Gefängnisstrafe möglich?

Strafanzeige gegen Ex-Nationaltorhüter Eike Immel – „Ich habe ihn gewarnt“

Ex-Nationalspieler Eike Immel (Foto: Udo Grimberg, Lizenz: CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0) , via Wikimedia Commons

Der Tholeyer Unternehmer Michael Lampel hat seinen Worten Taten folgen lassen: „Die Strafanzeige gegen Eike Immel ging heute Morgen in die Post und dürfte Donnerstag spätestens bei der Staatsanwaltschaft in Marburg sein“, bestätigte er am 17.01.23 gegenüber wndn.de. Der Ex-Nationaltorhüter Immel soll den Unternehmer um rund 20.000 Euro betrogen haben (wir berichteten). Lampel zieht jetzt die Konsequenzen.

Immels dreiste Masche

Der PR-Berater Lampel lernte den ehemaligen deutschen Fußballspieler Eike Immel bei der 100-Jahr-Feier des SV Hasborn kennen. Der Keeper wurde vom Verein als Ehrengast eingeladen. Er sei „sehr sympathisch“ gewesen, ein „echter Menschenfänger“, sagt Lampel. Sie haben sich gut verstanden.

Einige Tage später meldete Immel sich mit einer Idee bei Lampel. Er stellte ihm eine PR-Beratung für Katar im Rahmen der Weltmeisterschaft in Aussicht und behauptete, mit dem Emir von Katar in Kontakt zu stehen. Der Unternehmer Lampel habe selbst verschiedene Zugänge zu Katar gehabt, eine Verbindung zur Familie des Emir hätte gut gepasst. Einen Zugang bekomme man aber nur über ein Netzwerk. So interessierte sich Lampel zunächst für Immels Angebot. Während dieses Telefonats erwähnte Immel beiläufig, dass sein Geldbeutel gestohlen worden sei und er Geld fürs Taxi brauchte. Lampel bot ihm an, zu helfen und ihm 250 Euro zu überweisen. Da er ohne seine Bankkarte keinen Zugriff auf sein Konto habe, sollte das Geld auf das Konto des Taxifahrers überwiesen werden. Am selben Tag meldete sich Immel wieder bei Lampel und bat ihn, ihm weitere 250,- Euro zu überweisen. Lampel kam der Bitte nach. Für ihn sei es nicht ungewöhnlich gewesen, für Partner oder Kunden in Vorkasse zu treten oder mal etwas zu bezahlen. Immel beteuerte, er werde das Geld zurückzahlen, er habe über 37 Mio. Euro auf seinem Konto, das ihm Katar bereits für seine Arbeit zur Verfügung gestellt habe.

Es folgten weitere Anrufe bei denen Immel sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Einzelbeträge erschlichen hat, etwa für Taxifahrten, Transportleistungen oder ein Handy, weil er seines verloren hätte. In der Strafanzeige, die wndn.de vorliegt, ist von 47 Fällen die Rede bei denen insgesamt 20.000 Euro für Immel zusammenkamen – ein Großteil der Geldbeträge landete auf dem Konto des Taxifahrers. Von ihm wird Lampel zu einem späteren Zeitpunkt noch Antworten verlangen.

„Im September habe ich ihn (Immel) zum ersten Mal gewarnt“, erinnert sich Lampel. Wenn die Geschichten erfunden sind, werde das Konsequenzen haben. Immel habe darauf hin seine Entschlossenheit gelobt und ihm gesagt, dass er diese schätzt und es toll finde, mit ihm zusammenzuarbeiten. Danach herrschte ein paar Wochen Funkstille, bis Immel sich im Dezember wieder meldete.

Er habe nun den unterschriftsreifen Vertrag von Katar vorliegen, der zuerst eine monatliche Vergütung von knapp 60.000 Euro beinhalte und der dann auf 120.000 Euro erhöht werde. Der Vertrag enthalte zudem eine „Signing Fee“, also einen Bonus für die Unterschrift von sechs Monatsbeträgen (720.000 Euro).  Des Weiteren sollte Lampel einen weißen Mercedes 500 als Dienstwagen und seine Frau ein Porsche Cabriolet AMG als Geschenk erhalten. Um die Autos zu ihm bringen, müsse er jedoch noch 500,- Euro an Immel überweisen.

