Sie retteten eine Mutter und ihr Kind aus einem brennenden Haus, stoppten einen Messerangriff, verhinderten möglicherweise einen Suizid und reanimierten einen Menschen nach einem Herzinfarkt: Mehrere Menschen aus dem St. Wendeler Land gehören zu den Saarländerinnen und Saarländern, die für ihren außergewöhnlichen Einsatz für andere ausgezeichnet wurden. Innenminister Reinhold Jost ehrte bei der vierten Auflage des Ehrenabends Zivilcourage in der Gebläsehalle in Neunkirchen insgesamt 39 Menschen. Verliehen wurden 19 Saarländische Rettungsmedaillen und 20 Öffentliche Belobigungen.
Unter den Geehrten befinden sich zahlreiche Menschen aus St. Wendel und den umliegenden Gemeinden. Allein sieben der ausgezeichneten Retter waren an einem dramatischen Einsatz in Winterbach beteiligt.
„Die heute Geehrten haben in außergewöhnlichen Situationen Verantwortung übernommen und dort geholfen, wo andere Menschen dringend auf Unterstützung angewiesen waren. Sie haben dabei Mut, Entschlossenheit und große Mitmenschlichkeit gezeigt. Zivilcourage bedeutet, nicht wegzusehen, sondern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu handeln. Das kann der unmittelbare Einsatz zur Rettung eines Menschen sein, aber auch ein Notruf, das Hinzuziehen weiterer Helferinnen und Helfer oder die Unterstützung der Betroffenen. Dieses Handeln verdient unseren tiefsten Dank, unseren größten Respekt und unsere höchste Anerkennung”, betonte Innenminister Reinhold Jost in seiner Festrede.
Sieben Retter befreien Mutter und Kind aus brennendem Haus
Besonders viele der Geehrten aus dem St. Wendeler Land waren am 27. Mai 2026 bei einem Wohnhausbrand in St. Wendel-Winterbach im Einsatz.
Eine Frau und ihre sechsjährige Tochter waren bei dem Vollbrand ihres Hauses im zweiten Obergeschoss eingeschlossen. Das Treppenhaus war bereits so stark verraucht, dass eine Flucht auf diesem Weg nicht mehr möglich war.
Noch bevor die Feuerwehr eintraf, handelten ein Feuerwehrangehöriger, der zu diesem Zeitpunkt nicht im Dienst war, ein Polizeibeamter sowie mehrere Bürger. Mit einer privaten Steckleiter errichteten sie einen improvisierten Rettungsweg.
Zunächst brachten die Helfer das sechsjährige Mädchen aus dem brennenden Gebäude, anschließend dessen Mutter. Wegen der starken Hitze und des Rauchs waren die Rettungsmaßnahmen nach Angaben des Innenministeriums mit erheblicher Gefahr verbunden.
Für diesen Einsatz erhielten Valentino Fontanini aus St. Wendel-Winterbach, Polizeikommissar Maurice Hahn aus St. Wendel sowie Frank Marx, Bernd Rudolf Heinrich, Dennis Heinrich, Erik Petschull und Jens Kleine aus St. Wendel-Winterbach die Saarländische Rettungsmedaille.
St. Wendeler greift bei Messerangriff im Zug ein
Auch Markus Hans Klein aus St. Wendel wurde ausgezeichnet. Hintergrund ist ein Messerangriff am 25. März 2026 in einem Regionalzug bei Sulzbach.
Eine 18-jährige Frau wurde bei dem Angriff schwer verletzt. Daniel Damrau aus Schiffweiler und Markus Hans Klein aus St. Wendel erkannten nach Angaben des Innenministeriums die Gefahr und griffen unmittelbar ein. Sie gingen gegen den noch bewaffneten Angreifer vor, zogen ihn von der jungen Frau weg und verhinderten dadurch weitere Attacken.
Das Ministerium geht davon aus, dass das gemeinsame Eingreifen der Helfer der 18-Jährigen vermutlich das Leben rettete. Während Damrau und Klein den Angreifer stoppten, kümmerten sich weitere Menschen um die Schwerverletzte, stillten Blutungen und versorgten ihre Wunden.
Damrau und Klein wurden jeweils mit der Saarländischen Rettungsmedaille am Bande ausgezeichnet. Pauline Kremp aus Schiffweiler, Shadi Musa aus Saarbrücken, Stefan Wagner aus Ottweiler und Thorsten Schulze aus Schiffweiler erhielten für ihre Hilfe jeweils eine Öffentliche Belobigung.
