Die wirtschaftliche Situation im Saarland hat sich zum Jahresende deutlich verschlechtert. Eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) unter 300 Unternehmen mit mehr als 100.000 Beschäftigten zeigt, dass die Stimmung in der Wirtschaft so schlecht ist wie zuletzt während der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Der IHK-Lageindikator fiel im Dezember um 2,8 Punkte auf minus 5,6 Zähler – den niedrigsten Stand des Jahres.
Besonders betroffen sind die wichtigsten Industriebereiche des Saarlandes. Die Stahl- und Automobilindustrie leiden unter enormem Veränderungsdruck und verschärftem Wettbewerb. Auch die Logistikbranche verzeichnet deutliche Einbußen. Aktuell beurteilen nur 20 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, während 26 Prozent von schlechten Geschäften berichten. Die Mehrheit von 54 Prozent bezeichnet die Lage als befriedigend.
Die Zukunftsaussichten sind noch düsterer: Der IHK-Erwartungsindikator sank um 1,7 Punkte auf minus 15,5 Zähler. Lediglich sechs Prozent der Unternehmen rechnen in den nächsten sechs Monaten mit einer Verbesserung, während 21 Prozent eine weitere Verschlechterung erwarten. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé warnt eindringlich: „Die Konjunktur an der Saar kommt nicht vom Fleck – und sie droht weiter abzurutschen.“ Er kritisiert hohe Standortkosten, überbordende Bürokratie und schwache Nachfrage als Hauptprobleme.
Positive Ausnahmen gibt es kaum: Nur die IT-Branche meldet gute Geschäfte. Banken, Versicherungen und das Gastgewerbe kommen auf befriedigende Ergebnisse. Im Handel führt die allgemeine Kaufzurückhaltung zu gemischten Resultaten. Besonders schwierig ist die Situation für energieintensive Gießereien, die mehrheitlich schlechte Geschäfte melden.
Thomé fordert von der Politik einen grundlegenden Richtungswechsel: „Die Politik muss endlich konsequent in den Gestaltungsmodus wechseln – mit Strukturreformen, die die Angebotsseite stärken und private Investitionen wieder lohnend machen.“ Er verlangt konkreten Bürokratieabbau, niedrigere Steuern und Sozialabgaben. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung bezeichnet er als „enttäuschend“ und warnt: „Wenn jetzt nicht entschieden nachgelegt wird, verspielen wir Wachstum – und am Ende Arbeitsplätze.“




