Der Streit um die Ausrichtung des St. Wendeler Oktoberfests 2026 geht weiter. Nachdem die Kreisstadt auf Anfrage von WNDN erklärt hatte, warum in diesem Jahr der Betreiber der Musikkneipe „Spinnrad“ das Fest übernehmen soll, meldet sich nun der FC Blau-Weiß St. Wendel ausführlich zu Wort. Der Verein widerspricht in wesentlichen Punkten der Darstellung der Stadt und legt erstmals detailliert seinen zeitlichen Ablauf der Planungen auf facebook vor.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Für den Verein geht es nach eigener Darstellung um erhebliche finanzielle Interessen. Er trage bei der bisherigen Durchführung Kosten und wirtschaftliches Risiko selbst. Der Gewinn aus dem Oktoberfest sei für das Überleben des Vereins von großer Bedeutung.
Nach Angaben des FC Blau-Weiß sind die Kosten in den vergangenen Jahren allerdings stark gestiegen. Allein für das Festzelt müssten 2026 rund 10.000 Euro mehr aufgebracht werden. Zusammengenommen seien die Preissteigerungen so hoch, dass sich das bisherige Konzept selbst bei ausverkauftem Zelt wirtschaftlich kaum noch tragen lasse. Höhere Preise für die Besucher seien für den Verein keine Alternative gewesen, da diese bereits nahe am Niveau des Münchner Oktoberfests gelegen hätten.
Verein suchte bereits 2025 nach Partner
Deshalb habe der FC Blau-Weiß bereits im November beziehungsweise Dezember 2025 Kontakt zu Alm Events aufgenommen. Das Unternehmen richtet nach Angaben des Vereins mehrere Oktoberfeste aus, darunter in Merchweiler.
Durch die Zusammenarbeit sollten Synergieeffekte entstehen. Der Verein nennt unter anderem günstigere Konditionen durch eine mehrfache Nutzung des Zeltes und beim Getränkeeinkauf. Dadurch sollte das finanzielle Risiko für den FC Blau-Weiß sinken.
Der Verein betont dabei ausdrücklich, dass er sich nicht aus dem Oktoberfest zurückziehen wollte: „Zu KEINEM Zeitpunkt haben wir gesagt, dass wir uns zurückziehen, das Oktoberfest heimlich an einen Dritten übergeben oder irgendetwas Vergleichbares unternehmen. Diese Gerüchte sind schlichtweg FALSCH!“
Nach seiner Darstellung hätte sich für die Besucher durch die Zusammenarbeit mit Alm Events grundsätzlich wenig geändert. Vorgesehen gewesen sei allerdings ein hochwertiger ausgestattetes und aufwendig dekoriertes Zelt. Der Verein selbst hätte weiterhin bei der Veranstaltung mitgearbeitet.
Vierter Veranstaltungstag wird zum Streitpunkt
Entscheidend für das geplante wirtschaftliche Konzept war nach Darstellung des FC Blau-Weiß ein vierter Veranstaltungstag. Wenn die Logistik ohnehin für zwei komplette Wochenenden bezahlt werden müsse, sollte diese nach Auffassung des Vereins möglichst umfassend genutzt werden.
Der FC Blau-Weiß argumentiert außerdem, zusätzliche Veranstaltungen habe es in der Vergangenheit ohnehin gegeben. Als Beispiele nennt er Mallorca-Party, Beer Pong und Line Dance.
Besonders brisant ist die Darstellung des Vereins zum Informationsstand der Stadt. Bereits nach einem ersten Treffen Ende 2025 habe der damalige Vorsitzende Bürgermeister Peter Klär über die geplante Zusammenarbeit und den vierten Veranstaltungstag informiert. Beides sei nach Angaben des Vereins „abgesegnet“ worden – allerdings lediglich mündlich.
FC Blau-Weiß legt Zeitplan vor
Der Verein führt mehrere weitere Termine an, bei denen die Planung vorangetrieben worden sei. Im Dezember 2025 und Januar 2026 habe es mehrere Gespräche im Rathaus mit Vertretern der Stadt, des FC Blau-Weiß und Walter Ries gegeben. Im Januar seien von der Stadt Luftbilder zur Verfügung gestellt worden.
Am 5. Februar habe ein Ortstermin im Bosenbachstadion einschließlich Maßaufnahme stattgefunden. Am 25. März sei bei einem weiteren Termin mit UBA und Stadt der Zeltplan einschließlich des Baubuchs des Zeltbauers finalisiert worden.
Für den 15. April nennt der Verein einen Termin im Clubheim zur Vorstellung des Programms und zur Vorbesprechung des Vorverkaufsstarts. Bürgermeister Klär sei dabei durch den Ortsvorsteher vertreten worden. Einen Tag später, am 16. April, seien die entsprechenden Informationen zusätzlich per E-Mail an das Vorzimmer des Bürgermeisters geschickt worden. Nach Auffassung des Vereins habe spätestens damit Kenntnis über vier geplante Veranstaltungstage und die bereits gebuchten Bands bestanden.
Auch bei einem weiteren Termin am 20. April sei laut FC Blau-Weiß nicht angesprochen worden, dass nur drei Veranstaltungstage zulässig seien.
