In unserer Reihe „7 Fragen an“ sprechen wir mit Persönlichkeiten aus dem St. Wendeler Land. Wen sollen wir in unserer Reihe vorstellen? Schick uns Deinen Vorschlag an redaktion@wndn.de.
wndn.de: Stellen Sie sich bitte kurz vor.
Tayrina Watermann-Del Valle: Guten Tag, mein Name ist Tayrina Watermann-Del Valle. Ich bin in Mexiko City geboren und habe dort an der „Universidad Iberoamericana“ Wirtschaft und Politikwissenschaften mit Schwerpunkt internationale Wirtschaftsbeziehungen, internationale Politik und Diplomatie studiert. Vor 23 Jahren hat es mich nach Deutschland verschlagen. Seit dem 1. April 2022 verantworte ich bei Schmidt den Vertrieb in der DACH-Region und Luxemburg. Zuvor war ich mehrere Jahre in der Textilbranche tätig. Ich begleitete bei verschiedenen Modemarken aus Italien, England sowie Österreich die Position der Key-Account-Managerin oder auch der Vertriebsleiterin für Deutschland und die DACH-Region. Doch eigentlich liegt mir die Einrichtungsbranche im Blut. Meine Eltern besaßen in Mexiko ein Möbelgeschäft mit 30 Angestellten, das ich nach meinem Studium als Geschäftsführerin leitete.
Was sind Ihre Aufgaben bei Schmidt Küchen und Wohnwelten?
Mein Jobtitel lautet korrekt Country-Managerin für die Region DACH und Luxemburg. Das bedeutet, dass ich für den kompletten Vertrieb sowie die Businessentwicklung in den Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz und Luxemburg verantwortlich bin. Der Fokus meiner Arbeit liegt auf der Stärkung und Stabilisierung unseres Händlernetzwerks, um gemeinsam eine nachhaltige und zukunftsorientierte Expansion voranzutreiben. Durch gezielte Partnerschaften möchte ich langfristiges Wachstum und Erfolg für alle Beteiligten sicherstellen.
Wie wichtig ist das Werk in Türkismühle für das Unternehmen?
Sehr wichtig! Hier ist der Stammsitz des Familienunternehmens. Hier ist der Ursprung, hier fing alles an. „In Türkismühle lebt die Tradition, hier schlägt das Herz“ – so hat es Deutschland-Geschäftsführer Boris Herrmann zuletzt beim 90. Jubiläum auf den Punkt gebracht. In den zurückliegenden fünf Jahren haben wir über vier Millionen Euro in das Werk investiert. Diese Bemühungen unterstreichen unsere Verpflichtung zur Zukunftsfähigkeit des Stammhauses. Unser Ziel ist es, die bereits erfolgreiche Modernisierung fortzusetzen und bewährte Konzepte aus den anderen Werken zu integrieren, um den Standort weiter zu stärken. Am Gesamtvolumen der Fertigung macht der saarländische Anteil zwar nur rund zehn Prozent aus, aber alle fünf Schmidt-Produktionsstätten sind voneinander abhängig. Sie arbeiten im Verbund. Es ist also ein Zusammenspiel der beiden Nachbarländer Deutschland und Frankreich, die sich hier in einem Konzern treffen und in einem Miteinander die Erfolgsgeschichte des Unternehmens schreiben.
Was macht Schmidt als Unternehmen so besonders?
