deportiert werden sollen, sobald man an der Macht sei und die entsprechenden Gesetze verabschiedet wurden.

Als sich 1941 herausstellte, dass Madagaskar keine Option war, Juden zu deportieren, begann der Bau von Vernichtungslagern, u. a. Auschwitz. Die Endlösung wurde beschlossen und sechs Mio. Juden wurden in den darauffolgenden Jahren bestialisch ermordet. Nicht zu vergessen sind auch getötete Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Behinderte, Kranke, Homosexuelle, Zwangsarbeiter etc., die alle Opfer des Nazi-Regimes wurden.

Prof. Dr. Rixecker zitierte die deutsche CDU-Politikerin Rita Süssmuth sinngemäß: Erinnern tut weh, aber sich der Wahrheit der Geschichte zu stellen, sei aus zwei Gründen unverzichtbar: Einerseits verpflichten uns dazu die Opfer und deren Nachkommen, andererseits seien wir aber uns selber, unserem Staat, unseren Kindern und unseren Enkeln gegenüber dazu verpflichtet.

Auf Spurensuche zu gehen, bedeute Respekt zu haben vor der Vergangenheit mit all dem unsäglichen Leid, das Menschen unter dem Nazi Regime widerfahren war, aber auch Respekt zu wahren vor Menschen, die Mut bewiesen und ihre Mitmenschlichkeit nicht verloren hatten. Prof. Dr. Rixecker stellte heraus, wie wichtig Frieden, Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung für unsere Gegenwart und unsere Zukunft seien, vor allem auch für unsere jungen Menschen, denen wir gegenüber verpflichtet sind, diese Werte aufrechtzuerhalten und dafür zu kämpfen.

Wir müssen uns an die Seite der Opfer stellen aus Respekt vor ihrem Leid und auch, um nicht selbst zum Opfer zu werden. Rixecker beschreibt die Ängste von Juden in unserer Zeit, mit denen er Begegnungen hat. 24 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund leben in unserem Land, davon sind 15 Mio. Deutsche. Der „neue Madagaskar-Plan“ würde bedeuten, dass circa jeder 5. zu einem Opfer der Deportation werde, sollte aus diesen Plänen eine schreckliche Realität werden.

Was hat der Angriff der Hamas auf das Musikfestival im Gazastreifen mit dem 27.01. als internationalem Gedenktag für Nazi-Opfer zu tun?

Als Ursache für das, was im Nahen Osten derzeit geschieht, für das barbarische Vorgehen der Hamas gegenüber israelitischen Bürgern, schildert Prof. Rixecker völkermörderische Ideologien einer sich als Befreiungsbewegung bezeichnenden Gruppierung mit der Intention, einen Kalifatstaat zu errichten. In Wirklichkeit befreien möchte diese Bewegung aber nur von Rechten, Freiheit und Würde, so Rixecker, und dies auf äußerst brutale Weise. Diese Idee stammt von einem früheren Palästinenser, dem Grußmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini (+1974). Dieser galt als Bewunderer Hitlers. Nachdem er 1946 der frz. Gefangenschaft entkommen war, wurde er von dem Gründer der Muslimbruderschaft in Kairo mit den Worten begrüßt: „Die Niederlage Hitlers hat dich nicht entmutigt, lieber Freund!“

Prof. Rixecker ist sich sicher, dass diese Ideologien von den allermeisten Muslimen nicht geteilt werden. Er wünscht sich aber auch, dass genau diese Muslime ihrer inneren Einstellung einen klareren Ausdruck verleihen sollten, um sich von radikalen Glaubensbrüdern abzugrenzen.

Rixecker bemängelt und beklagt, dass an deutschen, britischen und amerikanischen Universitäten die deutsche politische Haltung Israel gegenüber bekämpft wird. Studenten behaupten, es sei ihnen nicht erlaubt, ihre Meinung frei zu äußern, nämlich pro-palästinensische Ansichten zu vertreten. Von Zensur wird gesprochen. Auch deutsche Künstler und Intellektuelle demonstrieren in den Medien per Social Media, Rundfunk und Fernsehen eine pro-palästinensische Haltung. An deutschen Schulen, auch im Saarland, werden bereits jüdische Jugendliche verbal verunglimpft und attackiert. Juden trauen sich nicht mehr, eine Kippa oder einen Davidstern zu tragen und es kommt vor, dass Häuser, in denen sie wohnen, mit einem Davidstern markiert werden. Beängstigende Erinnerungen werden wach!

Rixecker zitiert einen Philosophen: „Hab den Mut, dich deines aufgeklärten Verstandes zu bedienen“ und er bittet die Anwesenden, mutig zu sein gegenüber Verschwörungstheorien, extremistischen Parolen und Menschenhass mit einem Blick auf unsere Verfassung, denn

„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

Die AG „Spurensucher“ der Gemeinschaftsschule Theley mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 8 bis 10 unter der Leitung der Lehrerinnen Frau Bleimehl und Frau Pirron präsentierte unter dem Motto „Mutig sein“ das Leben des Pfarrers Johann Peter Schmitt, der sich dem nationalsozialistischen Regime widersetzte.

Auf wunderbare Weise musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von dem Lehrer und Chorleiter Harald Bleimehl (Klavier) sowie Annika Bickelmann (Geige) und Katharina Becker (Gesang). U. a. wurde auch ein bekanntes Stück des Filmkomponisten John Williams aus dem US-Amerikanischen Spielfilm „Schindlers Liste“ interpretiert.

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