Ein Großbrand in einem Recyclingbetrieb im Neunkircher Stadtteil Wellesweiler hat am Mittwochmittag (29. Juli) einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Die hundert Meter hohe, schwarze Rauchsäule war über weite Teile des Saarlandes zu sehen – unter anderem auch bis nach St. Wendel und Saarbrücken. Bei der Führungs- und Lagezentrale der Polizei gingen zahlreiche Anrufe besorgter Bürgerinnen und Bürger ein.
Der Alarm wurde gegen 13.30 Uhr ausgelöst. Das Feuer brannte nach Angaben des Innenministeriums auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern. Rund 150 Feuerwehrleute aus dem gesamten Saarland rückten in das Gewerbegebiet in der Straße Im Langenthal aus. Der betroffene Betrieb ist auf die Verwertung von Spraydosen sowie PUR-Schaumdosen spezialisiert. Dort werden unter anderem nicht verkaufsfähige oder teilentleerte Aerosoldosen mit speziellen Verfahren verarbeitet, da solche Behälter wegen ihrer Brand- und Explosionsgefahr nicht in gewöhnlichen Müllverbrennungsanlagen entsorgt werden können. Welche Materialien sich zum Zeitpunkt des Brandes tatsächlich in der betroffenen Halle befanden, ist bislang nicht bekannt.
Die Löscharbeiten gestalteten sich am frühen Nachmittag zunächst schwierig: Im Betrieb gelagerte Spraydosen explodierten im Sekundentakt, Trümmerteile drohten die Einsatzkräfte zu verletzen. Die Feuerwehr konzentrierte sich daher zunächst darauf, ein Übergreifen der Flammen auf einen angrenzenden Wald und eine benachbarte Fabrik zu verhindern. Am Abend konnte der Brand schließlich unter Kontrolle gebracht werden. Die Nachlöscharbeiten dauerten die gesamte Nacht hindurch an und laufen weiterhin. Auch ein spezieller Löschroboter kam zum Einsatz.
Drei Menschen wurden bei dem Brand leicht verletzt – zwei Mitarbeiter des Betriebs und ein Feuerwehrmann. Sie wurden zur weiteren Abklärung in eine Klinik gebracht. Zwischenzeitlich galten zudem drei Personen der letzten Schicht als vermisst, da sie nicht mit ihren Kollegen aus der Halle gekommen waren. Alle drei konnten jedoch wiedergefunden werden.
Wegen der starken Rauchentwicklung räumte die Feuerwehr mehrere Häuser in der Umgebung. Betroffene Bewohnerinnen und Bewohner wurden nach Angaben des Innenministeriums in der nahegelegenen Kirche St. Johannes untergebracht und betreut, ein anderer Teil kam bei Verwandten oder Freunden unter. Mittlerweile sind alle Betroffenen in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Die seit dem Mittag geltende Warnung, Türen und Fenster geschlossen zu halten sowie Klima- und Lüftungsgeräte auszuschalten, wurde gegen Mitternacht aufgehoben. Die Straße Im Langenthal und angrenzende Straßen bleiben wegen des Einsatzes weiterhin gesperrt.
Die Brandursache ist weiterhin unklar. Auch zur Schadenshöhe können noch keine Angaben gemacht werden. Neben Landrat Sören Meng machte sich auch Innenminister Reinhold Jost vor Ort ein Bild der Lage. Er dankte den Einsatzkräften: „Die hochprofessionelle und enge Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und allen weiteren Hilfskräften ist gerade bei einem Einsatz dieser Größenordnung von entscheidender Bedeutung“, so Jost.
Erst vergangene Woche hatte ein Waldbrand bei Nonnweiler für einen großen Feuerwehreinsatz gesorgt. Die Waldbrandgefahr im Saarland ist derzeit sehr hoch. Feuerwehr und Umweltministerium mahnen zu besonderer Vorsicht.




