Sonntagsdemo gab Verschwörungstheorien erneut eine Bühne

Heute fand die siebte „Demo für die Wiederherstellung und Einhaltung der Würde des Menschen“ der Interessengemeinschaft Demo auf dem St. Wendeler Schlossplatz statt. Das Motto der heutigen Veranstaltung lautete Achtsamkeit. Wie bei den Veranstaltungen zuvor gab es jedoch auch heute Redner, die das Gehör der anwesenden Menschen nutzten, um ihre Verschwörungstheorien darzulegen. Eine Gegendemo mit rund 30 Menschen trat zeitgleich auf dem Schlossplatz auf. Beide liefen friedlich ab.

Er freue sich über das zahlreiche Erscheinen, begrüßte der Veranstalter Dirk Zinnecker die Demonstranten und schloss gleich alle ein, die in den angrenzenden Außenbereichen der Gastronomien am Schlossplatz saßen. Demnach wisse jeder, wer die Woche zuvor da war, dass sich heute größtenteils alles in der Gastronomie versammelt haben soll. „Wir sind definitiv gewachsen gegenüber der vorigen Woche und dafür ein herzliches Dankeschön.“ Sätze aus den Reihen der Gäste in den Gastronomien wie „Also ich gehör nicht dazu“ oder „ich bin hier wegen dem schönen Wetter“, verdeutlichten, dass zumindest einige unfreiwillig als Demonstranten in die Veranstaltung eingeschlossen wurden.



Als erste Sprecherin kündigte Zinnecker die Autorin Gudrun an, die auch schon mal Direktorin an einer Schule gewesen sei. Ihr Nachname wurde nicht genannt. Gudrun machte auf das heutige Datum aufmerksam: Der 21.06., die Sommersonnenwende. Diese sei ein besonderes Fest, das viele Naturvölker feiern. Gudruns wichtigste Botschaft war es, dass die Naturvölker uns daran erinnern wollen, dass wir alle Menschen seien und in Frieden miteinander leben sollen. Eine Botschaft, der niemand etwas entgegenzusetzen hatte. Nach ihrer Kritik an dem über Traugott Ickeroth auf wndn.de veröffentlichten Artikel, ging sie auf Ickeroths Rede ein, der sie nichts entgegenzusetzen hatte. Es gebe nunmal Menschen, die an Wiedergeburt glauben, an einen Plan für ihr leben. Die sagen, sie haben schon mehrmals gelebt und sich am Beginn einer neuen Zeit befänden. Die sagen, viele würden noch schlafen, aber dass sie aufwachen würden. Man müsse ja nicht glauben, was er glaubt. Da hat sie Recht. Sie selbst sei aber „sehr sehr angetan“ gewesen von seiner Rede. „Ich bin immer total offen für neue Sachen, die ich höre. Ich habe auch sehr geschätzt, was er gesagt hat.“ Der Aussage im Artikel, dass die Veranstaltung dem Veranstalter wegen der zahlreichen bizarren Theorien entgleist war, widersprach sie deutlich. Traugott Ickeroth war ebenfalls anwesend.

Gudrun berichtete davon, dass es Studien gebe, die belegen, „dass Kinder gar nicht ansteckend sind“. Ebenso erklärte sie, dass die Corona-Impfung laut eines ihr bekannten Bakteriologen „so gefährlich“ sein werde, weil die Entwicklung einer Impfung normalerweise zehn bis 15 Jahre betrage. Auch fragte sie, warum die Politik solch eine Angst vor Verschwörungstheoretikern habe, dass sogar Schulkinder in der Grundschule Arbeitsblätter dazu bekämen. Als „Beweis“ las sie von einem Blatt Multiple-Choice-Aufgaben zum Thema Verschwörungstheorien vor.

Abschließend appellierte Gudrun an die Menschen, sich über 5G zu informieren und wachsam zu sein.

