Nur 70 von 940 Bauarbeitern im Kreis St. Wendel arbeiten noch mit über 63

Foto: IG BAU | Alireza Khalili

Im Landkreis St. Wendel sind von rund 940 Bauarbeitern lediglich 70 Beschäftigte älter als 63 Jahre – das zeigen aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Saar-Trier nimmt diese Zahl zum Anlass, deutliche Kritik an den Rentenplänen der Bundesregierung zu üben. „Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt die Bezirksvorsitzende Ute Langenbahn. Für die meisten sei bereits vor dem 60. Lebensjahr Schluss: „Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr“, so Langenbahn.

Die Gewerkschafterin hält es für unrealistisch, das Rentenalter weiter anzuheben: „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbeiten. Wenn es demnächst dann noch länger gehen soll: keine Chance.“ Was bei den Vorschlägen der Rentenkommission fehle, sei eine sogenannte Flexi-Rente – also die Möglichkeit vernünftiger Übergänge in den Ruhestand für alle Branchen mit besonders belastender Arbeit. „Eine faire Rente muss unbedingt dem ‚Härtegrad der Arbeit‘, die geleistet wird, angepasst werden“, fordert Langenbahn und verlangt einen „Expresszugang in den regulären Ruhestand“ für Betroffene. Das gelte neben der Baubranche auch für die Land- und Forstwirtschaft, die Gebäudereinigung sowie den Garten- und Landschaftsbau. Die IG BAU Saar-Trier appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten im Kreis St. Wendel und der Region, „Renten-Rückgrat“ zu zeigen und die Pläne der Bundesregierung „dringend zu korrigieren“. Andernfalls würden viele Berufe, in denen hart gearbeitet werde, zunehmend an Attraktivität verlieren.

Besonders scharf kritisiert die Gewerkschaft die geplante Abschaffung der Rente mit 63. „Das wäre gerade für viele Baby-Boomer ein Schlag ins Gesicht. Es macht ihnen nämlich einen dicken Strich durch ihre Lebensplanung“, sagt Langenbahn. Laut Berechnungen des Pestel-Instituts, auf die sich die IG BAU beruft, leben im Landkreis St. Wendel 15.900 Baby-Boomer, die in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen werden. Langenbahn warnt davor, diese geburtenstarken Jahrgänge zu enttäuschen: „Immerhin haben viele Boomer ihre Beitragsjahre für die Rente voll. Sie haben 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und damit eine enorm lange Zeit ihres Lebens gearbeitet. Ihnen jetzt – gewissermaßen kurz vor knapp – die Rente mit 63 vor der Nase wegzuschnappen, das geht nicht. Das kostet politisches Vertrauen – und Vertrauen in den Staat.“

Darüber hinaus nimmt die IG BAU Saar-Trier das Rentenniveau ins Visier. Unter den 33 Vorschlägen der Rentenkommission fehle eine garantierte Haltelinie. „Der Staat darf den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten. Auch hier muss die Rentenpolitik Verantwortung zeigen: Rente ist politische Vertrauenssache“, betont Langenbahn. Die Bundesregierung müsse dringend klarstellen, dass es keinen Einbruch beim Rentenniveau gebe – auch nicht beim Übergang zur kapitalgedeckten Zusatzrente. „Grundsätzlich muss das Rentenniveau dann schnell wieder auf mindestens 53 Prozent kommen“, so die Bezirkschefin. Auch hierfür sollten sich die heimischen Bundestagsabgeordneten in ihren Fraktionen in Berlin stark machen.

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