Zu diesem Zeitpunkt war Lampel bereits klar, dass Immel nicht zu trauen war. Wie er gegenüber wndn.de berichtet, wollte er sehen, wie weit der ehemalige Nationalspieler noch gehen würde und ging mit, „um Beweise zu sammeln“. Am 11. Januar 23 erzählte Immel im Telefonat mit Lampel, dass die Autos nun bei einem Sicherheitsdienst in Elversberg im Saarland seien. Eine Cartier Damenuhr im Wert von 58.000 Euro sowie eine Rolex Daytona mit grünem Zifferblatt im Wert von knapp 80.000 Euro befänden sich als Geschenke zusammen mit den 720.000 Euro in einem verplombten Sack im Kofferraum. Für die Übergabe sei Immel mit dem Emir bereits im Taxi auf dem Weg ins Saarland. Für diese Fahrt sollte Lampel noch einmal 600,- Euro zahlen. Dieses Gespräch ließ Lampel von einem Zeugen mithören. Danach teilte er Immel mit, dass er nun rechtliche Schritte gegen ihn einleiten werden.

Was hatte der Taxifahrer mit dem Ganzen zu tun?

„Ich habe am 4. Januar 2023 den Taxiunternehmer telefonisch kontaktiert, um mir von ihm bestätigen zu lassen, dass Eike Immel die von mir als Darlehen zur Verfügung gestellten Beträge für tatsächliche Fahrten mit dem Taxiunternehmer ausgibt“, erklärt Lampel in der Anzeige. „Der Taxifahrer sagte mir dann, dass ich ‚am Ende eines Rattenschwanzes‘ von Leuten sei, von denen sich Eike Immel in den letzten Wochen und Monaten Geld geliehen hat.“ Immel habe sich täglich vom Taxifahrer von zu Hause aus zu Cafés in seiner Heimatstadt Stadtallendorf fahren lassen. In diesen Cafés habe Immel regelmäßig Schulden angehäuft, die der Taxifahrer dann für Immel bezahlt hat (auch von Lampels Geld). Den Rest der Beträge habe er Immel ausgezahlt. Fahrten ins Saarland, die Immel so oft angekündigt hat, sollen nie mit dem Taxifahrer abgesprochen gewesen sein.

Lampel hat Strafanzeige erstattet – weitere Geschädigte melden sich

Gestern (17.01.23) hat Lampel die Strafanzeige zusammen mit allen Beweisen per Post a die Staatsanwaltschaft in Marburg geschickt. Darin benennt er Zeugen, die einige der Telefonate zwischen Lampel und Immel mitgehört hatten. Auch Immels Taxifahrer ist unter den Zeugen. Er soll mitbekommen haben, wie Immel während der Taxifahrten anderen Geschäftspartnern „das Blaue vom Himmel gelogen“ hat.

Inzwischen sind zwei weitere Geschädigte bekannt. Lampel geht von mehr Geschädigten aus. Mit seinem Schritt in die Öffentlichkeit und seiner Anzeige will Lampel weitere Menschen davor bewahren, auf Immels Masche reinzufallen.

Haftstrafe für Immel möglich?

Immel wurde im Jahr 2008 schon einmal wegen Betrugs rechtskräftig verurteilt. Damit gilt er als vorbestraft, wodurch eine Haftstrafe, auch in Anbetracht der erschlichenen Geldsummen und weiterer ähnlicher Betrugsfälle, nicht unwahrscheinlich ist – wenn es zu einem Verfahren kommt. „Ich gehe davon aus, dass er eine Freiheitsstrafe bekommen könnte, die auf Bewährung ausgesetzt wird“, vermutet Lampel. Dass er sein Geld wieder sieht, davon geht er nicht aus, er ist jedoch fest entschlossen, es nicht unversucht zu lassen. Somit will er unter anderem versuchen, Immels Einnahmen des Buches, an dem er mitgewirkt hat, pfänden zu lassen. Diese Entschlossenheit dürfte Immel inzwischen nicht mehr so gut gefallen.

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