St. Wendel. Der Kreistag des Landkreises Sankt Wendel hat in seiner Sitzung am 22. Juni 2026 mehrere weitreichende Beschlüsse gefasst. Zum Auftakt wurde das neue Kreistagsmitglied Andree Kalusha verpflichtet, der für Andreas Türk (SPD) nachrückte, nachdem dieser sein Mandat niedergelegt hatte.
Dass die Sitzung zeitlich mit dem bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ zusammenfiel, war zwar Zufall – der Kreistag nutzte die Gelegenheit jedoch, eine Resolution zu verabschieden. Darin forderte das Gremium den Bund auf, die kommunalen Finanzen zu stabilisieren, Reformen insbesondere im sozialen Bereich voranzutreiben und Bürokratie abzubauen. Die Resolution entsprach dem Berliner Appell des Deutschen Landkreistages. Hintergrund ist die prekäre finanzielle Lage vieler Kommunen: Bund und Land übertragen ihnen immer mehr Aufgaben, ohne die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen.
Mit nur einer Gegenstimme beschloss der Kreistag zudem, ein Stilllegungsverfahren für die Ostertalbahnstrecke zwischen Ottweiler und Schwarzerden zu beantragen. Der Landkreis pachtet die Strecke, auf der eine Museumsbahn verkehrt, seit Januar 2000 von der Deutschen Bahn. Der Vertrag hatte eine Laufzeit von 25 Jahren und verlängert sich automatisch um jeweils ein Jahr, sofern kein Vertragspartner kündigt. Mehrere Gründe sprachen für die Stilllegung: Das Unternehmen KNDS hat angekündigt, im Bereich des Bahnhofs Schwarzerden Produktionsflächen errichten zu wollen – was nur bei einer Stilllegung der Strecke möglich sei. Zudem stehen in den kommenden Jahren umfangreiche Sanierungsarbeiten an, die der Landkreis als Infrastrukturunternehmen kaum finanzieren könne. Untersuchungen und Gespräche unter anderem mit dem Land über mögliche finanzielle Hilfen hätten keine Erfolgsaussichten ergeben. Das Gremium beauftragte die Verwaltung, den Pachtvertrag zu kündigen und die Stilllegung bei der Landeseisenbahnaufsicht zu beantragen.
Vor der Sommerpause fasste der Kreistag darüber hinaus einstimmig weitere Beschlüsse: Das Landesprojekt „Ausbildungschecker“, das junge Menschen nach dem Verlassen der allgemein- oder berufsbildenden Schule unterstützen soll, wird im Landkreis umgesetzt. Außerdem stellt der Landkreis den Gemeinden rund 250.000 Euro zur Verfügung, damit diese Mobiliar für ihre Dorfgemeinschaftshäuser anschaffen können. Diese Maßnahme ist Teil des Projektes „Digitale Knotenpunkte“ im Rahmen des Digitalisierungsvorhabens Smart Wendeler Land, das zu 90 Prozent vom Bund gefördert wird.





