Nach etwa 75 Jahren endet die Produktion von Melfor-Essig und Amora-Senf am Standort St. Ingbert-Rohrbach im Saarland. Seit Ende März laufen keine Maschinen mehr in dem Traditionswerk, das Gebäude steht zum Verkauf. Für Liebhaber der regionalen Produkte gibt es unterschiedliche Nachrichten.
Der beliebte Amora-Senf wird weiterhin erhältlich sein, allerdings nicht mehr als Regionalprodukt aus dem Saarland. Die Produktion übernimmt vollständig das französische Mutterwerk. „Den Amora-Senf gibt es künftig nicht mehr als Regionalprodukt“, bestätigt die Betriebsleiterin des Rohrbacher Standorts. Das Rezept bleibe jedoch unverändert. Verbraucher könnten noch längere Zeit Tuben mit saarländischer Adresse in den Regalen finden, da Händler Vorräte angelegt haben und Verpackungen vorproduziert wurden.
Bei den Essigprodukten sieht die Situation anders aus. Der dunkle „Melfor Traditionell“ aus dem Saarland wird durch „Melfor Original“ aus dem Elsass ersetzt. Trotz ähnlicher Grundzutaten – Essig, Honig und Kräuter – handelt es sich um verschiedene Rezepturen und Herstellungsverfahren. „Er sieht etwas anders aus und es gibt durchaus Leute, die einen Unterschied schmecken“, erklärt die Werksleiterin.
Wer noch Restbestände des saarländischen Melfors ergattern möchte, hat gute Chancen auf lange Haltbarkeit. Die Essigwürze – mit 3,8 Prozent Säuregehalt liegt sie unter den für Essig erforderlichen fünf Prozent – ist äußerst haltbar. „Der Älteste, den ich mal gefunden habe, war von 1997 und der war noch gut“, verrät die Betriebsleiterin. Allerdings könne sich durch Honig und Kräuterauszüge ohne Konservierungsstoffe eine Essigmutter bilden, die zwar unschädlich, aber optisch unappetitlich sei.
Die Schließung erfolgte nicht aus wirtschaftlichen Gründen. Umsätze seien stabil gewesen, Kundentreue und Nachfrage gut. Noch vor wenigen Jahren stand eine Standorterweiterung zur Diskussion. Ausschlaggebend für die Verlagerung war die deutlich effizientere Produktion in Frankreich. „Die Maschinen in Frankreich sind vollautomatisch von A bis Z. Die können an einem Tag machen, was wir in einer ganzen Woche gemacht haben“, so die Werksleiterin.
Von einst 30 Mitarbeitern in Spitzenzeiten arbeiteten zuletzt noch etwa 15 Personen im Rohrbacher Werk. Der Melfor-Schriftzug am Gebäude in der Industriestraße ist bereits entfernt. Eine Wiederaufnahme der Essig- und Senfproduktion durch neue Eigentümer erscheint unwahrscheinlich, da Melfor die eigenen französischen Produkte auf dem deutschen Markt etablieren will.



