Wie lebten die Römer einst im Schaumberger Land? Dieser Frage widmet sich eine neue Sonderausstellung im Museum Theulegium in Tholey. Unter dem Titel „Römisches Leben im Wareswald – Vergangenheit digital entdecken“ werden archäologische Originalfunde mit digitalen Vermittlungsformen kombiniert. Die Schau entstand als interdisziplinäres Lehr-Lern-Projekt der Universität des Saarlandes und ist ab sofort bis zum Jahresende zu sehen.
Gezeigt werden unter anderem römische Goldmünzen, Statuen, Opfergaben, Grabschmuck, Gefäße und Haarklammern aus dem Wareswald. Die Exponate decken verschiedene Bereiche des römischen Alltags ab – ein Hundekopf aus einem Grabmal steht etwa für das Thema Tod und Bestattung, eine Haarklammer gibt Einblicke in die Kosmetik der alten Römer. Ergänzt werden die Originale durch Informationstafeln, interaktive Inhalte und digitale Anwendungen, die neue Zugänge zur Geschichte der römischen Siedlung schaffen sollen.
Das Besondere: Ausgewählte Fundstücke wurden mit einem 3D-Drucker originalgetreu nachgebildet und dürfen von den Besucherinnen und Besuchern angefasst werden. Rekonstruierte römische Parfüms machen zudem historische Düfte erlebbar, ein interaktiver Mediaplayer liefert zusätzliche multimediale Informationen. Der Museumsbesuch spricht damit mehrere Sinne an – neben dem Betrachten können Gäste auch fühlen und riechen.
Zwölf Studierende der Fachrichtungen Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Mittelalterliche Geschichte haben große Teile der Ausstellung eigenständig entwickelt. Sie übernahmen die wissenschaftliche Aufarbeitung der Funde, die didaktische Konzeption, die Gestaltung sowie die Entwicklung der digitalen Angebote. Betreut wurden sie von Christine Girardet, Nils Schnorr und Dr. Miriam Weiss von der Saar-Uni, die das Engagement der Beteiligten sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Universität, Museum und dem Historischen Verein zur Erforschung des Schaumberger Landes hervorhoben.
Bereits bei der Eröffnung zeigte sich großes Interesse: Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Niko Leiss, konnte mehr als 50 Besucherinnen und Besucher begrüßen. Diese nutzten die Gelegenheit, die Ausstellung zu erkunden und mit den Studierenden sowie den Projektverantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Elisabeth Biwer, Beigeordnete der Gemeinde Tholey, zeigte sich beeindruckt und freute sich, an der Eröffnung „einer außergewöhnlich attraktiven und modernen Ausstellung teilnehmen zu dürfen“. Sie dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz, insbesondere den Studierenden Jonas Becker, Jan Brinckmann, Julie Charpentier, Thalia Cimolino, Efe Duman, Sophie Gross, Thorsten Kind, Lena Knaup, Ophelia Kornbrust, Sophia Presti, Lara Schäfer und Pauline Weber.
Der Wareswald blickt auf eine lange Geschichte zurück: Im ersten Jahrhundert nach Christus entstand dort am Kreuzungspunkt zweier überregional bedeutsamer Römerstraßen – zwischen Metz und Mainz sowie zwischen Straßburg und Trier – ein sogenannter Vicus am Fuße des Schaumbergs zwischen den heutigen Gemeinden Marpingen, Oberthal und Tholey. Reisende und Händler sorgten für eine rege Nachfrage nach Unterkunft, Verpflegung und Gütern des täglichen Bedarfs. Händler und Handwerker ließen sich nieder, die Siedlung wuchs auf mehrere Hektar an. Um das Jahr 400 wurde der Vicus verlassen und ist seither nicht mehr besiedelt.
Das Museum Theulegium am Tholeyer Rathausplatz wurde 2006 vom Historischen Verein zur Erforschung des Schaumberger Landes eröffnet. Neben Exponaten der Vor- und Frühgeschichte sowie den römischen Funden aus dem Wareswald zeigt es die geschichtliche Dokumentation zur Abtei Tholey und zur Entwicklung des Amtes Schaumburg. Geologische Besonderheiten, Fossilien, Eisenerze und Halbedelsteine ergänzen die Sammlung. Im restaurierten Kellergewölbe sind weitere Ausstellungen zu sehen, darunter das ehemalige Kantonsgefängnis, die Olga-Schwind-Ausstellung mit historischen Musikinstrumenten, die Tafelklavierwerkstatt von Peter Mönch und die Photogrammetrie-Ausstellung zu Albrecht Meydenbauer.
Die Sonderausstellung ist mittwochs und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr im Museum Theulegium, Rathausplatz 6, 66636 Tholey, zu sehen. Sonderführungen sind nach telefonischer Vereinbarung unter 06853-50880 oder 0151-67134743 möglich. Weitere Informationen per E-Mail an info@theulegium.de.





