Otzenhausen: Deutsch-russisches Informationsseminar bereicherte die Teilnehmer

Hat Russland mitten im Vereinigten Königreich mit einem Kampfmittel einen früheren Spion umbringen wollen?

Plant das Land militärische Aktionen gegen EU- und NATO-Mitglieder in seiner Nachbarschaft?

Trinken eigentlich alle Russen die ganze Zeit Wodka?

 

Die Nachrichten sind voll mit schlechten Nachrichten über unseren großen Nachbarn im Osten und unsere Beziehungen zu ihm. Unsere Kenntnisse über Russland reduzieren sich häufig auf Stereotype. Dabei hat die Russische Föderation viel mehr zu bieten. Gute Gründe für gute Nachrichten und eine positive Einstellung zu dem riesigen Staat gibt es viele.

Aber wie vermittelt man dies?

Die Europäische Akademie Otzenhausen versucht es seit nunmehr fast zehn Jahren mit einem Informations- und Begegnungsseminar junger Deutscher und gleichaltriger Russen. Erstmals waren dieses Jahr auch Teilnehmer aus Belgien Teil der etwa 40köpfigen Gruppe. In Otzenhausen leben und arbeiten sie fast zwei Wochen zusammen, teilen sich Zimmer, tauschen sich über ihre Traditionen aus und lernen von- und miteinander. Im Rahmen gemeinsamer Informationsvorträge und Workshops lernen sie ihre Länder und die EU sowie die Beziehungen zueinander besser kennen. Sie diskutieren aktuelle Probleme und Herausforderungen. Wenn, wie in diesem Jahr, auch eine gebürtige Ukrainern mit dabei ist, kann dies schnell hitzig werden – und doch bleiben die jungen Menschen sachlich und offen für die Positionen der anderen. Auch bei umstrittenen Meinungen, zum Beispiel der Verteidigung der Sanktionen gegen Russland durch Deutschland wegen der Annexion der Krim und des Krieges im Osten der Ukraine. Gemeinsam besuchen die jungen Teilnehmer die Gedenkstätte KZ Hinzert, das Schengen-Museum an der deutsch-luxemburgisch-französischen Grenze oder den Europarat in Straßburg. Und gemeinsam lassen sie es abends krachen, hören Musik aus ihren Heimatländern, spielen Tischtennis und feiern, sofern es nicht auch außerhalb des Seminarraums Redebedarf gibt.

Den gab es auch am 31. Juli, als im Rahmen des Seminars die 4. Russland-Gespräche im Rathaus St. Johann durchgeführt wurden. Zwei Teilnehmer aus Russland und Deutschland sowie zwei deutsche Wissenschaftler wagten einen Rückblick auf das vergangene Jahr in den gemeinsamen Beziehungen und Prognosen für die kommenden 12 Monate. Positiv sind leider die wenigsten, auch nicht die Wortmeldungen aus dem Publikum. Ein großer Wunsch scheint aber alle zu einigen: Dass zwischen Russland, Deutschland, EU und NATO ein konstruktiver Dialog geführt wird. Gespräche auf oberster Ebene bis hinunter zur Zivilgesellschaft, so wie wir es nun in Otzenhausen erfolgreich gemacht haben. Das deckt sich auch mit der offiziellen Position des Auswärtigen Amtes in Berlin: Mit Russland müsse man „reden, reden, reden“.

Die Teilnehmer werden den Dialog weiterführen: Die Deutschen und Belgier fliegen Ende Februar 2019 für eine Woche nach St. Petersburg. Dort werden sie ihre neuen russischen Freunde wiedersehen, Vertreter der Zivilgesellschaft treffen und eine wundervolle Stadt kennenlernen, die sich bereits diesen Sommer im Rahmen der sonnigen Fußball-WM vielen ausländischen Fans präsentiert hat. Eine WM, bei der Russland ein guter und offener Gastgeber war und damit seine wahre Seite gezeigt hat. Und so wird hoffentlich der Trip im kalten Winter weitere Stereotype entkräften, Vorurteile abbauen und die Freundschaft vertiefen.

Apropos Stereotype: Wussten Sie eigentlich, dass Russen viel mehr Bier und Wein trinken als Wodka?

Weitere Informationen zur Europäischen Akademie Otzenhausen finden Sie unter www.eao-otzenhausen.de .

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