St. Wendel: Paten mit Herz- „Gemeinsam gegen einsam“ – Interview

Haben Sie schon einmal überlegt ehrenamtlich Senioren behilflich zu sein? Suchen Sie, als Senior oder Seniorin eine regelmäßige Begleitung im Alltag? Dann sind Sie bei „Paten mit Herz“ genau richtig.

Die Unterstützung von älteren Bürgern durch ehrenamtliche Betreuer, das ist die Intention des Projekts „Paten mit Herz“, dass vom Marienkrankenhaus St. Wendel, dem Landkreis St. Wendel, dem Pflegestützpunkt und vielen weiteren Partnern initiiert wurde und durch das Bundesprogramm „Land(auf)schwung“ gefördert wird.
Wir haben mit der Projektkoordinatorin, Monika Krächan, 55 Jahre, aus Hasborn und einer „Patin mit Herz“, der gelernten Erzieherin und Rentnerin Christine Rohr, 78 Jahre, aus Oberlinxweiler, über dieses besondere Konzept sprechen dürfen.

Frau Krächan, was können Sie uns über das Projekt „Paten mit Herz“ berichten?

Seit Gründung im Dezember 2016 liegt der Fokus bei „Paten mit Herz“ insbesondere darauf Zeit zu schenken. Zeit zum Zuhören und Plaudern, Zeit um gemeinsame Erledigungen zu machen, wie etwa das Einkaufen, Behördengänge und Arztbesuche abwickeln oder einfach schöne Aktivitäten unternehmen. Unsere „Patenkinder“, die über 65 Jahre alt und nicht pflegebedürftig sind, stammen aus dem St. Wendeler Raum, sind alleinstehend und haben manchmal nicht einmal mehr Familie. Da sind sie natürlich besonders froh, wenn regelmäßig und kostenfrei jemand für sie da ist und sich freiwillig und gerne um sie kümmert. Gemeinsam gegen einsam, das ist unser Motto.

Frau Rohr, seit wann sind Sie für das Projekt tätig und wie ist es dazu gekommen?

2 Jahre nach dem Tod meines Ehemannes, der an Alzheimer erkrankt war und den ich 12 Jahre lang intensiv gepflegt habe, bekam ich wieder den Wunsch und die Kraft mich einer neuen Aufgabe zu widmen. Ich wollte älteren Menschen helfen, sie unterstützen und einfach für Sie da sein. Da ich seit Jahren im Marienkrankenhaus St. Wendel Kommunionhelferin bin, stieß ich dort auf einen Flyer des Projekts„ PlusPaten“. Dies war das Vorgängerprojekt zu „Paten mit Herz“, welches sich ausschließlich an kürzlich entlassene, ältere Patienten des Marienkrankhauses richtete und für die Dauer von drei Monaten zeitlich begrenzt war. Im Jahre 2011 war ich schon dort ehrenamtlich aktiv und als “PlusPaten“ sich auflöste und in „Paten mit Herz“ überging, wurde ich auch dort wieder Patin. Ich habe bis heute keinen Tag bereut. So viel Dankbarkeit und Freude habe ich in dieser Form noch nie erlebt.“

Frau Rohr, wie würden Sie die ehrenamtliche Tätigkeit als „Patin mit Herz“ beschreiben?

Um ehrlich zu sein, fällt mir persönlich auf Anhieb nichts Negatives ein, was ich über diese freiwillige Ausübung sagen könnte. Ich denke allerdings, dass es im Rahmen dieser Tätigkeit sehr wichtig ist, sich abzugrenzen. Wer das nicht schafft, könnte Schwierigkeiten bekommen. Man darf die Probleme von anderen Menschen nicht zu den eigenen werden lassen. Speziell zu dem Thema „Wie kann ich mich abgrenzen?“ und auch zu vielen, weiteren, interessanten Themenbereichen erhalten wir regelmäßig kostenlose Schulungen, die uns genau solche Dinge lehren.

„Du bist wie ein Engel für uns“, diese Worte sagten zwei meiner drei Damen, die ich betreue schon mehrfach zu mir. So etwas berührt mich sehr. Ich bin immer wieder sehr erstaunt darüber, wie dankbar die Menschen sind, wenn man Ihnen Zeit schenkt. Für mich ist es selbstverständlich Menschen, die meine Hilfe benötigen, eine Stütze zu sein. Ich gebe Zeit und bekomme so viel zurück. Diese Beschäftigung erfüllt mich. Alleine schon das Vertrauen, das man nach und nach erfährt, das finde ich so kostbar. Die Menschen lassen mich richtig an ihrem Leben teilhaben, an allen Höhen und Tiefen. Ich finde es so bereichernd, dass ich von Menschen, die älter als ich sind, lernen kann. Ich freue mich immer auf anregende Gespräche und spannende Diskussionen. Das Gefühl etwas Gutes zu tun, das ist einfach sehr schön.
Frau Krächan, was können Sie uns über die aktuelle Funktionsweise von „Paten mit Herz“ erzählen?