Marpinger greift auf B41 ein
Eine weitere Auszeichnung ging an Jan Wilhelm Weber aus Marpingen. Er bemerkte auf der B41 zwischen St. Wendel und Hofeld-Mauschbach eine Frau, die auf das Geländer einer Brücke stieg.
Weber fuhr nicht einfach weiter. Er wendete sein Fahrzeug, verständigte über den Notruf die Einsatzkräfte und griff nach Angaben des Ministeriums im entscheidenden Moment ein.
Für sein Handeln erhielt er eine Öffentliche Belobigung.
Frau aus Baltersweiler reanimiert Postboten
Auch Sarah Renner aus Namborn-Baltersweiler wurde für einen lebensrettenden Einsatz geehrt.
Während seines Dienstes erlitt ein Postbote im Januar 2026 einen Herzinfarkt. Renners Tochter machte ihre Mutter auf den medizinischen Notfall aufmerksam. Sarah Renner begann daraufhin mit der Reanimation und setzte diese bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fort.
Dadurch konnte der Mann schnell weiter medizinisch versorgt werden. Nach Angaben des Innenministeriums ist der Betroffene inzwischen vollständig genesen. Renner erhielt für ihre Hilfe ebenfalls eine Öffentliche Belobigung.
Rehlinger dankt den Lebensrettern
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger würdigte das Handeln der insgesamt 39 ausgezeichneten Saarländerinnen und Saarländer.
„Es gibt Momente, in denen es darauf ankommt, nicht wegzusehen, sondern zu handeln. Die Menschen, die wir heute ehren, haben genau das getan. Sie waren da als andere dringend Hilfe brauchten, haben Menschen aus großer Not gerettet und sich dabei zum Teil selbst in Gefahr gebracht. Dieser Mut und diese Entschlossenheit verdienen unseren größten Respekt. Denn eine starke Gesellschaft lebt davon, dass wir aufeinander achten und füreinander einstehen. Ihr Einsatz zeigt, was unser Saarland ausmacht: Zusammenhalt und Menschlichkeit. Dafür gilt ihnen mein herzlicher Dank und meine größte Anerkennung.“
Innenminister Jost hob ebenfalls hervor, welche Bedeutung das Verhalten der Geehrten über die einzelnen Rettungssituationen hinaus habe.
„Sie sind in den entscheidenden – teilweise sogar lebensentscheidenden – Augenblicken zur Stelle gewesen und eingeschritten bis Rettungsdienste, Polizei, etc. vor Ort waren. Sie haben gezeigt: schon ein einziger Mensch, der sich die Frage stellt ‚Was kann ich tun?‘ und danach handelt, macht einen bedeutenden Unterschied. Dank ihrem Einsatz wussten diejenigen in größter Not: ich bin nicht allein; es gibt jemanden, der mir in dieser Sekunde zur Seite steht und Mitgefühl beweist, obwohl mich diese Person nicht einmal kennt. Diese Einstellung ist unbeschreiblich wertvoll für die Gesellschaft, denn sie erinnert uns alle daran, was sie im innersten Kern zusammenhält!“
Rettungsmedaille würdigt besonderen persönlichen Einsatz
Die Saarländische Rettungsmedaille am Bande ist eine staatliche Auszeichnung für Menschen, die unter Einsatz des eigenen Lebens einen anderen Menschen gerettet oder eine erhebliche Gefahr für dessen Leben und Gesundheit abgewehrt und dabei besonderen Mut und Opferbereitschaft gezeigt haben.
Eine Öffentliche Belobigung kann ausgesprochen werden, wenn eine Rettung unter besonders schwierigen Umständen erfolgt, ohne dass sich der Helfende dabei selbst in unmittelbare Lebensgefahr bringt. Sie kann ebenfalls ausgesprochen werden, wenn eine Rettung trotz des persönlichen Einsatzes nicht erfolgreich war.
Mit dem Ehrenabend will das Saarland zugleich für Zivilcourage werben. Dabei gilt ausdrücklich, dass Helfer sich nicht selbst in Gefahr bringen sollen. Je nach Situation kann Zivilcourage auch bedeuten, einen Notruf abzusetzen, weitere Menschen zur Hilfe zu holen oder Betroffene zu unterstützen.
Für das St. Wendeler Land fällt die Bilanz des Ehrenabends besonders bemerkenswert aus: Menschen aus St. Wendel, Winterbach, Marpingen und Baltersweiler wurden für ganz unterschiedliche Einsätze ausgezeichnet – verbunden durch die Tatsache, dass sie in entscheidenden Situationen handelten und anderen Menschen zur Hilfe kamen.




