Immer mehr Kinder im Saarland in Obhut genommen – CDU will Familien früher erreichen

Symbolbild

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die im Saarland von Jugendämtern in Obhut genommen wurden, ist erneut gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt waren es 2025 insgesamt 642 Fälle – nach 615 im Jahr 2024, 599 im Jahr 2023 und 457 im Jahr 2022. Als häufigster Anlass wurde die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils genannt. Die familienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Dagmar Heib, und der für Kinderschutz zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Alwin Theobald, reagierten mit deutlichen Forderungen an die Landesregierung.

„Hinter jeder Inobhutnahme steht ein Kind oder ein Jugendlicher in einer schweren persönlichen oder familiären Krisensituation. Diese Entwicklung muss uns alle alarmieren. Deshalb dürfen die steigenden Zahlen weder für vorschnelle Schuldzuweisungen instrumentalisiert noch achselzuckend hingenommen werden. Jede Inobhutnahme ist ein Signal dafür, dass Familien früher erreicht und besser unterstützt werden müssen“, erklärten beide Politiker gemeinsam.

Heib verwies darauf, dass Familien aus unterschiedlichsten Gründen an ihre Grenzen gerieten – etwa durch psychische Erkrankungen, finanzielle Sorgen, Trennungen oder fehlende Betreuungsmöglichkeiten. „Wer Kinder wirksam schützen will, muss Familien frühzeitig erreichen und ihnen verlässliche sowie unbürokratische Hilfen anbieten“, sagte sie. Die Stärkung der Lotsendienste und Frühen Hilfen an saarländischen Geburtskliniken begrüße sie ausdrücklich. Allerdings dürfe Unterstützung nicht nach den ersten Lebensmonaten enden: „Familien brauchen eine verlässliche Hilfekette – von der Schwangerschaft und Geburt über Kita und Schule bis hinein in die Jugendphase. Prävention ist der wirksamste Kinderschutz.“

Theobald betonte, dass die Jugendämter mit ihrem konsequenten Handeln richtig lägen, und dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendämter, den Bereitschaftspflegefamilien sowie allen Einrichtungen, die kurzfristig Verantwortung übernähmen. Zugleich mahnte er: „Die Landesregierung darf sich deshalb nicht auf die reine Statistik beschränken. Sie muss gemeinsam mit den Landkreisen und dem Regionalverband die Ursachen dieser Entwicklung umfassend analysieren und überprüfen, ob die bestehenden Hilfesysteme den steigenden Anforderungen überhaupt noch gerecht werden.“ Es müsse geprüft werden, ob ausreichend Bereitschaftspflegefamilien, geeignete stationäre Plätze und qualifiziertes Fachpersonal vorhanden seien. „Kinder, die aus ihrer Familie genommen werden müssen, brauchen nicht nur Schutz, sondern auch Stabilität, Betreuung und eine verlässliche Perspektive“, so Theobald.

Konkret fordern Heib und Theobald eine anonymisierte Auswertung der Inobhutnahmen nach Altersgruppen, Regionen und Gefährdungslagen. Das Land solle gemeinsam mit den kommunalen Jugendhilfeträgern eine Bestandsaufnahme der Hilfsangebote vornehmen und einen Ausbauplan dort vorlegen, wo Kapazitätsengpässe bestünden. „Wir brauchen einen landesweiten Kinderschutz- und Präventionsplan, der verbindlich regelt, wie Geburtskliniken, Kinderärzte, Kitas, Schulen, Beratungsstellen und Jugendämter künftig noch enger zusammenarbeiten. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass nach einer notwendigen Inobhutnahme ausreichend Hilfs- und Betreuungsangebote zur Verfügung stehen. Kinderschutz darf nicht an fehlenden Kapazitäten scheitern.“

Abschließend betonten beide: „Wo Kinder unmittelbar gefährdet sind, muss der Staat entschlossen handeln. Unser Anspruch muss aber sein, Krisen möglichst früh zu erkennen und Familien so zu unterstützen, dass eine Trennung von Eltern und Kindern nach Möglichkeit verhindert werden kann. Wo eine Inobhutnahme unvermeidbar ist, müssen wir sicherstellen, dass jedes betroffene Kind schnell einen geeigneten und sicheren Platz sowie die notwendige Betreuung erhält. Nachhaltiger Kinderschutz beginnt lange vor einer Inobhutnahme und darf auch nach ihr nicht enden.“

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