Da gibt es viele Dinge, die ich nennen könnte. Aller guten Dinge sind drei, heißt es. So möchte ich mich auf drei Punkte beschränken: Seit drei Generationen ist Schmidt eine deutsch-französische Erfolgsstory – mit einer Symbiose aus beiden Ländern. Anne Leitzgen ist die Enkelin des Firmengründers Hubert Schmidt aus Schwarzenbach, der 1934 den Grundstein für das Unternehmen legte. Sie steht heute an der Spitze der Gruppe und sie stellt sicher, dass die von ihrem Großvater gelebten Werte als Erbe bewahrt und weitergeführt werden. Als Familienunternehmen handeln wir nicht kurz-, sondern langfristig. Wir sind unseren Kunden verpflichtet, nicht den Aktienkursen. Wir denken in Generationen und nicht in Quartalen. Also denken wir nachhaltig! Das sieht man auch daran, dass wir 2023 die B Corp™-Zertifizierung erhalten haben. B Corporation certified® kennzeichnet ein weltweites Netzwerk, das wirtschaftlichen Erfolg für sich neu definiert. Statt die beste Firma der Welt zu sein, geht es vielmehr darum, die beste Firma für die Welt zu sein. Es geht um einen Perspektivwechsel. Es geht darum, aktiv zur Schaffung einer nachhaltigeren Welt beizutragen. Und jeder unserer Mitarbeiter, jeder Kunde, jeder Partner ist ein wesentlicher Mitreisender auf diesem Weg. Und als dritten Aspekt möchte ich nennen, dass kein anderer Hersteller eine solche große Bandbreite an maßgefertigten Einrichtungslösungen präsentieren kann. Schmidt ist ein Ausstatter und Gestalter des ganzen Hauses. Vom Dachboden bis zum Keller. Das ist in dieser Vielfalt einzigartig auf dem deutschen Möbelmarkt.
Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem eine Küche von Schmidt aufgebaut wurde?
Von Drummoyne in Australien bis Kopavogur in Island, von Beirut bis Beau Bassin-Rose Hill auf Mauritius, von Wien bis Tunis – über 900 exklusive Partnerhäuser in 22 Ländern vertreiben erfolgreich unsere Produkte. Da ist sicher der eine oder andere ungewöhnliche Ort dabei, wo eine Küche oder ein Wohnzimmer von uns steht. Aber wenn das auch zählt, möchte ich gerne eine Marketing-Kampagne anführen. Vor fünf Jahren wollten wir beweisen, dass wir selbst die ausgefallensten Kundenwünsche realisieren können. Wir zeigten auf, dass wir für jede noch so abwegige Anforderung eine individuelle Lösung haben. Also montierten wir dem berühmten Bergsteiger Kenton Cool in den Savoyer Alpen eine Küche und Ankleide an die senkrecht emporragende Bergflanke des Parmelan. Auf 1.825 Metern wurde die Arbeitsplatte mit Präzisionsarbeit exakt an die Steilwand angepasst. Es gab ein Gewürzregal, Besteckkästen und es floss Wasser aus dem Hahn in die Spüle. Und der 13-fache Mount-Everest-Bezwinger bereitete sich dort sogar ein Rührei zu.
Was sollte aus Ihrer Sicht in keiner Küche fehlen?
Ganz klar: Individualität! Unser Zuhause ist eine Erweiterung unseres Selbst. Und da niemand einer Norm entspricht, warum sollte es dann unsere Wohnungseinrichtung tun? Nein, vielmehr muss sie so einzigartig sein wie wir selbst. Denn Menschen kaufen keine Küche oder Wohnmöbel mehr – sie sind auf der Suche nach einem Unikat. Und dieses einzigartige Exemplar sollte nicht nur eine wunschgetreue Optik und überzeugende Funktionalität gelungen kombinieren, sondern auch bedarfsgerecht auf den Nutzer abgestimmt sein. Innerhalb moderner Wohnwelten muss sich die Einrichtung also den Menschen anpassen – nicht umgekehrt. Entgegen jedem Einheitsbrei verfolgen wir diesen Königsweg kontinuierlich und auf vielen verschiedenen Ebenen. Daher sind unsere Möbel auch auf den Millimeter genaue Maßanfertigungen, die beispielsweise mit dem Konzept 3D Fit individuell auf den Nutzer zugeschnitten werden können. Und am Ende ist eine Einrichtungslösung entstanden, die eine eigene Handschrift trägt. Eine unverwechselbare!
Was sind derzeit die größten Herausforderungen für das Unternehmen?
