In Winterbach wird „angepackt“

Fotos: Günter Müller

„Anpacken für Winterbach“ – unter diesem Motto wurde jetzt die erste Aktion gestartet und die Anlage am Nepomuk-Dorfbrunnen in Angriff genommen. „Unser Ziel bleibt ein Dorf in dem sich die Menschen aller Generationen wohlfühlen und auch gerne leben. Wir sind ein lebendiges Dorf, was auch zukünftig so bleiben soll“, betont die stellvertretende Ortsvorsteherin Natalie Zöhler. Ausgestattet mit Gartenhacke, Rechen, Schaufel und Pinsel wurde unter ihrer Anleitung das Umfeld des Brunnens wieder auf Vordermann gebracht. In Zusammenarbeit mit dem Bauhof und Abstimmung mit dem Friedhofsamt der Stadt St. Wendel wurde bereits zuvor eine Bepflanzungs- und Baumschnittaktion durchgeführt. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und Taten folgen lassen“, hebt Natalie Zöhler hervor.



So wurde nun ergänzend zu den städtischen Arbeiten in der Brunnenanlage die Säuberungsaktion mit fleißigen Händen (Sandra und Paul Freiberger, Tim Zöhler, Bastian und Natalie Zöhler, Michael Morsch, Christian Klassen) realisiert. Das Unkraut wurde entfernt, bunte Blumenakzente gesetzt und die Sitzbänke gestrichen. Nach einige Stunden konnte sich das Ergebnis sehen lassen. Jetzt steht dem geselligen Miteinander an dieser Stelle nichts mehr im Wege. Renoviert wurde auch das Dach des Dorfeingangsschildes in Richtung Bliesen. „Wir bedanken wir uns für die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stadt St. Wendel und bei dem einheimischen Gärtnereibetrieb für den zur Verfügung gestellten Blumenschmuck. Es sieht wieder toll aus und es hat Spaß gemacht“, hebt die stellvertretende Ortsvorsteherin nach Abschluss der Arbeiten hervor.

An der „Hintereck“-Straße gibt es den letzten alten Dorfbrunnen von Winterbach. Er ist ein Überbleibsel aus der einst vom bäuerlichen Leben geprägten Kultur. Dorfbrunnen waren allen Einheimischen und auch Fremden zugänglich. Sie führten gutes Trinkwasser, das meist aus höher gelegenen Brunnenstuben reichlich zugeflossen ist. An den großen eisernen Trögen wurde am Abend das Vieh getränkt, bevor man es in die Ställe trieb. Gefüllte Becken bildeten einen unverzichtbaren Wasservorrat bei den häufig aufkommenden Bränden. Hier spülten die Frauen des Dorfes Wäsche und großes Geschirr. Und hier tauschten Jung und Alt beim Wasserschöpfen Neuigkeiten aus.

Selbst nach dem Bau der Wasserleitungen blieben die Dorfbrunnen erhalten. Erst mit der fortgeschrittenen Technisierung und dem Aussterben der kleinbäuerlichen Betriebe verschwanden die Brunnen nach und nach. 1960 entschlossen sich Pfarrer Karl Behrens und Bürgermeister Alban Braun aus Winterbach, gemeinsam den alten Brunnen im Hintereck vor dem Verfall zu bewahren und ihm ein besonderes Erscheinungsbild zu geben. Der neue Brunnen sollte hier, in einer der dörflichen Umgebung angepassten Anlage, errichtet werden und ein Ort der Besinnung und der Ruhe sein. Eine Statue des „Wasserheiligen“ wollten sie aufstellen und dem Brunnen so einen ihm eigenen besonderen Charakter geben. Er sollte zum Nachdenken anregen. Man entschied sich für das Werk eines jungen Künstlers aus dem Elsaß. Raymond Keller aus Molsheim meißelte aus grauem Sandstein die eindrucksvolle Skulptur des heiligen Nepomuk, der von alters her als Schutzpatron Böhmens verehrt wird. Der Nepomuk legt den Zeigefinger der rechten Hand auf den Mund. Eine Geste, die Schweigen vorgibt. Sie gilt nicht dem fröhlichen Plaudern auf den Bänken der beschaulichen Brunnenanlage. Vielmehr soll sie auf die entschiedene Haltung des Heiligen in Glaubensfragen hinweisen und an seinen gewaltsamen Tod. Eine Legende weiß zu berichten, dass er sich weigerte, das priesterliche Beichtgeheimnis zu brechen. Zur Strafe wurde er 1393 von der Moldaubrücke zu Prag in den Fluss gestürzt. Seither gilt er als der Heilige des Wassers.

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