Missionshaus-Projekt: Bürgerinitiative vermisst belastbare Grundlage nach Jahren großer Ankündigungen

Foto: Kreisstadt St. Wendel / Josef Bonenberger

Die Bürgerinitiative „Missionshaus – Zukunft mit Weitblick“ hat sich erneut in der Debatte um das Missionshaus-Projekt in St. Wendel zu Wort gemeldet. In einer am 23. August 2026 veröffentlichten Erklärung kritisiert sie, dass der tatsächliche Projektstand nach monatelanger öffentlicher Stille für die Bürgerinnen und Bürger nicht nachvollziehbar sei. Die Initiative erhebt diese Forderung nach eigenen Angaben bereits seit knapp zwei Jahren.

Konkret verlangt die Bürgerinitiative Antworten auf vier zentrale Fragen: Ob inzwischen ein verbindlich geschlossener städtebaulicher Vertrag existiert, welche Verpflichtungen und Bedingungen darin vereinbart wurden, welche finanziellen und rechtlichen Sicherheiten für die Stadt bestehen und welche Konsequenzen sich daraus für die SG Strukturholding und die Steyler Missionare ergeben. Zudem will die Initiative wissen, wie der aktuelle Stand des Gesamtprojekts aussieht. Nachdem öffentlich konkrete Angaben zu möglichen Vertragsinhalten gemacht worden seien, müsse die Stadt erklären, ob diese zuträfen – oder dies andernfalls klarstellen.

Die Verantwortung für die weitere Entwicklung sieht die Bürgerinitiative bei allen beteiligten Akteuren: den Steyler Missionaren als Eigentümer, der SG Strukturholding mit der Kreissparkasse St. Wendel und dem Architekten Gerlando Giarrizzo als Projektpartner sowie der Kreisstadt St. Wendel. Auch politisch seien die Verantwortlichen gefordert. Bürgermeister Peter Klär, CDU-Stadtverbandsvorsitzender Alexander Zeyer und CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Schorr hätten das Projekt maßgeblich unterstützt und öffentlich für seine Realisierung geworben. Dabei hätten sie stets betont, dass der Städtebauliche Vertrag nicht öffentlich gemacht werden solle. Die Initiative fordert erneut Transparenz über dieses Dokument.

An Spekulationen über interne Konflikte oder mögliche Ausstiegsszenarien werde sich die Bürgerinitiative nicht beteiligen. Entscheidend seien die Fakten. Bereits bis Oktober 2024 – mittlerweile vor 22 Monaten – hätte der Optionsvertrag zwischen der SG Strukturholding und den Steyler Missionaren gezogen werden sollen. Seit Mitte 2025 hätte zudem der Städtebauliche Vertrag vorliegen müssen. Bis heute sei er nicht öffentlich vorgelegt worden. Was damals mit Hochglanzpräsentationen und großen Zukunftsversprechen als nahezu feststehende Entwicklung vermittelt worden sei, habe bis heute keine entsprechend belastbare Grundlage. Nun müsse offengelegt werden, was tatsächlich vereinbart sei, welche Risiken bestünden und ob das Projekt unter den heutigen Bedingungen überhaupt noch realisierbar sei.

Darüber hinaus verweist die Bürgerinitiative auf den Klimawandel als zusätzlichen Faktor bei der Bewertung des Missionshaus-Areals. Die vergangenen Wochen hätten mit extremer Hitze, Trockenheit und Waldbränden in der Region gezeigt, wie unmittelbar die Folgen des Klimawandels auch vor Ort spürbar seien. Wertvolle Wald-, Grün- und Freiflächen müssten als Teil der Daseinsvorsorge und als natürliche Klimaanpassung verstanden werden – nicht als Flächenreserve, die bei jeder Projektplanung zur Disposition stehe. Zu einer seriösen Neubewertung gehöre auch die Frage, welchen Stellenwert Klimaresilienz, Naturschutz, Wasserhaushalt und die geologischen Gegebenheiten des Areals künftig haben müssten.

Zudem teilte die Initiative mit, dass sie derzeit Hinweisen auf mögliche Hangrutschungs- und Stabilitätsrisiken am Heiligen Berg nachgehe. Man sammle Fakten und recherchiere insbesondere die hydrogeologischen und geologischen Gegebenheiten des Areals. Die Erkenntnisse sollen veröffentlicht werden, sobald sie belastbar zusammengetragen und fachlich eingeordnet seien.

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