Erst am 7. Mai habe sich die Situation geändert. Bei einem Termin im Ordnungsamt sei die eindeutige Ansage erfolgt: „KEIN VIERTER TAG!“
Genau darin sieht der Verein den entscheidenden Konflikt. Zu diesem Zeitpunkt seien bereits mehr als sechs Monate Planungsarbeit geleistet, Bands gebucht, Verträge geschlossen und Kosten verursacht worden.
Stadt hatte größeren Zelt vorgeschlagen
Die Kreisstadt hatte gegenüber WNDN zuvor eine andere Perspektive auf den Konflikt dargestellt. Nach ihrer Aussage wurde dem FC Blau-Weiß ein Kompromiss angeboten: Das Oktoberfest sollte weiterhin drei Tage dauern, dafür aber in einem größeren Zelt stattfinden. Dadurch wären nach Berechnung der Verwaltung rund 2.000 zusätzliche Besucher möglich gewesen – rechnerisch ungefähr so viele wie bei einem zusätzlichen Veranstaltungstag im bisherigen Zelt.
Der FC Blau-Weiß hält diese Rechnung für nicht tragfähig. Das größere Zelt hätte nach seinen Angaben rund 15.000 Euro zusätzliche Kosten verursacht.
Zudem seien zusätzliche Plätze nicht automatisch mit zusätzlichen Einnahmen gleichzusetzen. Die Tickets müssten zunächst an einem einzigen Veranstaltungstag verkauft werden. Gleichzeitig wäre mehr Personal erforderlich gewesen. Gerade die Gewinnung ausreichend vieler ehrenamtlicher Helfer stelle den Verein bereits heute vor Schwierigkeiten.
Die Idee eines größeren Zeltes gehe deshalb aus Sicht des FC Blau-Weiß an den wirtschaftlichen und personellen Möglichkeiten eines ehrenamtlich getragenen Vereins vorbei.
Verein wollte Partner nicht fallen lassen
Auch die Frage, warum der FC Blau-Weiß nach dem Konflikt um den vierten Tag nicht ohne Alm Events weitermachte, beantwortet der Verein. Nach sechs Monaten gemeinsamer Planung habe man den Partner nicht fallen lassen wollen, zumal dort nach Angaben des Vereins bereits erhebliche Kosten entstanden seien.
„Wir können doch nicht sechs Monate mit einem Partner zusammenarbeiten und diesen anschließend wie eine heiße Kartoffel fallen lassen, nachdem aufseiten von Alm Events bereits erhebliche Kosten entstanden sind“, erklärt der Verein. Dies entspreche weder seiner Philosophie noch seinem Verständnis von Partnerschaft.
Oktoberfestparty soll in Domgalerie stattfinden
Ganz auf eine eigene Oktoberfestveranstaltung will der FC Blau-Weiß dennoch nicht verzichten. Statt im Festzelt soll in diesem Jahr eine Oktoberfestparty in der Domgalerie stattfinden. Der genaue Termin und weitere Einzelheiten sollen noch bekannt gegeben werden.
Auch das vom Verein vor zwei Jahren eingeführte Frühstück soll künftig nicht mehr im Festzelt, sondern ebenfalls in der Domgalerie angeboten werden. Der Vorverkauf dafür soll nach Angaben des Vereins am 1. September im „manin“ beginnen. Ein Teil der Einnahmen werde dem FC Blau-Weiß gespendet.
Nach Informationen des Vereins soll das eigentliche Oktoberfestzelt montags nun vollständig geschlossen bleiben. Der FC kommentiert dies mit den Worten: „Schade für St. Wendel.“
Verein vermisst Verein auf Oktoberfest-Plakat
Zum Abschluss spricht der FC Blau-Weiß noch einen weiteren Punkt an. Ihm gegenüber sei ausdrücklich betont worden, dass bei einer solchen Veranstaltung ein Verein im Vordergrund stehen müsse.
Auf dem aktuellen Plakat für das Oktoberfest könne der FC Blau-Weiß nach eigener Aussage jedoch keinen beteiligten Verein erkennen.
Der Verein betont zugleich, mit seiner Stellungnahme keine neue Auseinandersetzung beginnen zu wollen. Vielmehr wolle man transparent darstellen, wie es aus eigener Sicht zu der jetzigen Situation gekommen sei.
Damit stehen sich beim Oktoberfest derzeit in mehreren Punkten unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Die Stadt erklärt, nach der Absage des FC Blau-Weiß habe Bürgermeister Peter Klär einen Veranstalter für das etablierte dreitägige Format gesucht und mit dem Spinnrad-Betreiber gefunden. Der FC Blau-Weiß wiederum stellt heraus, dass er sich nicht grundsätzlich zurückziehen wollte, sondern bereits seit Ende 2025 gemeinsam mit einem Partner ein aus seiner Sicht wirtschaftlich tragfähiges Vier-Tage-Konzept vorbereitet habe. Zentraler Streitpunkt bleibt damit insbesondere die Frage, wann und in welcher Form der vierte Veranstaltungstag mit der Stadt besprochen beziehungsweise akzeptiert oder abgelehnt wurde.




