Die Gemeindeverwaltung Tholey übt scharfe Kritik an den Resultaten einer aktuellen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die Bewertungsmethodik des sogenannten IW-Gemeindechecks zeichne ein falsches Bild der Versorgungssituation in ländlichen Regionen, insbesondere in Tholey selbst.
Andreas Maldener, Bürgermeister der Gemeinde, bemängelt die Vorgehensweise der Studie. Die angewandten Bewertungskriterien und Erreichbarkeitsstandards orientierten sich an städtischen Ballungsgebieten und benachteiligten systematisch ländliche Flächengemeinden. „Wer ländliche Gemeinden mit den Maßstäben von städtischen Räumen misst und Nähe zu diesen als maßgeblich ansieht, kommt zwangsläufig zu solchen verzerrten Ergebnissen“, erklärt Bürgermeister Andreas Maldener.
Die Bewertungskriterien konzentrierten sich auf kurze Wege, hohe Infrastrukturdichte und die direkte Nähe zu überregionalen Verkehrsverbindungen. Diese Anforderungen könnten Gemeinden in Ballungsräumen leichter erfüllen als ländliche Regionen. Die geografische Struktur Tholeys mit 57 Quadratkilometern Fläche und neun verteilten Ortsteilen finde dabei keine angemessene Berücksichtigung. Im Vergleich zu kompakteren Nachbargemeinden wie Oberthal (23 km²) oder Marpingen (39 km²) müsse Tholey seine Infrastruktur über größere Distanzen verteilen. „Wir versorgen nicht einen kompakten Ortskern, sondern neun eigenständige Ortsteile mit unterschiedlichen Bedürfnissen“, betont Bürgermeister Andreas Maldener.
Die Verwaltung verweist auf die umfangreiche Versorgungsinfrastruktur der Gemeinde. Diese umfasst fünf Hausarztpraxen, mehrere Facharztpraxen, vier klassische Nahversorger, zwei digitale Supermärkte und einen zusätzlichen lokalen Nahversorger. Für die Mobilität sorgen ein ehrenamtlich betriebener Bürgerbus sowie eine Schnellbusverbindung nach Saarbrücken. Bei der Kinderbetreuung stehen vier gemeindeeigene und zwei weitere Kindertagesstätten zur Verfügung. Zwei Grundschulen bieten freiwillige Ganztagsbetreuung an.
Das ehrenamtliche Engagement der Bürger hebt der Bürgermeister besonders hervor. Vereine, Feuerwehren, soziale Initiativen und kulturelle Angebote würden durch den freiwilligen Einsatz der Einwohner ermöglicht. Überregionale Anziehungspunkte wie das Erlebnisbad Schaumberg mit 240.000 Gästen im vergangenen Jahr, die Abtei Tholey mit den Fenstern von Gerhard Richter und der Schaumberg als Landmarke ergänzten das Angebot. „Gerade der Zusammenhalt und das ehrenamtliche Engagement sind eine der größten Stärken unserer Gemeinde“, betont Bürgermeister Andreas Maldener.
Als Beleg für die wirtschaftliche Attraktivität führt die Gemeinde die kürzliche Ansiedlung der FRICKE-Gruppe im Industrie- und Gewerbegebiet BAB 1 an. Diese Investition zeige, dass Unternehmen die Vorteile ländlicher Standorte erkennten. Die Studie messe zudem nur innerhalb der Gemeindegrenzen, während die Bewohner im ländlichen Raum auch Angebote in benachbarten Orten wie der Kreisstadt St. Wendel nutzten. „Unsere Bürgerinnen und Bürger erwarten keine U-Bahn im Fünf-Minuten-Takt vor der Haustür. Entscheidend ist vielmehr, ob Versorgung im Alltag funktioniert – und das tut sie in Tholey“, so Bürgermeister Andreas Maldener weiter.
Maldener warnt vor den gesellschaftlichen Auswirkungen negativer Rankings. Die einseitige Darstellung ländlicher Räume als rückständig könne Frustration fördern und das Vertrauen in demokratische Institutionen schwächen. „Wer den Menschen im ländlichen Raum ständig vermittelt, sie lebten angeblich in den schlechtesten Gemeinden Deutschlands, obwohl ihr Alltag funktioniert und ihre Heimat lebenswert ist, stärkt am Ende vor allem antidemokratische Kräfte“, warnt Bürgermeister Andreas Maldener. Trotz bestehender Herausforderungen beim Mobilfunkausbau und der Glasfaserversorgung lehne die Gemeinde pauschale Negativbewertungen ab, die die tatsächlichen Stärken und die hohe Lebensqualität ausblendeten.