Die Gegendemo auf dem Schloßplatz

Als Zinnecker wieder auf die Bühne trat, erwähnte er die Gegendemo. Er las vor, was auf einem der Schilder der Gegen-Demonstranten stand: „Gates noch? – Das System ist gemein, aber nicht geheim! Solidarität statt Verschwörungstheorien“ Zinnecker hatte einen Satz dazu: „Wer behauptet, dass andere Verschwörungstheoretiker sind, der nimmt für sich den alleinigen Besitz der Wahrheit in Recht und das ist in meinen Augen totalitär.“ Daraufhin erhielt er tosenden Applaus. Die Gegendemonstranten zeigten sich unberührt.

Immer wieder kritisierte er die Maskenpflicht und kündigte an, nächste Woche einen Brief ins Rathaus zu schicken, um dort nachzufragen, warum „wir immer noch diese scheiß Masken tragen sollen“. Dann räumte er einem Freiwilligen ein paar Minuten ein, um auf der Bühne zu reden. Maurice von der Gegendemo ging direkt auf die Bühne zu. Zinnecker erinnerte ihn daran, dass er ein Mensch sei, so wie Maurice und dass er bitte respektvoll sein soll.

Maurice, der Veranstalter der Gegendemo, dankte für die Möglichkeit, zu sprechen. Das respektvolle Miteinander sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. Er betonte, dass kein Demonstrant seiner Veranstaltung beleidigend sein wolle und dass es auch nicht ihr Ziel sei, dass einer der „anderen“ Demonstranten beleidigt werde. „Weshalb wir uns hier zusammenfinden, ist nicht, dass wir euch die Meinung absprechen, dass die Corona-Maßnahmen streng sind oder dass die Corona-Maßnahmen ungerecht sind, darüber kann man diskutieren.“ Seine Botschaft war klar: „Ihr sollt die Möglichkeit haben, diskutieren zu können, was in Ordnung ist und was nicht in Ordnung ist. Was nicht geht, ist eben die Tatsache, dass man Personen eine Bühne bietet, die offensichtlich keine faktenbasierten Thesen verbreiten, sondern eben – ich will das Wort fast nicht verwenden – Verschwörungstheorien.“ Er ging auf Ickeroths Theorien ein, die er unter anderem in seinen Büchern und auf seiner Webseite vertritt, die zum Teil in eine sehr radikale Richtung gehen. „Warum wir hier sind, ist weil wir das in St. Wendel nicht wollen“, betonte Maurice ausdrücklich.

Die nächste von Zinnecker angekündigte Rednerin war Silke. Silke betonte eingangs, dass sie weder Extremistin noch Verschwörungstheoretikerin sei. Sie übte unter anderem Kritik an der Corona-Warn-App und am Maskentragen. Sie berichtete, dass sie zunächst Angst vor dem Virus hatte und daraufhin viele Informationen gesammelt habe, um besser mit der Angst umgehen zu können. „Ich habe immer noch Angst“, sagte sie dann, „aber nicht mehr vor dem Virus.“ Sie zitierte aus einem Video vom 15. März, das wie sie sagt, vom Bundesgesundheitsministerium gewesen sein soll: „Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit / Die Bundesregierung würde bald massive Einschränkungen ankündigen – das stimmt nicht“, am nächsten Tag seien die Schulen geschlossen worden, so Silke. (Die wndn-Redaktion konnte ein Video mit einer solchen Behauptung nicht im Internet nicht finden.) Weiter sagte sie, dass die Warn-App anfällig für Angriffe sei, dies habe die TU Darmstadt in einem Bericht veröffentlicht. Zum Schluss ihrer Rede sagte sie, dass sieben von zwölf Corona-Impfstoffen den Menschen gentechnisch verändern würden.