Keine Frage: Der Handel und die Industrie haben es im Moment nicht leicht. Auf der einen Seite kämpfen sie mit explodierenden Kosten bei Energie und Materialbeschaffung. Auf der anderen Seite treffen sie auf verunsicherte Konsumenten, die sich aufgrund der drastischen Verteuerung in fast allen Lebensbereichen eine Konsumzurückhaltung auferlegt haben. Hinzukommt, dass die Möbelbranche aus einem extremen Hoch kommt. Im Pandemiejahr 2021 gelang der Schmidt Groupe die beste Bilanz ihrer Historie. So konnte man alleine beim Umsatz einen Sprung um 27 Prozent verbuchen. Zwei Jahre lang gab es also ordentlich Rückenwind, da wurde verstärkt in neue Möbel und Küchen investiert. Allerdings war abzusehen, dass angesichts des überproportionalen Wachstums die Zeit der Sonderkonjunktur irgendwann endet. Hin zu einer normalen konstanten Nachfragesituation. Auf diesem Weg sind wir gerade. Doch es geht nur langsam vorwärts, denn durch die toxische Gemengelage mit hoher Inflation, steigenden Zinsen und allgemeinen Kostensteigerungen befindet sich die Möbel-Branche in einer konjunkturellen Großwetterlage, die es so lange nicht mehr gab. Aber in diesem Gewittersturm zeigt sich die Schmidt Groupe äußerst resilient und widerstandsfähig. Beim Produktionsumsatz lagen wir im Wirtschaftsjahr 2023 nur 0,2 Prozent unter dem Resultat aus dem Vorjahr. Manchen Marktbegleiter hat es da ganz anders getroffen. Doch wir haben gesehen, dass unsere Diversifizierungsstrategie Früchte trägt. Das Angebot weit über die Küche hinaus versetzte uns in die Lage, trotz der Krise unseren Umsatz nahezu zu halten. Daher werden wir diesen Weg auch kontinuierlich weitergehen.
Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten, welcher wäre das?
Es sind eigentlich zwei Wünsche, die ich hätte. Der erste ist einer, den ganz viele Branchen äußern: Bürokratieabbau. Seit Jahren wird versprochen, Bürger wie Unternehmen von bürokratischen Hürden entlasten zu wollen. Stattdessen kommen trotz aller Bemühungen und politischer Versprechen immer neue Vorschriften und überbordende Reglementierungen auf uns zu. Diese administrativen Vorgaben belasten vor allem die kleinen und mittleren Betriebe. Das betrifft uns selbst, aber auch unsere Partnerhäuser. Diese schädliche und dysfunktionale Bürokratiespirale kostet Zeit, die für das Kerngeschäft fehlt. Sie kostet Wettbewerbsfähigkeit. Dabei sind gerade in diesen herausfordernden Zeiten zusätzliche Verwaltungsvorschriften völlig fehl am Platz. Mein zweiter Wunsch wäre, dass die Politik den Umweltschutz endlich entschlossener und konsequenter vorantreibt. Es reicht nicht aus, nur darüber zu sprechen oder unverbindliche Absichtserklärungen zu formulieren – wir brauchen konkrete und nachhaltige Maßnahmen. Es ist höchste Zeit, dass die Politik hier Verantwortung übernimmt und entschlossene Schritte unternimmt, um die Zukunft kommender Generationen zu sichern. Und das ist ja auch ein Aspekt, der mir an meinem Arbeitgeber so gut gefällt. Durch umweltfreundliche und gleichzeitig an die Bedürfnisse der Verbraucher angepasste Lösungen will Schmidt eine treibende Kraft für den ökologischen Wandel sein. Oder wie es Schmidt-Chefin Anne Leitzgen einmal auf den Punkt brachte: „Das Unternehmen von morgen wird verantwortungsvoll sein – oder es wird nicht mehr sein.“
Vielen Dank für das Interview!
Bisher sind sin der Reihe erschienen:
7 Fragen an … Frank Feid
7 Fragen an … Lieselene Scherer
7 Fragen an…Ernst Urmetzer
7 Fragen an … Simon Kirch
7 Fragen an … Jonas Reiter
7 Fragen an … Mario Loncar
7 Fragen an … Alexander Zeyer



