„Wald der Zukunft“

Bürgerinitiative „Wir für den Wald“ stellt Zukunftskonzept für St. Wendeler Stadtwald vor

Foto: Müller G.

Vor rund 80 Bürgern stellte die Bürgerinitiative „Wir für den Wald“ mit dem Referenten Martin Levin von der Naturwaldakademie das Zukunftskonzept für den St. Wendeler Stadtwald vor. Ihre Sprecherin Nicole Brill wies in ihrer Eröffnungsrede darauf hin, dass wir auf den Rohstoff Holz nicht verzichten können und daher angesichts des Klimawandels eine Methode benötigen, die den Wald langfristig gesund und nutzbar erhält. Aus diesem Grund präferiert die BI für unseren Stadtwald St. Wendel das Lübecker Modell, also die Waldnutzungsmethode der Stadt Lübeck. „Es erfüllt für uns alle Kriterien, den Wald langfristig nutzbar, gesund und wirtschaftlich rentabel zu erhalten.“ Martin Levin, ehemaliger Revierleiter der Stadt Göttingen, der das Lübecker Modell jahrelang im Göttinger Stadtwald praktizierte, stellte klar: Der Klimawandel zwingt uns zum Umdenken. Er schreitet schneller voran als gedacht.

Ein „Weiter so“ wäre angesichts der Datenlage fahrlässig. Nach den Fichten geraten nun die Buchen in bisher nicht gekanntem Ausmaß unter Stress. Dies ist aber alles nur der Anfang. Kommen die vorhergesagten 1,6 Grad oder gar die 2 Grad Klima-Erwärmungfür Deutschland, sieht es mit dem Wald düster aus. Dürreperioden wie die der vergangenen drei Jahre kommen dann häufiger. Für die heimischen Laubbäume ist das ein großes Problem. Aber auch die Trinkwasserspeicher geraten dann unter Druck.Jetzt ist die Zeit noch gegeben, um gegen zu steuern und die Weichen für einen nachhaltigeren Waldschutz zu stellen. Da die 1,6 Grad-Klimaerwärmung so gut wie sicher ist, ist eine Abkehr von den altherkömmlichen, bisherigen Forstmethoden unerlässlich. Temperaturen um die 40 Grad im Sommer sind dann keine Seltenheit. Daher gilt es nun, die Kronendecke geschlossen zu halten, um Kühle und Feuchte im Wald zu behalten. Da auch bei diesem Konzept eine Holzernte gewünscht ist, werden die Bäume auch hier als Rohstoff genutzt. Sie dürfen nur länger wachsen und älter werden. Es macht mehr Sinn, die dickeren und wertvolleren Bäume zu fällen, anstatt die kleinen, dünneren Bäume zu ernten und damit den Wald immer schwächer und anfälliger werden zu lassen. In der Fachsprache heißt dies: Die Zielstärke der Bäume erhöhen. Die Ernte der Bäume erfolgt dann in Einzelstammentnahme, was den Wald zusätzlich stärkt. Es fällt der waldschädliche Termindruck weg. Nach einer Übergangsphase steigt die wirtschaftliche Rentabilität, denn die wertvolleren und qualitativ höherwertigeren Stämme erzielen z. T. wesentlich höhere Verkaufspreise. Zuletzt muss besonders dem Waldboden eine größere Bedeutung beigemessen werden. Das bisherige Befahren mit schweren Erntemaschinen zerstört den Waldboden bis auf weiteres. Untersuchungen haben gezeigt, dass nach 35 Jahren nur die ersten 15 cm von insgesamt 2m Verdichtung des Bodens in die Tiefe sich wieder erholt haben. Man geht davon aus, dass eine vollständige Regeneration erst nach 500 – 600 Jahren stattfindet.

Im Gegensatz zum bisherigen „normalen“ Wirtschaftswald, wo der Mensch denkt alles kontrollieren und lenken zu müssen, steht im Lübecker Modell der Grundsatz im Vordergrund: Ökonomie durch Ökologie langfristig erhalten. Das heißt: Nur durch einen intakten und stabilen Wald kann langfristig der Wald wirtschaftlich rentabel bleiben. Da, wo es geht, die Natur machen lassen! Die BI „Wir für den Wald“ möchte mit der Veranstaltung einen „Startschuss für einen konstruktiven Dialog“ setzen. „Wir möchten einen positiven Beitrag leisten für einen klimaresistenten und damit

langfristig ertragreichen Wald.“, so die Sprecherin Nicole Brill während der Veranstaltung. „Machen wir uns jetzt auf den Weg! Worauf warten wir? Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Das von Martin Levin vorgestellte Waldnutzungskonzept wird im Staatswaldgebiet des Reviers Eppelborn/Quierschied bereits seit 25 Jahren angewandt. Freundlicherweise hat der an der Infoveranstaltung anwesende Revierförster Roland Wirtz (SFL) eine Besichtigung in seinem Revier angeboten. Diese Waldexkursion stellt damit eine praktische Ergänzung zum ersten Veranstaltungsteil dar. Die Unterschiede zu einem „normalen“ Wirtschaftswald können hier in natura angeschaut werden. Die Waldexkursion findet am 13.11.21 um 09.30 Uhr statt. Treffpunkt ist die Lauftreffhütte am Friedhofsparkplatz in Quierschied (Friedhof Quierschied, Holzer Str./L262). Um Voranmeldung wird gebeten: wirfuerdenwald@gmx.de

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