Sebastian Schorr ist CDU-Landtagsabgeordneter, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat St. Wendel und Sprecher für den ländlichen Raum in der CDU-Fraktion. Im Interview spricht er über wirtschaftliche Perspektiven, seine Kritik an der Landesregierung – und warum das Projekt „Missionshaus“ für ihn zum Prüfstein für die Zukunft der Kreisstadt geworden ist.
wndn.de: Was ist aus Ihrer Sicht aktuell die größte Herausforderung für den Landkreis St. Wendel?
Sebastian Schorr: Aus meiner Sicht gibt es nicht die eine große Herausforderung – es ist immer eine Vielzahl an Themen, die zusammengedacht werden müssen. Ziel muss es sein, dass unser St. Wendeler Land weiterhin so lebens- und liebenswert bleibt wie heute und sich zugleich positiv weiterentwickelt.
Ganz oben steht natürlich die wirtschaftliche Lage. Nur eine gesunde Wirtschaft schafft und sichert Arbeitsplätze. In erster Linie müssen die Steuern erwirtschaftet werden, die man dann für die örtliche Infrastruktur investiert. Daher bildet die Wirtschaft das Fundament der Finanzkraft des Saarlandes, aber auch des Landkreises. Gerade durch den Ausbau sicherheits- und verteidigungsrelevanter Industrie in Nonnweiler, Freisen und St. Wendel entstehen Chancen auf zukunftsfeste und gut bezahlte Arbeitsplätze. Gleichzeitig dürfen Themen wie Wohnen, Gesundheitsversorgung, Sicherheit, Bildung, soziales Miteinander, Tourismus und kommunale Infrastruktur nicht vernachlässigt werden. Erst wenn all diese Felder zusammen gedacht werden, entsteht ein schlüssiges Zukunftskonzept – eines, das Menschen in unserer Region hält und anzieht.
Ein konkretes Beispiel ist das Projekt Missionshaus in St. Wendel. Hier sehe ich eine große Chance, unsere Kreisstadt städtebaulich und wirtschaftlich weiterzuentwickeln – zu einem Ort, der Wohnen, Arbeiten, Bildung und Tourismus intelligent verbindet.
Welche konkreten Projekte haben Sie in Ihrer Amtszeit für unsere Region angestoßen oder maßgeblich unterstützt?
Bevor ich vor rund vier Monaten in den Landtag nachgerückt bin, war ich über zehn Jahre im Innenministerium tätig – unter anderem als Büroleiter von Klaus Bouillon und später von Reinhold Jost. In dieser Zeit konnte ich viele Projekte im Landkreis St. Wendel begleiten, wertvolle Erfahrungen sammeln und tragfähige Netzwerke knüpfen. Vor allem habe ich dort gelernt, wie wichtig pragmatische Lösungen für die alltäglichen Herausforderungen vor Ort sind.
Diese Haltung prägt auch meine Arbeit als CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat St. Wendel und nun als Landtagsabgeordneter. Ein Schwerpunkt meiner politischen Arbeit ist die kommunale Haushaltslage. Unsere Städte und Gemeinden stemmen die gesamte Infrastruktur des täglichen Lebens: Schulen, Kitas, Sporthallen, Feuerwehrgerätehäuser, Straßen, Dorfplätze. Und das alles unter immer schwierigeren finanziellen Bedingungen.
Deshalb mache ich mich dafür stark, dass das Sondervermögen des Bundes – für das Saarland rund 1,2 Milliarden Euro – vollständig und direkt an die Kommunen weitergeleitet wird. Für unseren Landkreis wären das über 100 Millionen Euro – eine riesige Chance für Investitionen in die Zukunft und ein Konjunkturimpuls für unsere heimischen Wirtschaft. Doch leider verfolgt die Landesregierung momentan einen anderen Kurs und möchte große Teile der Mittel für eigene Landesprojekte abziehen. Das halte ich für grundlegend falsch – und das habe ich auch klar öffentlich kritisiert.
Darüber hinaus setze ich mich gemeinsam mit Landrat Udo Recktenwald dafür ein, das erfolgreiche Projekt together@work auf Bürgergeldempfänger auszuweiten – durch eine gezielte Gesetzesänderung. Und ich trete für eine umfassende Entbürokratisierung ein: nicht nur zwischen staatlichen Ebenen, sondern auch im Verhältnis von Staat zu Bürgern und Unternehmen. Es gibt mittlerweile zu viele Vorgaben und Verfahren, die schlicht nicht mehr zielführend sind.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Projekt Missionshaus. Als CDU-Fraktion im Stadtrat setzen wir uns entschlossen dafür ein, dass es hier nicht zum Stillstand kommt. Denn ein solcher Stillstand würde unweigerlich zum Verfall führen – und das darf nicht passieren.
