Die Diskussion um das St. Wendeler Oktoberfest zieht weitere Kreise. Jetzt übt mit Alex Zeyer (CDU), Beigeordneter der Kreisstadt St. Wendel, ein Mitglied der eigenen Rathausmehrheit deutliche Kritik am Vorgehen der Stadt und an der bisherigen Erklärung von Bürgermeister Peter Klär (CDU). Zeyer hält insbesondere die Auswahl des neuen Veranstalters ohne ein Interessenbekundungsverfahren für nicht nachvollziehbar.
„Eigentlich wollte ich mich zum Thema Oktoberfest in St. Wendel nicht mehr äußern. Die aktuelle Erklärung und die Beantwortung der offenen Fragen durch das Rathaus überzeugen mich jedoch nicht“, erklärte Zeyer auf Facebook.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Damit meldet sich nach dem FC Blau-Weiß und der SPD-Stadtratsfraktion nun ein weiterer Akteur öffentlich zu Wort. Zeyer ist dabei nicht nur CDU-Mitglied, sondern als Beigeordneter selbst Teil der kommunalpolitischen Führung der Kreisstadt.
Zeyer hält Interessenbekundungsverfahren für fairer
Ausgangspunkt des Konflikts ist die Entscheidung des FC Blau-Weiß St. Wendel, das Oktoberfest in diesem Jahr nicht mehr in der bisherigen Form auszurichten. Nach Darstellung des Vereins sollte eine Zusammenarbeit mit Alm Events die aufgrund gestiegener Kosten schwieriger gewordene Veranstaltung wirtschaftlich absichern. Bestandteil der Planung war ein vierter Veranstaltungstag.
Zeyer hält die wirtschaftlichen Beweggründe des Vereins für nachvollziehbar. Nachdem die Stadt den vierten Tag nicht genehmigt und der Verein daraufhin abgesagt habe, hätte nach seiner Auffassung ein anderes Verfahren beginnen müssen.
„Zu diesem Zeitpunkt hätte es aus meiner Sicht ein Interessenbekundungsverfahren unter den St. Wendeler Gastronomen geben müssen. Ob ein solches Verfahren rechtlich zwingend erforderlich gewesen wäre, ist für mich dabei nicht der entscheidende Punkt. Es wäre fair und transparent gewesen.“
Die Kreisstadt hatte zuvor auf Anfrage von WNDN erklärt, dass eine öffentliche Ausschreibung oder ein formelles wettbewerbliches Interessenbekundungsverfahren nicht erforderlich gewesen sei. Die Auswahl und Zulassung des Veranstalters sei auf Grundlage einer Zulassungsentscheidung zu einer öffentlichen kommunalen Einrichtung nach Paragraf 19 des Kommunalselbstverwaltungsgesetzes erfolgt.
Nach der Absage des FC Blau-Weiß habe sich Bürgermeister Peter Klär darum bemüht, einen Veranstalter für das etablierte dreitägige Oktoberfestformat zu finden. Eine Lösung sei schließlich mit dem Betreiber der Musikkneipe „Spinnrad“ gefunden worden, der laut Stadt bereits in der Vergangenheit den Kirmesbetrieb der Vereine personell und logistisch unterstützt hatte.
„Eine echte Chance vertan“
Zeyer stellt nicht grundsätzlich infrage, dass die Stadt rechtlich auf eine Ausschreibung verzichten konnte. Seine Kritik richtet sich vielmehr gegen die Art des Auswahlprozesses.
So hätte seiner Auffassung nach die Möglichkeit bestanden, dass sich mehrere St. Wendeler Gastronomen gemeinsam um das Oktoberfest bemühen. Dadurch hätte möglicherweise ein umfangreicheres Programm entstehen können.
„Vielleicht hätten sich auch mehrere Gastronomen zusammengeschlossen und gemeinsam ein attraktives Festzeltprogramm auf die Beine gestellt, das mehr bietet als lediglich drei Abendveranstaltungen. Diese Möglichkeit wurde leider nicht genutzt – und damit eine echte Chance vertan.“
Zeyer sieht Widerspruch zum Weihnachtsmarkt
Besonders kritisch bewertet der CDU-Politiker einen Vergleich mit einem anderen Vorgang in St. Wendel. Nach seiner Darstellung wollte ein Gastronom während der Weihnachtszeit ein zusätzliches Angebot im Stadtpark schaffen. Damit sollte zugleich der starke Besucherandrang rund um den Weihnachtsmarkt entzerrt werden.
Eine Genehmigung sei jedoch nicht erteilt worden. Als Begründung sei damals angeführt worden, dass zunächst alle Gastronomen gefragt werden müssten und niemand bevorzugt werden dürfe.
Zeyer sieht darin einen Widerspruch zum Vorgehen beim Oktoberfest: „Wie diese beiden Vorgehensweisen zusammenpassen, erschließt sich mir nicht. Die Entscheidungen wirken weder einheitlich noch transparent. Gerade deshalb wäre eine nachvollziehbare Erklärung wichtig gewesen.“
Warum wurde der vierte Tag abgelehnt?
Auch die Ablehnung des vierten Veranstaltungstages wirft aus Sicht Zeyers weiterhin Fragen auf. Auf die Nachfrage eines Facebook-Nutzers, weshalb die Stadt diesen Tag nicht gewollt habe, antwortete der Beigeordnete: „Bis heute gibt es darauf keine klare Antwort.“
Dies sei für ihn insbesondere deshalb verwunderlich, weil es nach seiner Darstellung auch in den vergangenen Jahren regelmäßig einen zusätzlichen Veranstaltungstag gegeben habe. Dieser sei zwar nicht als klassisches Oktoberfest gestaltet gewesen, dafür hätten beispielsweise eine Mallorca-Party oder ein Beer-Pong-Turnier stattgefunden.
Der FC Blau-Weiß hatte zuvor ähnlich argumentiert. Der Verein erklärte, dass ein vierter Tag Bestandteil seiner wirtschaftlichen Planung gewesen sei. Nach eigener Darstellung sei die Stadt bereits Ende 2025 über diese Pläne informiert worden. Erst am 7. Mai 2026 habe das Ordnungsamt eindeutig mitgeteilt, dass es keinen vierten Tag geben werde.
Kritik aus den eigenen Reihen
Dass die Diskussion inzwischen auch innerhalb der CDU geführt wird, zeigte sich ebenfalls unter Zeyers Facebook-Beitrag. Ein Nutzer kritisierte, dass sich demokratische Parteien und deren Mitglieder in der aktuellen politischen Situation nicht gegenseitig öffentlich beschädigen sollten.
Zeyer wies die Kritik zurück. Bürger würden ihn und seine Mitstreiter bei Veranstaltungen, Bürgersprechstunden, online und per E-Mail regelmäßig auf kommunale Entscheidungen und Abläufe ansprechen. Diese Fragen könnten nicht aus Sorge um den Eindruck politischer Geschlossenheit verschwiegen werden.
„Zusammenhalt bedeutet für mich nicht, dass jede Entscheidung unwidersprochen bleiben muss. Sachliche Kritik ist weder ein persönlicher Angriff noch ein Gegeneinander. Wenn Entscheidungen aus meiner Sicht Fragen aufwerfen oder nicht nachvollziehbar erscheinen, spreche ich das offen und sachlich an. Das muss Demokratie aushalten.“
Der Streit um das Oktoberfest dürfte damit vorerst nicht beendet sein.