„Zur Zeit haben wir 29 Paten, davon 23 Aktive. Überwiegend sind die Paten im Rentenalter, vereinzelt haben wir aber auch jüngere Paten, wie zum Beispiel zwei syrische, junge Männer, die der Gesellschaft „unbedingt etwas zurückgeben wollten“.
Das Ganze läuft in der Regel wie folgt ab: Ein Senior oder eine Seniorin, die Interesse an einer Patenschaft haben, kontaktieren mich. Anschließend besuche ich die Interessenten zu Hause, stelle Ihnen mich und unser Projekt vor und bespreche mit ihnen Vorstellungen und Wünsche. Anschließend suche ich einen passenden Paten aus. Bei einem weiteren Zusammenkommen treffen sich dann Pate und „Patenkind“ gemeinsam mit mir, um sich kennenzulernen. Bisher gab es noch nie Schwierigkeiten zwischen Pate und „Patenkind“. Falls dies doch einmal der Fall sein sollte, wäre das auch kein Problem, der freiwillige Dienst kann jederzeit beendet werden. Das wöchentliche Treffen mit den „Patenkindern“ ist individuell gestaltbar, es muss also kein fester Tag in der Woche sein, es ist nur wichtig, dass das Treffen einmal in der Woche stattfindet.
Ich habe schon häufig bemerkt, dass es schwierig sein kann, Senioren auf eine eventuelle Patenschaft anzusprechen. Viele sind da sehr demütig und machen sich viele Gedanken darüber, was andere Menschen wohl sagen könnten, wenn eine fremde Person zu Ihnen kommen würde, um Ihnen den Alltag ab und an etwas zu erleichtern. Wenn der Kontakt aber erst mal entstanden ist, dann läuft alles ganz von selbst. Es entstehen richtige Freundschaften. Paten und „Patenkinder“ freuen sich auf die gemeinsamen Stunden, das bekommen wir immer wieder rückgemeldet.

Frau Rohr, hatten Sie denn schon einmal Ungereimtheiten mit einem ihrer „Patenkinder“?

Nein, ich hatte diesbezüglich noch nie Schwierigkeiten. Ich stelle mich immer voll und ganz auf die Personen ein und bin mit Herzblut bei der Sache. Ich freue mich sehr auf die Tage mit meinem „Patenkindern“.

Frau Rohr, wie oft sind Sie denn mit Ihren Patenkindern zusammen und wie gestaltet sich ihre gemeinsame Zeit?

„Ich habe insgesamt drei Patenschaften übernommen. An zwei Tagen in der Woche treffe ich mit ihnen. Mit zwei von drei Patenkindern, mache ich immer kleine Ausflüge, wie z.B. an den Bostalsee fahren, Kaffee trinken auf den Schlossplatz, spazieren auf dem Schaumberg, etc. Mit meinem anderen Patenkind gehe ich regelmäßig einkaufen und erledige Arztbesuche“.“

Frau Krächan, was bieten Sie den Paten?
Unsere Betreuer erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 20 € monatlich, zuzüglich Fahrtkosten. Darüber hinaus bieten wir, wie Frau Rohr bereits angesprochen hat, regelmäßige, kostenfreie Schulungen inklusive Teilnehmerzertifikat, beispielsweise zu Inhalten wie Versicherungsschutz, Konfliktbewältigung, Kommunikation, usw. an. Beim monatlichen Stammtischtreffen findet immer ein sehr reger Austausch zwischen allen statt. Hier werden Probleme besprochen und neue Ideen entwickelt. Zentrale Besprechungspunkte, wie etwa Datenschutz oder Patientenverfügung, wechseln stetig. Es kommt auch vor, dass wir das Hospiz gemeinsam besuchen oder den Erste- Hilfe-Kurs auffrischen. Wir alle haben ein sehr freundliches und harmonisches Verhältnis. Ich, als fester Ansprechpartner, bemühe mich stets darum die Paten bei Ihrem Engagement zu unterstützten.  

Frau Krächan, Frau Rohr, was raten Sie unseren Leserinnen und Lesern, die überlegen Patin oder Pate mit Herz zu werden oder eine(n) solchen für sich zu suchen?

Frau Krächan: „ Liebe Senioren, wenn Sie Hilfe benötigen, dann melden Sie sich bei mir. Ich werde mich bemühen, einen für Sie passenden Paten zu finden. Freuen Sie sich auf die gemeinsame Zeit zu zweit.
Liebe Paten in spe, trauen Sie sich und melden sich. Sie und ihr Patenkind werden es Ihnen danken. Freuen Sie sich auf eine schöne, abwechslungsreiche Zeit mit ihrem Patenkind und freuen Sie sich vor allem darauf pure Dankbarkeit und Herzensfreude zu erfahren. Tun Sie es, denn es ist gut, etwas Gutes zu tun.
Kontaktdaten Monika Krächan: Telefon: 06851/59-2004, Handy: 0171/3086494 oder via Email an monika.kraechan@marienhaus.de“

Frau Rohr:. „Melden Sie sich bei Frau Krächan, vereinbaren Sie einen Hospitationstermin und schauen Sie sich einfach mal alles an. Ich habe schon einige Paten in spe mit zu meinen Patenkindern genommen, das machen wir gerne. Ich kann es nur nochmal betonen, diese Tätigkeit hat mir wieder mehr Lebensqualität gegeben. Es ist ein wahres Geschenk für beide Seiten.“

 

Also liebe potentielle Paten und „Patenkinder“ scheuen Sie sich nicht, werden Sie Teil dieses tollen, sozialen Programms.
An dieser Stelle möchten wir den „Paten mit Herz“ und allen anderen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, ein großes „Dankeschön“ aussprechen. Wir danken Ihnen dafür, dass Sie immer wieder Zeit, Kraft und Mühe investieren um genau dort zu helfen, wo Hilfe nötig ist.

Vielen Dank!

Foto: S.Bouillon/ Monika Krächan und Christine Rohr (v.l.n.r.)

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