Klar ist: Unter einer SPD-Alleinregierung ist unser Einfluss begrenzt. Aber wir setzen auf bessere Ideen – und wollen 2027 wieder in Regierungsverantwortung kommen, um unsere Projekte konsequent umsetzen zu können.
Wie setzen Sie sich im Landtag für die Interessen des ländlichen Raums – insbesondere im St. Wendeler Land – ein?
Als Sprecher für den ländlichen Raum der CDU-Landtagsfraktion ist es meine Aufgabe, die Anliegen der ländlich geprägten Regionen mit Nachdruck zu vertreten – vor allem natürlich meine Heimat, das St. Wendeler Land. Leider habe ich häufig den Eindruck, dass die Landesregierung den ländlichen Raum vergisst. Der politische Fokus scheint auf der Saar-Schiene zu liegen – und damit verkennt man oftmals die Realität im ländlichen Raum.
Ob Gesundheitsversorgung, Handwerk und Landwirtschaft, ÖPNV oder Nahversorgung – die Herausforderungen im ländlichen Raum sind andere als in den urbanen Zentren. Doch in Saarbrücken werden oft Regelungen beschlossen, die an unserer Lebensrealität vorbeigehen. Ich bringe diesen Blickwinkel aktiv in die parlamentarische Arbeit ein: Wir brauchen keine Verwaltung des ländlichen Raums – wir brauchen eine Politik, die ihn gestaltet.
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Probleme im Saarland?
Auch hier ist es nicht nur ein einzelnes Problem – es sind viele. Dennoch steht die wirtschaftliche Entwicklung momentan ganz klar im Mittelpunkt. Es ist inzwischen fast schon bedrückend, wenn man die Medien verfolgt – weil man fast täglich mit einer Meldung über Stellenabbau im Saarland rechnen muss.
Gleichzeitig fehlt der Landesregierung ein überzeugendes Konzept, auch zur Stärkung des Handwerks – des sogenannten „goldenen Bodens“. Die Ministerpräsidentin erklärt die Wirtschaftspolitik zur „Chefinnensache“ – doch es fehlen klare Ideen. Erst auf Druck von Stephan Toscani hat man überhaupt angefangen, sich ernsthaft mit verteidigungsindustriellen Potenzialen auseinanderzusetzen. Dabei liegen hier echte Chancen – für das Saarland insgesamt, aber gerade auch für unseren Landkreis.
Wenn Sie einen politischen Wunsch für den Landkreis frei hätten – welcher wäre das?
Mein Wunsch wäre, dass der Landkreis St. Wendel in Saarbrücken endlich die politische und finanzielle Wertschätzung erfährt, die er verdient. Unsere Region leistet seit Jahren solide Arbeit – in Wirtschaft, Ehrenamt, Bildung und Tourismus. Dieses Potenzial muss gezielt unterstützt werden – mit fairen Förderbedingungen und einer echten Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Land und Kommunen.
Ein ganz konkreter Wunsch: Die Landesregierung hat nun grünes Licht für den Bebauungsplan Missionshaus gegeben – jetzt sollte sie das Projekt auch aktiv unterstützen. Denn das wäre ein echtes Signal für Strukturwandel und Zukunftsgestaltung in St. Wendel.
Kandidieren Sie 2027 erneut für den Landtag?
Ich bin bereit, weiterhin Verantwortung zu übernehmen – für den Landkreis St. Wendel, für das Saarland. Ob ich 2027 erneut kandidiere, wird die CDU zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden. Aber ich bin hochmotiviert, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, meine Erfahrungen einzubringen und langfristig für unsere Region zu arbeiten.
Was möchten Sie bis zum Ende der Legislaturperiode noch konkret erreichen?
Mein Ziel ist es, die kommunale Finanzausstattung endlich ins Zentrum der politischen Debatte zu rücken. Wir brauchen eine Reform des kommunalen Finanzausgleichs, die den Städten und Gemeinden spürbar mehr Handlungsspielraum gibt. Ebenso fordere ich eine grundlegende Reform der Förderpraxis im Saarland: weniger Bürokratie, digitale Verfahren, verlässliche Strukturen und echte Planungssicherheit.
Mir ist bewusst, dass das Thema vielen Bürgerinnen und Bürgern abstrakt erscheint. Aber man muss sich vor Augen führen: Die gesamte Infrastruktur unseres Alltags – Schulen, Kitas, Dorfgemeinschaftshäuser, Straßen, Feuerwehrgerätehäuser – wird von den Kommunen getragen. Wenn das Geld vor Ort fehlt, kann diese Infrastruktur nicht mehr in gewohnter Weise erhalten werden.
Vielen Dank für das Interview!
Kontakt:
Sebastian Schorr, MdL
📧 E-Mail: s.schorr@cdu-fraktion-saar.de
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