Nach Silke kam Ramona, Heilpraktikerin. Sie berichtete von „so vielen Menschen“, die sie in ihrer Praxis habe. „Die meisten haben so viele Schäden, und zwar de facto wegen Impfungen“, behauptete sie. Keiner könne sich vorstellen, was mit ihnen geschehe, wenn sie ganzheitlich behandelt werden. „Sie werden dann wieder wahrhaftig gesund“, letztendlich sei aber das einzige, was heilt, „die Liebe und dass wir hier alle zusammenhalten“.

Nach Ramona pries Zinnecker stolz den nächsten Sprecher an: „Wir haben in jeder Veranstaltung mindestens einen Doktor dabei, das haben wir bei dieser auch.“ Er erinnerte nochmals an das Thema der heutigen Veranstaltung „Achtsamkeit“. In den Reden zuvor fand das Thema weniger Beachtung. Der nächste Redner sei aber ein Spezialist für das Thema, kündigte Zinnecker an: Doktor der Psychologie, Klaus Stagmann.

Stagmann kam auf die Bühne und korrigierte Zinnecker zunächst: „Ich bin kein Doktor, ich bin Diplom-Psychologe.“ Stagmann sprach über Methoden, um achtsamer zu werden und blieb auch eine Weile beim Thema. Später ging er auf Aussagen in Ickeroths Rede ein und übte Kritik an ihnen. Des Weiteren behauptete er, unsere demokratischen Rechte würden uns Stück für Stück weggenommen. Auch sagt er, dass wir lernen müssen, zu kommunizieren, „das ist es, was Demokratie ausmacht“.

Später kam Armin Schneider auf die Bühne. „Ich bin Verschwörungstheoretiker und Mensch aus Rheinland-Pfalz“, gab er bekannt. Von seinem Zettel las er eine obskure Aussage nach der anderen vor, wie, die Zeit des Schweigens müsse vorbei sein, das Corona-Drama gehöre zu den dunklen Plänen des tiefen Staates, die Medien verdrehen die Wahrheit so, wie Regierung und Finanzgeber es vorgeben oder Deutschland werde systematisch kaputt gemacht. Auch er erhielt tosenden Applaus.

Am Ende meldete sich eine Demonstrantin, die spontan eine Rede hielt. Karla berichtete sehr emotional von den Auswirkungen der Maßnahmen auf ihr Berufs- und Privatleben und redete damit den anwesenden Demonstranten offenbar aus der Seele. Sie redete unter anderem von Sorgen und Nöten der Kurzarbeiter, sowie der gesamten Hotellerie- und Gastronomiebranche, welche nachhaltig mit den Auswirkungen zu kämpfen haben. Was schlussendlich die Frage aufwirft, weshalb so viele Menschen bei den Sonntagsdemos auf dem Schlossplatz dabei sind. Kommen sie, um sich Verschwörungstheorien anzuhören oder um auf aktiv etwas gegen ihre Situation zu tun, indem sie für weitere/schnellere Lockerungen der Maßnahmen demonstrieren?

Zinnecker dankte zum Abschluss allen Rednern und Anwesenden und kündigte für das nächste Mal eine Veranstaltung an, „die den Rahmen sprengen wird“, zudem werde eine Sprecher mit ganz vielen Fakten auftreten.

Kommentar der Redaktion:

Zweifellos sind viele Menschen von der Krise betroffen und haben es zurzeit sehr schwer. Das frustriert, das macht wütend, das macht Angst. Man sucht Menschen, denen es ähnlich geht, zum Austausch. Man findet Hoffnung in Demos, die gegen das sind, was einen selbst in eine schwierige Situation gebracht hat (Corona-Maßnahmen). Diese Situation und die Ängste werden auf der Demo leider auch dazu genutzt, obskure Theorien zu verbreiten und weitere Ängste zu schüren. So, wie die Veranstaltung es heute anmahnen wollte, sollte man tatsächlich achtsamer sein, vor allem wenn es um versteckte Hetze und fragwürdige Theorien geht.

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