SPD und Hebammengemeinschaft befürchten Aus für Geburtsklinik in St. Wendel

Foto: Marienkrankenhaus St. Wendel

Die SPD-Politikerin Réka Klein spricht sich gegen eine Verlegung der operativen Gynäkologie und Frauenheilkunde vom Marienkrankenhaus St. Wendel zum St. Josef Kohlhof nach Neunkirchen aus. Die Verlegung, die für das Frühjahr 2022 geplant ist, ziehe Konsequenzen nach sich, die das Marienkrankenhaus als Geburtsklinik schlechter dastehen lassen. Zudem führe unter anderem die Unsicherheit darüber, ob es ohne operative Gynäkologie noch eine Geburtsklinik gibt, dazu, dass die Geburtsrate im Krankenhaus weiter sinke. Im ungünstigsten Fall könne das das Ende der Geburtsklinik in St. Wendel bedeuten.

Die Betten auf der Gynäkologischen Station des Marienkrankenhauses St. Wendel wurden Anfang des Jahres aufgrund sinkender Fallzahlen von 28 auf 12 reduziert. Nach der Verlegung der operativen Gynäkologie und Frauenheilkunde soll die Zahl der Betten noch mal halbiert werden, das berichten Klein und die Hebamme Selina Buchner von der Hebammengemeinschaft „Zauberhaft“ gegenüber wndn. Buchner geht davon aus, dass die Fallzahlen unter anderem deshalb runtergegangen seien, weil sich nach Ausscheiden des ehemaligen Chefarztes Dr. Müller herumgesprochen habe, dass die Gynäkologie und Geburtshilfe am Marienkrankenhaus geschlossen werden. Das sei zwar nicht der Fall, aber dieses Gerücht halte sich hartnäckig bei den Frauen. Das habe sie in persönlichen Gesprächen erfahren.

„Mit sechs Betten verringert sich die Chance von werdenden Eltern, ein Familienzimmer zu erhalten, was die Attraktivität des Marienkrankenhauses als Geburtsklinik erheblich mindert“, so die SPD-Politikerin Klein. Um ein Familienzimmer zu buchen, muss mindestes ein weiteres Zimmer mit zwei Betten frei sein. „Im letzten Jahr hatten wir an einem Tag elf Geburten, am nächsten fünf, es gibt Tage, da gibt es keine Geburten, es ist nicht planbar, ob, und wie viele Betten belegt sind“, erklärt Buchner. Aber mit sechs Zimmern sei die Chance auf ein Familienzimmer sehr klein. „Das nimmt auf jeden Fall negativen Einfluss auf die Attraktivität“, bestätigt sie.

Zudem verunsichere Frauen die Tatsache, dass das Marienkrankenhaus zwar eine Geburtsklinik bleiben, die operative Gynäkologie aber an einen anderen Standort verlegt werden soll. An dieser Stelle könnte die Marienhaus GmbH besser kommunizieren, was unter operative Gynäkologie fällt und wie sie von der Geburtshilfe zu unterscheiden ist. Buchner hat es gegenüber wndn erklärt: „Unter die operative Gynäkologie fallen planbare Operationen beispielsweise an der Gebärmutter oder der Brust. Alles, was Schwangerschaft und Geburt anbelangt, soll weiterhin im Marienkrankenhaus behandelt werden. Auch Kaiserschnittgeburten sind weiterhin möglich.“ Zudem ist die Notfallversorgung von Frauen laut Buchner weiterhin in St. Wendel gewährleistet. „Wir haben auch noch die Konservative Gynäkologie“, erklärt die Hebammen. „Droht einer Frau beispielsweise eine Fehlgeburt in der zehnten Woche, kann sie trotzdem ins Marienkrankenhaus kommen und hier bleiben.“

