Kreis St. Wendel: Schlechte Energiewerte bei Wohnungen könnten Familien nun Förderkredite sichern

Symbolbild

Im Landkreis St. Wendel erreichen lediglich 19,9 Prozent der angebotenen Eigentumswohnungen die Energieeffizienzklasse D oder besser. Damit zählt der Landkreis laut dem aktuellen Postbank Wohnatlas 2026 unter allen 400 untersuchten Landkreisen und kreisfreien Städten zu den Regionen mit dem niedrigsten Anteil energieeffizienter Wohnungen. Was zunächst nach einem Nachteil klingt, könnte sich für Käufer und Verkäufer gleichermaßen als Chance erweisen – dank des KfW-Förderprogramms „Jung kauft Alt“.

Seit Anfang August erhalten Familien mit Kindern über dieses Programm deutlich höhere Förderkredite für den Erwerb sanierungsbedürftiger Wohnimmobilien. Der maximale Kreditbetrag stieg je nach Familiengröße um bis zu 40.000 Euro auf nun bis zu 180.000 Euro. Förderfähig sind Häuser und Wohnungen der Energieeffizienzklassen F, G und H. Wichtig dabei: Es handelt sich um ein Darlehen, das zurückgezahlt werden muss – allerdings zu günstigen Zinsen. Zudem ist seit August keine Komplettsanierung mehr erforderlich. Einzelne energetische Maßnahmen reichen aus, um von dem Förderdarlehen zu profitieren.

Hani Sultani, Finanzierungsexperte der Plattform ohne-makler, sieht darin eine konkrete Möglichkeit für Familien: „Wer die damit verbundenen Modernisierungsarbeiten nicht scheut, kann so beim Kauf Geld sparen.“ Zuvor konnten Modernisierungsmaßnahmen je nach Objekt aufwendig und teuer ausfallen. Durch die gelockerten Bedingungen könne sich die Förderung im Einzelfall nun finanziell lohnen.

Für Kaufinteressenten empfiehlt Sultani, die Immobilie genau unter die Lupe zu nehmen – insbesondere Heizung, Fenster, Türen und Dach. Baudokumente und Modernisierungsnachweise sollten eingeholt werden. Sinnvoll sei es, einen Energieberater hinzuzuziehen, der beurteilen könne, welche Maßnahmen nötig sind und welche Kosten anfallen.

Auch für Verkäufer ergeben sich nach Einschätzung des Experten neue Möglichkeiten. Objekte mit Modernisierungsstau könnten möglicherweise schneller und zu einem etwas verbesserten Preis verkauft werden. Entscheidend sei dabei, den Sanierungsbedarf transparent und nachvollziehbar darzustellen. Ein aktueller Energieausweis, vollständige Objektunterlagen und eine realistische Preisgestaltung könnten darüber entscheiden, ob Interessenten den energetischen Zustand als unkalkulierbares Risiko oder als finanzierbare Aufgabe bewerten. Sultani rät zu einer verlässlichen Kostenschätzung, um Interessenten nicht durch einen zu hoch angesetzten Preis abzuschrecken. Gebe es mehrere Interessenten, biete sich das Nachverhandeln an.

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