Die erhoffte Erholung der saarländischen Wirtschaft bleibt auch im Juli aus. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Saarland hervor, an der sich rund 300 Unternehmen mit insgesamt gut 90.000 Beschäftigten beteiligten. Der IHK-Lageindikator stieg gegenüber dem Vormonat nur minimal um 0,4 Punkte auf 6,8 Zähler. Für das leichte Plus sorgte vor allem der Dienstleistungssektor, während die Industrie – insbesondere die Automobilzulieferer – bei der Lageeinschätzung leicht nachgab. Der Erwartungsindikator verbesserte sich zwar um 2,8 Zähler, liegt mit minus 11,1 Punkten aber weiterhin deutlich im negativen Bereich.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé kommentierte die Ergebnisse deutlich: „Von einer wirtschaftlichen Trendwende kann auch im Juli noch keine Rede sein. Das von der Bundesregierung vorgelegte Reformpaket enthält zwar einige richtige und längst überfällige Schritte. Für einen selbsttragenden Aufschwung reicht es jedoch bei Weitem nicht aus. Deutschland bleibt ein überregulierter Hochkostenstandort. Solange Unternehmen bei Energiepreisen, Steuern, Sozialabgaben und Bürokratie nicht spürbar entlastet werden, bleibt privates Kapital an der Seitenlinie. Die Folge sind ausbleibende Investitionen, weniger Innovationen und schwächeres Wachstum. Zusätzliche Unsicherheit geht derzeit von den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten aus, die Energie- und Rohstoffpreise weiter unter Druck setzen. Gerade in diesem Umfeld braucht der Standort mehr Wettbewerbsfähigkeit statt zusätzlicher Belastungen. Die Bundesregierung muss den Reformkurs jetzt konsequent fortsetzen und den Unternehmen wieder mehr unternehmerische Freiräume eröffnen.“
Im Detail bewerten 25 Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Lage als gut oder sehr gut, 57 Prozent als befriedigend und 18 Prozent als schlecht. Im Verarbeitenden Gewerbe ergibt sich ein gemischtes Bild: Gut laufen die Geschäfte lediglich in der Keramikindustrie sowie in Teilen der Stahlindustrie. Eine überwiegend befriedigende Lage melden die Elektroindustrie, das Ernährungsgewerbe, die Metallerzeugung, der Stahlbau, der Maschinen- und Anlagenbau, die Medizintechnik, die Automobilzulieferindustrie sowie die Bauwirtschaft. Deutlich angespannt bleibt die Situation hingegen in der Gummi- und Kunststoffindustrie sowie bei den Gießereien.
Im Dienstleistungsgewerbe berichten 77 Prozent der Unternehmen von guten oder zumindest befriedigenden Geschäften. Die IT-Wirtschaft entwickelt sich dabei besonders positiv. Banken, Versicherungen sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe melden überwiegend befriedigende Lageeinschätzungen. Im Handel hingegen fällt das Stimmungsbild durchwachsen aus – die anhaltende Konsumzurückhaltung macht sich vor allem bei höherpreisigen Anschaffungen bemerkbar.
Der Blick in die Zukunft bleibt verhalten: Nur fünf Prozent der Betriebe rechnen für die kommenden sechs Monate mit besseren Geschäften, 16 Prozent erwarten eine Verschlechterung und 79 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. Als belastende Faktoren nennt die IHK neben den ungelösten strukturellen Problemen auch die hohen Standortkosten und den wieder aufgeflammten Konflikt am Persischen Golf, der für zusätzlichen Preisdruck bei Energie und Rohstoffen sorge.
Thomé forderte weitergehende Reformen: „Das Reformpaket der Bundesregierung enthält einige richtige und längst überfällige Schritte – insbesondere beim Abbau von Bürokratie, bei Krankschreibungen und bei der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Der große wirtschaftspolitische Befreiungsschlag bleibt jedoch aus. Nach wie vor fehlen zentrale Strukturreformen, etwa bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit. Gleichzeitig sorgen höhere Steuern und weiter steigende Sozialabgaben für zusätzliche Belastungen. Deutschland bleibt damit ein Hochkostenstandort mit im internationalen Vergleich zu hohen Arbeits- und Abgabenkosten. Das bremst Investitionen, schwächt die Wettbewerbsfähigkeit und kostet Wachstum.“ Entscheidend sei nicht die Ankündigung neuer Maßnahmen, sondern deren schnelle und verlässliche Umsetzung. „Deutschland braucht jetzt ein wirtschaftspolitisches Aufbruchsignal, das wieder Lust auf Leistung, Arbeiten, Investieren und Gründen macht. Denn Wachstum entsteht vor allem durch Menschen und Unternehmen, die Verantwortung übernehmen, Risiken eingehen und unternehmerisch handeln. Nur wenn Vertrauen, Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zurückkehren, werden Unternehmen wieder verstärkt investieren, Arbeitsplätze schaffen und Innovationen vorantreiben. Genau diese Dynamik braucht unser Land, um Wohlstand und Beschäftigung dauerhaft zu sichern“, so Thomé.