Klein befürchtet, dass die Unsicherheit und die vorgenannten Faktoren zur weiteren Senkung der Geburtenrate am Marienkrankenhaus führen und unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit als schlimmste Konsequenz die Schließung der Geburtsklinik in St. Wendel nach sich ziehen. „Seit der Schließung des Krankenhauses in Wadern kam es vermehrt zu Geburten im Rettungswagen oder auf Parkplätzen, weil die Frauen es nicht mehr rechtzeitig in die Klinik nach St. Wendel geschafft haben“, berichtet Klein. Seit Corona sei die Zahl der Rettungswagen- und Parkplatzgeburten weiter gestiegen, weil die werdenden Väter erst ab einem bestimmten Zeitpunkt mit ins Krankenhaus durften. So seien die werdenden Mütter, so lange es möglich war, zuhause geblieben,“ so Buchner. Das Einzugsgebiet umfasst unter anderem Hermeskeil, Birkenfeld, Baumholder und Wadern. Buchner geht davon aus, dass es noch mehr Frauen nicht rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen würden, wenn es in St. Wendel keine Geburtsklinik mehr gäbe.

Staatssekretär Stephan Kolling (CDU) bestätigte nach seinem Besuch bei der Hebammengemeinschaft „Zauberhaft“ in Oberthal am 08.11.2021, dass die Geburtshilfe und Gynäkologie am Marienkrankenhaus gesichert seien. Sie seien integrale Bestandteile des Versorgungsauftrages des Krankenhauses und damit durch den aktuellen Krankenhausplan abgesichert. Die Landesregierung erwarte von dem Träger Marienhaus, dass auch in Zukunft (Kaiserschnitt-) Geburten in St. Wendel möglich seien. Réka Klein und die Hebammengemeinschaft „Zauberhaft“ hingegen befürchten, dass der Erhalt der Geburtsklinik am Standort St. Wendel nicht garantiert sei und die Marienhaus GmbH die Geburtsklinik aus wirtschaftlichen Gründen schließen könnte, wenn die Geburtsrate im Krankenhaus weiter sinkt.

Auch, dass es zurzeit nur einen Chefarzt der Gynäkologie gibt, der für beide Standorte, St. Wendel und Neunkirchen, zuständig sein soll, sehen Klein und Buchner als problematisch: „Da gibt es unserer Meinung nach einen Interessenskonflikt.“

Hier bestätigte der Staatssekretär zuvor, dass die Etablierung eines eigenen Chefarztes oder einer Chefärztin unter anderem ein wichtiger Aspekt zum Erhalt der Geburtsklinik sei. Weitere wichtige Aspekte seien das Einrichten von Partnerzimmern sowie die Modernisierung des Kreißsaals. Heute soll ein Gespräch, unter anderem zwischen dem Gesundheitsministerium, der Hebammengemeinschaft und der Marienhaus GmbH, stattfinden, in der die Themen besprochen werden sollen.

Einen runden Tisch fordert Réka Klein. An diesem will sie mit den Verantwortlichen und Beteiligten über den Stopp der Verlegung diskutieren. Zudem berichtet sie von einem weiteren Sorgenkind: dem Brustkrebszentrum. Die Zertifizierung des Burstkrebszentrums ist an den Standort gebunden. Demnach muss in Neunkirchen erst geprüft werden, ob eine Zertifizierung möglich ist, das kann Jahre dauern. Andere zertifizierte Brustkrebszentren befinden sich in Saarbrücken, Saarlouis und Püttlingen.

„Wir brauchen auf dem Land eine breitgefächerte medizinische Versorgung“, sagt Klein. Ihr großes Anliegen sei es, dass „die medizinische Versorgung für Frauen hier im Nordsaarland gegeben ist“.

Der Wunsch der Hebammengemeinschaft ist, dass die Geburtsklinik erhalten bleibt und „dass wir einen Chefarzt haben, der das fördert.“ Auch die Neugestaltung der Räumlichkeiten und des Kreißsaals sind ihr wichtige Anliegen.

„Wir hoffen, dass das Gesundheitsministerium sich für die medizinische Versorgung von Frauen im Nordsaarland einsetzt“, sagt Buchner.

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