Die Debatte um die erhöhte Hundesteuer in St. Wendel schlägt weiter hohe Wellen. Wie bereits berichtet (Wndn.de) hatte der Stadtrat die Hundesteuer angehoben, was bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf Kritik stieß. Nun werden die Stimmen in den sozialen Medien immer lauter – und SPD-Stadtratsmitglied Marc André Müller hat sich in einem ausführlichen Facebook-Beitrag zu Wort gemeldet, um die Entscheidung seiner Fraktion zu erklären.
Müller betont zunächst, dass der Beschluss in der öffentlichen Stadtratssitzung am 25. Juni 2026 einstimmig gefallen sei – alle Fraktionen hätten zugestimmt. Die SPD habe die Maßnahme mitgetragen, weil St. Wendel auch nach der Erhöhung im saarländischen Vergleich weiterhin zu den günstigeren Kommunen gehöre. Die Hundesteuer-Erhöhung sei Teil eines ersten Maßnahmenpakets zur Haushaltskonsolidierung. Der Schuldenberg der Kreisstadt werde bis Ende des Jahres auf rund 70 bis 72 Millionen Euro anwachsen. Diese Entwicklung sei „das Ergebnis einer jahrelangen Haushaltspolitik, die hauptsächlich von der CDU und Bürgermeister Klär verantwortet wurde“, so Müller.
Gleichzeitig warnt der SPD-Politiker davor, die Hundesteuer-Erhöhung als Lösung der finanziellen Probleme zu betrachten. Sie sei lediglich „ein kleiner Baustein in einem Konsolidierungsprozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist.“ Weitere Maßnahmen seien unausweichlich, solange sich an den Ursachen nichts ändere. Müller kritisiert, dass Gebühren- und Steuererhöhungen in St. Wendel regelmäßig vermieden worden seien – insbesondere vor Wahlen. CDU und Bürgermeister hätten vor der Bürgermeister- und Kommunalwahl sogar mit „stabilen Verhältnissen“ geworben.
Besonders brisant: Der letzte Jahresabschluss, den der Bürgermeister dem Stadtrat vorgelegt habe, stamme aus dem Jahr 2021. Das bedeute, dass der Stadtrat nicht wisse, wie die Jahre 2022, 2023, 2024 und 2025 finanziell abgeschlossen wurden. „Möglicherweise warten da weitere sehr unangenehme Überraschungen auf uns“, warnt Müller.
Der SPD-Politiker stellt klar, dass seine Fraktion keineswegs jede Erhöhung mittrage. Ende 2025 habe die SPD als einzige Fraktion gegen die deutliche Erhöhung der Müllgebühren und gegen die Anhebung der Grundsteuer gestimmt, da dort eine wesentlich stärkere Belastung der Bürgerinnen und Bürger zu erwarten gewesen sei. Dennoch müsse man sich einer unbequemen Wahrheit stellen: „St. Wendel lebt seit Jahren über seine finanziellen Verhältnisse.“ Allein im Jahr 2025 seien rund vier Millionen Euro für Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben worden, während der Schuldenstand weiter steige. „Genau dort liegt das eigentliche Problem“, so Müller.
Selbstkritisch räumt der SPD-Stadtrat ein, dass es „unglücklich war, die Erhöhung rückwirkend zu beschließen.“ Die SPD hätte besser darauf drängen sollen, die Erhöhung erst ab 2027 in Kraft treten zu lassen. „Rückblickend war das eine falsche Entscheidung von uns“, gibt Müller offen zu.
Er empfiehlt interessierten Bürgerinnen und Bürgern, das Ratsinformationssystem der Kreisstadt zu abonnieren, über das Tagesordnungen aller öffentlichen Stadtratssitzungen veröffentlicht werden. Wer den E-Mail-Service nutze, werde automatisch über anstehende Sitzungen informiert. Zudem legt Müller allen Interessierten ans Herz, sich selbst einmal eine Stadtratssitzung anzusehen: „Wer sich ein eigenes Bild macht, versteht viele Entscheidungen besser und wird vielleicht überrascht sein, wie in St. Wendel Politik gemacht wird.“




