„Niemand ist dein Freund, niemand ist dein Feind, alle sind deine Lehrer“ (Verfasser unbekannt)

Cindy Ost: stark gehbehindert, alleinerziehende Mutter von 6 Kindern, von Wohnungsverlust bedroht!

Foto: Karin Schüßler

Wer der 31-jährigen Cindy Ost begegnet, kann den Blick nicht sofort wieder abwenden. Eine junge Frau im Rollstuhl in Begleitung ihrer sechs Kinder im Alter von 10 Wochen bis zu 9 Jahren fällt auf. Ich sah sie zum ersten Mal im Globus Warenhaus und voller Überraschung stellte ich fest, wie harmonisch der Einkauf mit all ihren Kindern funktionierte. Kein Gequengel, kein „ich will das aber haben“, keine Streitereien. Ich schaute in die Augen der Kinder und entdeckte Freude. Der Einkauf machte ihnen offensichtlich großen Spaß. Und so fasste ich mir ein Herz, sprach die junge Mutter an, eine Frau mit einem umwerfend strahlenden Lächeln, und fragte sie, ob sie demnächst ein Interview mit mir führen möchte. Und sie willigte ein.

Dies sollte ein Interview werden im Rahmen unserer wndn.de Serie „Frauen im St. Wendeler Land“. Frauen unter uns soll Raum geschenkt werden, über ihr Leben, ihre Werte, ihre Herausforderungen, ihre Niederlagen und ihre Erfolge zu sprechen. Doch dieser Bericht über das ungewöhnliche Leben und die bewundernswerte innere Einstellung von Cindy Ost im Umgang mit ihren Kindern wird überschattet von drohendem Verlust der Wohnung, denn das Haus, in dem sie lebt, wird Ende Oktober zwangsversteigert werden und die Kündigung der Wohnung wurde bereits zum 15.10. zugestellt.

Großartige Mutter – tolle Kinder!

Etwas mulmig war mir schon zumute, als ich zum ersten Mal vor dem Anwesen stand, denn ich hatte so überhaupt keine Ahnung, was mich in der Familie erwarten würde. Ein Junge öffnete in Begleitung eines kleinen Hundes die Tür, fragte mich höflich nach dem Grund meines Besuches, ob ich Angst vor Hunden oder eventuell eine Hundehaarallergie habe – eine überraschende Erfahrung mit einem 7-jährigen Blondschopf, einem der Kinder von Cindy Ost.

Cindy erwartete mich schon im Hausflur, mein Blick fiel auf drei spielende Kinder in der Spielecke des Wohnzimmers. Hohe Decken, Holzdielen, wunderschöne Altbauwohnung – ein Traum zum Wohnen, der noch im Oktober zu platzen droht.

Eine Welt voller Vorurteile

Cindy begegnet Menschen wie mir, die begeistert das Bild der außergewöhnlichen Familie aufnehmen. Aber sie wird auch konfrontiert mit „verbalen Steinigungen“ durch Menschen, die mit Vorurteilen behaftet diejenigen bewerten, die den Mut aufbringen, anders zu sein, anders zu leben und andere Ansichten zu vertreten. Eine Abtreibung kann still durchgeführt werden, niemand nimmt Notiz davon, niemand verurteilt. Aber als stark gehbehinderte Frau den Mut zu haben, sechs Kindern ein Leben zu schenken – dies passt nicht in das gesellschaftliche Idealbild einer Familie mit Mann, Frau, ein bis zwei Kindern, Haus und Garten. Und dabei war es in der Vergangenheit doch ganz normal, dass unsere Eltern und Großeltern in Großfamilien aufwuchsen, schon früh Verantwortung übernehmen mussten und resilient unser Land in den wirtschaftlichen Fortschritt führten.

Raus aus dem Kinderparadies

Es geht hier nicht einfach um Wohnraum, der austauschbar ist. Zur Familie gehören weiterhin Hühner und Laufenten, zwei Hunde und eine Katze. Und wer nun denkt, dann müssen die Tiere halt eben abgegeben werden, hat diese Familie nicht erlebt und nicht verstanden. Die Liebe zu den Tieren ist Teil des Familienglücks. Die Kinder haben ihren Vater verloren, es droht der Verlust ihres Zuhauses und die geliebten Tiere sind ein Part des pädagogischen Ansatzes von Mutter Cindy, schon früh die Kinder in eine gesunde Verantwortung für andere Lebewesen zu führen und diese nicht wieder abzugeben, wenn sie hinderlich werden. Es gehört zur täglichen Routine der Kinder, die Tiere zu versorgen.

 

Eine Kindheit nahe an der Natur – eine vorbildliche Mutter

„Kein Nintendo, keine frühzeitige Betreuung von Kindern durch Dritte, weil die ersten drei Jahre in einem fördernden und liebevollen Zuhause für die Gesamtentwicklung von Kindern so wichtig ist“, so die Mutter, die anthroposophische Werte in die Erziehung ihrer Kinder einfließen lässt. Cindy Ost ist es wichtig, ihren Kindern die Nähe zur Natur und die Achtung dafür zu vermitteln. Das Leben mit den Elementen wie Luft, Wasser, Erde, Sonnenlicht ist für die physische und psychische Gesundheit von Kindern enorm wichtig und nicht der frühzeitige Umgang mit Handys, Computerspielen und das Fernsehschauen. Ich erlebe fröhliche, höfliche und intelligente Kinder in einem vorbildlichen Haushalt.

