Die saarländische Wirtschaft kommt auch zu Beginn des Sommers nicht in Fahrt. Das geht aus der aktuellen Juni-Umfrage der IHK Saarland hervor, an der sich rund 300 Unternehmen mit insgesamt gut 90.000 Beschäftigten beteiligt haben. Zwar verbesserte sich der IHK-Lageindikator zum sechsten Mal in Folge und kletterte um 2,8 Punkte auf 6,4 Zähler – vor allem dank besserer Einschätzungen in Teilen der Stahl- und Automobilwirtschaft sowie im Handel. Allerdings liegt der Wert nach wie vor weit unter dem langjährigen Durchschnitt von rund 17 Zählern. Gleichzeitig verschlechterten sich die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate: Der IHK-Erwartungsindikator sank um 0,8 Punkte auf minus 13,8 Zähler. Als Hauptgründe gelten die Sorge vor weiterhin hohen Energiepreisen sowie mangelndes Vertrauen in die Reformbereitschaft der Bundesregierung.
Aktuell bewerten 25 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, 56 Prozent als befriedigend und 19 Prozent als schlecht. Lediglich vier Prozent rechnen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften, während 17 Prozent eine Verschlechterung erwarten und 79 Prozent von einer gleichbleibenden Entwicklung ausgehen. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé kommentierte die Ergebnisse: „Der Blick auf das zweite Halbjahr 2026 ist überwiegend von fehlendem Optimismus geprägt. Das Zögern und Zerreden dringend benötigter Reformen zur Entlastung von Unternehmen und Verbrauchern trägt spürbar zur Verunsicherung der Wirtschaft bei. Diese Unsicherheit und der unverändert hohe Kostendruck verhindern die dringend notwendige Belebung privater Investitionen. Zudem erhöht die aggressive chinesische Preispolitik den Importdruck auf den europäischen Märkten und verschärft den Wettbewerb für viele heimische Unternehmen. Die Bundespolitik ist deshalb mehr denn je gefordert, endlich einen glaubhaften wirtschaftspolitischen Turnaround einzuleiten. Unternehmen müssen bei Energiepreisen, Steuern, Abgaben und Bürokratie spürbar entlastet werden. Das würde Vertrauen schaffen und die Bereitschaft stärken, wieder mehr zu investieren, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen und den Standort aus eigener Kraft zu modernisieren. Solange diese Impulse ausbleiben, bleibt für das Saarland ein Wirtschaftswachstum leicht oberhalb der Nulllinie in diesem Jahr noch das optimistischste Szenario. Doch das ist deutlich zu wenig, um Wohlstand, Beschäftigung und Zukunftschancen dauerhaft zu sichern.“
Im Verarbeitenden Gewerbe ergibt sich ein gemischtes Bild. Als überwiegend befriedigend stufen weite Teile der Industrie ihre Situation ein – darunter das Ernährungsgewerbe, die Metallerzeugung, die Stahlindustrie, der Stahlbau, der Maschinen- und Anlagenbau, die Medizintechnik, die Elektroindustrie sowie große Teile der Automobilzulieferer. In der Gummi- und Kunststoffindustrie sorgen die Entwicklungen im Nahen Osten weiterhin für Unsicherheit bei der Rohstoffversorgung. Besonders angespannt bleibt die Lage bei den Gießereien, die unter hohen Energie- und CO₂-Kosten leiden. Im Dienstleistungssektor berichten 76 Prozent der Unternehmen von guten oder zumindest befriedigenden Geschäften. Die IT-Branche profitiert von der zunehmenden Digitalisierung, während im Finanzsektor, bei unternehmensnahen Dienstleistern, im Handel sowie in Hotellerie und Gastronomie befriedigende Einschätzungen überwiegen.
Die Politik bezeichnete die IHK als Geschäftsrisiko Nummer eins. Thomé forderte entschlossene Strukturreformen: „Dauerhaft tragfähiges Wachstum entsteht nicht durch staatliche Impulse auf Pump, sondern durch bessere Rahmenbedingungen für Investitionen, Innovationen und unternehmerische Initiative. Dafür braucht es jetzt entschlossene strukturelle Reformen: einen handlungsfähigen und zugleich schlanken Staat, wettbewerbsfähige Steuern und Lohnnebenkosten sowie international konkurrenzfähige Energiepreise. Die dazu notwendigen Strukturreformen dürfen nicht länger durch politische Taktik oder Wahltermine ausgebremst werden. Sie müssen jetzt angegangen werden, damit Deutschland und das Saarland ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen und wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad einschwenken können.“





