„So etwas hat Nonnweiler auch noch nie erlebt“, ist sich Andreas Lauer, Einwohner von Nonnweiler, ganz sicher. Denn nicht nur in Sulzbach haben Tausende Menschen angestanden, um eine der begehrten Sonnenfinsternisbrillen zu ergattern. Auch mitten in Nonnweiler spielte sich am Donnerstagnachmittag eine Szene ab, mit der wohl niemand gerechnet hatte: Hunderte Menschen standen vor einem kleinen Dorfladen Schlange.
Auslöser war eine spontane Aktion von Florian Blaes, Inhaber von „Flo’s Eck“, dem Dorfladen in Nonnweiler. Er hatte erkannt, dass Sonnenfinsternisbrillen kurz vor dem besonderen Himmelsereignis kaum noch zu bekommen waren. Kurzerhand entschloss er sich, rund 300 Exemplare zu besorgen und sie in seinem Laden anzubieten.
Am Vormittag gegen 10.30 Uhr setzte Blaes auf seinen beiden Social-Media-Kanälen bei WhatsApp und Facebook einen Post ab. Darin informierte er die Nonnweiler und alle weiteren Abonnenten seiner Kanäle darüber, dass er seinen Dorfladen am Nachmittag um 17 Uhr eigens für den Verkauf der Sonnenfinsternis Brillen öffnen werde.
Was dann folgte, hatte selbst Blaes nicht erwartet.
Als er gegen 15 Uhr zur Grundschule im Ort fuhr, um die Kinder abzuholen, kam er an seinem Laden vorbei – und sah bereits die ersten Menschen davor stehen. Auf seine Nachfrage erklärten sie ihm, dass sie dort warten würden, bis der Verkauf um 17 Uhr beginne.
Blaes selbst war zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs, um die Sonnenfinsternisbrillen zu besorgen.
Als er gegen 16 Uhr nach Nonnweiler zurückkehrte, traute er seinen Augen kaum. Vor seinem kleinen Dorfladen mitten im Ort hatte sich bereits eine große Menschenmenge versammelt. Jung und Alt warteten darauf, eine der begehrten Schutzbrillen zu bekommen.
Und der Andrang wurde von Minute zu Minute größer. In der noch verbleibenden Stunde bis zur Öffnung kamen nach Schätzung von Florian Blaes rund 400 Menschen zusammen. Es bildete sich eine fast 100 Meter lange Warteschlange, die sich vom Laden in Richtung Dorfplatz zog.
Auch Andreas Lauer, Vermieter des kleinen Ladens und Mitbesitzer des Hauskomplexes, staunte nicht schlecht, als er mit seinem Auto vorfuhr. „So etwas hat Nonnweiler auch noch nie erlebt“, stellte er angesichts der Menschenmassen fest.
Tatsächlich war die gesamte Ortsmitte plötzlich voller Autos und Menschen. Rund um den Dorfplatz war kaum noch ein freier Parkplatz zu finden.
„Mit einem solchen Ansturm hätte ich nie im Leben gerechnet. Dass viele Menschen kommen werden, ja – aber nicht in diesem Ausmaß“, sagte Florian Blaes.
Schnell war ihm klar, dass er den Verkauf nicht alleine bewältigen konnte. Kurzerhand rief er seine Frau Bianca und eine Freundin Carolin Eli aus dem Ort an und bat beide, so schnell wie möglich zum Dorfladen zu kommen. Vor Ort sei „der Wahnsinn los“.
Punkt 17 Uhr begann schließlich der Verkauf der insgesamt 300 Sonnenfinsternis- Schutzbrillen. Blaes hatte zuvor auch einen Auftrag eines renommierten Hotels am Bostalsee erhalten und war eigens unterwegs gewesen, um Brillen zu besorgen, die anschließend in Nonnweiler abgeholt wurden.
Viele Sonnenfinsternis-Begeisterte konnte der Dorfladenbesitzer an diesem Nachmittag glücklich machen – allerdings längst nicht alle. Nach nicht einmal 20 Minuten waren sämtliche 300 Brillen restlos ausverkauft. Vor dem Laden warteten zu diesem Zeitpunkt noch zahlreiche Menschen. Blaes blieb nichts anderes übrig, als ihnen mitzuteilen, dass keine einzige Brille mehr verfügbar war.
Beim Verkauf hatte das Team extra darauf geachtet, die Abgabemenge zu begrenzen: Niemand sollte mehr als fünf Brillen erhalten. Doch selbst das reichte angesichts des enormen Andrangs nicht aus.
Für Blaes war es wichtig, mit seiner spontanen Aktion überhaupt noch eine Möglichkeit geschaffen zu haben, im Nordsaarland kurzfristig Sonnenfinsternisbrillen zu bekommen – auch wenn diese inzwischen deutlich teurer waren als noch in der Vorwoche.
Über die riesige Resonanz war er dennoch erstaunt. Die Interessenten kamen längst nicht nur aus Nonnweiler und dem übrigen Nordsaarland. Auch aus dem angrenzenden Kreis Trier-Saarburg machten sich zahlreiche Menschen auf den Weg. Die wohl weiteste Anreise hatte eine Sonnenfinsternis-Begeisterte aus Bernkastel-Kues, die eigens nach Nonnweiler gefahren war, um noch eine Schutzbrille zu ergattern.
Nach dem außergewöhnlichen Ansturm im Ortskern dauerte es dann nicht mehr lange, bis viele der glücklichen Käufer weiterzogen. Mit ihren frisch erworbenen Schutzbrillen machten sie sich auf den Weg zu den Anhöhen rund um Nonnweiler – um dort das eigentliche Ereignis des Tages zu verfolgen: die Sonnenfinsternis.