Cindy Ost kocht täglich frisch für ihre Kinder. In ihrem Garten ist ein kleiner Nutzgarten zu finden. Die Kinder sammeln Esskastanien und Haselnüsse, aus denen die Mutter eine selbstgemachte Schokocreme als Brotaufstrich zaubert. Die Nahrung der Hühner besteht aus Grünzeug-Abfällen von Supermärkten und Essensresten. Alles soll verwertet werden. Sie gibt kein Geld aus für Wegwerfwindeln, wickelt mit Stoffwindeln, vermeidet Müllberge, kauft im Online-Schlussverkauf sogenannte Mitwachskleidung für Kinder und lebt dadurch nachhaltiger als die meisten von uns.

Und zu einer möglichst natürlichen Lebensweise gehört auch, dass Cindy ihre Kinder bei warmem Wetter barfußlaufen lässt, weil dadurch der Gleichgewichtssinn und die Fußmuskulatur gestärkt werden. Auch die Verbesserung der Motorik und die Vermeidung von Fußfehlstellungen seien Vorteile des Barfußlaufens. Die Kinder dürfen frei entscheiden, ob sie mit ihren Schuhen in der Freizeit unterwegs sind oder barfuß. Meistens entscheiden sie sich für das Barfußlaufen. Nur leider werden barfußlaufende Kinder mit Verwahrlosung gleichgesetzt, weil Menschen Situationen beurteilen, die sie nicht kennen und nicht verstehen (wollen).

Finanzielle Situation

„Die lebt doch auf Staatskosten“, „wieso geht die nicht arbeiten?“, „wie kann man nur so viele Kinder haben“? Dies sind Bemerkungen, mit denen ich in der kurzen Zeit der Recherche konfrontiert wurde. Und dabei ist es Cindy Ost überaus unangenehm, sobald Menschen den Geldbeutel öffnen und ihr Geld anbieten, wenn sie mit ihren Kindern unterwegs ist. Sie nimmt das Geld nicht an. Cindys Traum ist, irgendwann arbeiten zu dürfen. Sie war verheiratet, ist kürzlich geschieden worden. Der Vater ihrer sechs Kinder ist aus persönlichen Gründen nicht in der Lage, für die Familie zu sorgen. Die Familie ist in einer Notlage, weil ihr der Lebensraum genommen wird. Alle Kommunen sind überaus bestrebt, Wohnraum anzumieten für Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen müssen. Und hierfür ist Verständnis angeraten. Wir hoffen, dass die Stadt St. Wendel im Falle von tatsächlich drohender Obdachlosigkeit auch für diese junge Familie ein Zuhause findet. Cindy verlässt sich nicht auf die Unterstützung der Kommune, sondern ist eigeninitiativ und mit Hilfe ihrer Familie auf der Suche nach adäquatem Wohnraum, was sich in ihrer Situation allerdings als sehr schwierig herausstellt.

Wohnraum dringend gesucht – kann Obdachlosigkeit abgewendet werden? Wer kann ein Haus zur Vermietung mit Garten anbieten?

Die Kommune ist dafür verantwortlich, Obdachlosigkeit abzuwenden. Die Wohnungslosigkeit ist jetzt schon absehbar. Erst wenn die tatsächliche Obdachlosigkeit eintritt, muss eine Kommune tätig werden. Die Wohnraumverknappung ist bekannt genauso wie bekannt ist, dass Cindy Ost der Wohnraum genommen wird und sie in der außergewöhnlichen Härte der Situation mit sechs Kindern kurzfristig untergebracht werden muss, was nicht einfach werden wird.

„Niemand sollte sich jetzt noch Gedanken darüber machen, warum Cindy Ost in ihrer Situation sechs Kinder hat. Nun gilt es, die Kinder zu schützen und ihnen und ihrer Mutter die Sicherheit zu geben, dass sie aufgefangen werden in einem sicheren Raum“, so Birgit Jenni, Vorstand Kinderschutzbund KV St. Wendel, Vorstand Landeselterninitiative für Bildung, LV Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Berufsschullehrerin. „Anlässlich der Einweihung des Platzes der Kinderrechte in St. Wendel sollten Worten Taten folgen. Wir sollten uns für diese Kinder einsetzen und sie vor drohender Obdachlosigkeit frühzeitig schützen. Sie haben das Recht auf eine barrierefreie Wohnung, wo sie ihre Rechte auf angemessenen Lebensstandard, ihr Recht auf Bildung, ihr Recht auf Ruhe, Freizeit, Spiel und Gesundheit umsetzen können.“

Kontakt Birgit Jenni: Tel.: 06851-1727 (zw. 20:00 und 21:00 Uhr)
Kontakt Karin Schüßler: Tel.: 06851-70597 (zw. 19:00 und 20:00 Uhr im Falle von Wohnraumangeboten zur Weiterleitung)

Foto- und Videomaterial wurden von Cindy Ost zur Verfügung gestellt.

Weitere interessante Artikel:

ANZEIGEN

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Blätterbarer Katalog 2026 mit 44 Seiten:

Weitere Informationen zu den neuen „Gudd-Zweck-STERNZEICHEN-ETIKETTEN“ finden Sie hier:
https://www.gudd-zweck.de/fyi/ho-roos-kop/