SchülerInnen der GemS Türkismühle nahmen an Vortrag zur „Ghettorente“ teil

Türkismühle. 60 Schülerinnen und Schüler nahmen am vergangenen Mittwoch an einem Vortrag von Christoph Zahn zum „Gesetz zur Zahlbarmachung von Renten aus Beschäftigungen in einem Ghetto“ (kurz: Ghettorentengesetz) teil. Mit dem Vortrag wurde die gleichnamige Ausstellung, die von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin zur Verfügung gestellt wurde, erstmals an einer deutschen Schule eröffnet.

Das Ghettorentengesetz regelt die Rentenzahlungen an ehemalige Ghettobewohner, die von den Nationalsozialisten zur Arbeit in den „Vorhöfen der Hölle“ gezwungen wurden. Im ersten Teil seines Vortrages ging Herr Zahn am Beispiel des Ghettos Lodz, zwischen 1940 und 1945 umbenannt in Litzmannstadt, auf die menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsverhältnisse in den von den Nazis für jüdische Bürger eingerichteten Ghettos ein. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich sichtlich betroffen, als sie von den Bedingungen erfuhren, unter  denen die Menschen damals leben mussten. Ihr Leben auf engstem Raum war bestimmt durch Hunger, Krankheit, Kälte, Unterernährung, Seuchen und dem Tod. Um zu überleben, waren die Menschen auf Arbeit angewiesen, weil sie dadurch zusätzliche Lebensmittelrationen bekamen.

Als Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung  und als Vorstandsmitglied des Vereins „Wider das Vergessen und gegen Rassismus“ in Marpingen wurde Herr Zahn mit vielen Schicksalen konfrontiert, die unter den Folgen der Nazizeit bis zum heutigen Tag zu leiden haben. Am Umgang mit den Entschädigungszahlungen für die Ghettoarbeiter zeigte Herr Zahn im zweiten Teil seines Vortrages auf, wie beschämend man in Deutschland in den Nachkriegsjahren mit der Entschädigung dieses Unrechtes umgegangen ist. Viele Jahrzehnte lang wurde den Ghettoarbeitern eine Rentenzahlung verwehrt, weil diese zur Arbeit gezwungen wurden und die deutsche Gesetzgebung Rentenzahlungen lediglich für freiwillige Arbeit vorsah. Erst 1997 wurde eine Grundsatzentscheidung getroffen, nach der die Arbeit in einem Ghetto einen Anspruch auf Rente bewirken kann. Ein weiteres Problem der deutschen Gesetzgebung lag dann aber darin, dass Rentenzahlungen nicht ins Ausland geleistet werden durften. Da aber die überwiegende Zahl der ehemaligen Ghettoarbeiter nach Israel oder in die USA emigriert waren, konnten die Leistungen erneut nicht ausgezahlt werden. Die schwerfällige deutsche Bürokratie brauchte erneut 5 Jahre, bis dann 2002 mit in Kraft treten des ZRBG Rentenzahlungen ins Ausland ermöglicht wurden. Nach einer Klarstellung durch eine weitere Grundsatzentscheidung aus dem Jahr 2009 und weiteren fünf Jahren erfolgte im Jahr 2014 eine Gesetzesänderung, die den Ghettoarbeitern Leistungen ab 1997 rückwirkend zusprach – leider haben diese Entscheidung nur wenige Arbeiter noch erlebt.

Herr Zahn wies zum Abschluss seines Vortrages darauf hin, wie wichtig es sei, an die schrecklichen Ereignisse der Nazizeit zu erinnern und dass gerade die Schülerinnen und Schüler als Multiplikatoren Verantwortung dafür tragen, demokratisches Denken zu fördern und rechtem Denken entgegenzutreten.

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