Das ehrenamtliche Engagement erfährt in unserer Gesellschaft seit jeher eine grundlegende Wertschätzung. Die Anerkennung herausragender Persönlichkeiten in diesem Bereich dient nicht nur als Lob für ihre Verdienste, sondern erfüllt auch eine Vorbildfunktion, die andere zur positiven Nachahmung anregen kann. Angesichts der Relevanz dieses Themas hat die Kreisstadt St. Wendel beschlossen, das Instrument der Bürgerehrung wieder verstärkt zu nutzen und Personen mit außergewöhnlichen Verdiensten in unserer Stadt hervorzuheben.
Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts gemäß § 23 Abs. 1 KSVG stellt dabei die höchste und bedeutsamste Auszeichnung dar, die die Stadt in diesem Kontext vergeben kann. In der Vergangenheit haben St. Wendeler Ehrenbürger die Stadt maßgeblich geprägt und positiv mitgestaltet. In diesem Jahr sollen drei Bürger für ihre hervorragenden Verdienste dieses Ehrenbürgerrecht erhalten, das hat der St. Wendeler Stadtrat in seiner gestrigen Sitzung am 17. November 2023 beschlossen.
Diese Auszeichnung ist nicht allein als Dank für Vergangenes zu verstehen; sie soll auch als Ansporn für zukünftige Aktivitäten dienen. Die Geehrten werden hoffentlich weiterhin das ehrenamtliche Engagement in St. Wendel unterstützen und andere dazu inspirieren, es ihnen gleichzutun.
Zur feierlichen Verleihung des Ehrenbürgerrechts plant die Kreisstadt St. Wendel einen Empfang im angemessenen Rahmen.
Klaus Bouillon: Ein Leben im Dienst der Stadt St. Wendel
Klaus Bouillon, langjähriger Bürgermeister der Kreisstadt St. Wendel von 1983 bis 2014 und anschließend Minister für Inneres, Bauen und Sport bis April 2022, genießt einen hohen Bekanntheitsgrad in der Region. Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Klaus Bouillon ist das Ergebnis zahlreicher und offensichtlicher Verdienste, die sein langjähriges Wirken prägten.
In seiner Amtszeit als Bürgermeister setzte er entscheidende Impulse im Bereich der Stadtsanierung, wobei fast 80 % der Innenstadt unter seiner Leitung erneuert oder verändert wurden. Die markante Bepflasterung der Fußgängerzone, gemeinsam mit dem verstorbenen Ehrenbürger Leo Kornbrust ausgearbeitet, ist ein sichtbares Ergebnis dieser Bemühungen.
Besonders prägend war Bouillons Beitrag zur Konversion des ehemaligen Französischen Kasernengeländes ab 1999, ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche und touristische Entwicklung St. Wendels. Der daraus entstandene Wanderweg und der Golfplatz sind mittlerweile regionale touristische Markenzeichen.
In seiner Amtszeit festigte Klaus Bouillon die Beziehungen zur französischen Garnison in St. Wendel und trug aktiv zur deutsch-französischen Freundschaft bei. Die Städtepartnerschaft mit Balbriggan/Irland im Jahr 2007, von ihm initiiert, manifestierte sich in Besuchen auf Stadtrats- und County-Council-Ebene sowie in sportlichen Austauschen.
Bouillon etablierte St. Wendel als Sportstadt weit über die saarländischen Grenzen hinaus, sei es durch Radsport, Motorsport, Laufevents oder andere sportliche Veranstaltungen. Auch soziale Anliegen waren ihm wichtig, wie die Schaffung der „Arbeitsmarkt-Initiative Stadt St. Wendel e. V. – ArbIW“ zeigt, die später in Kooperation mit dem Arbeiter-Samariterbund zur ArbIW gGmbH wurde und die Integration benachteiligter Personen in den Arbeitsmarkt förderte.
Neben all diesen Verdiensten bleibt die ausgeprägte Bürgernähe Bouillons im Gedächtnis. Er hatte stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger und betrachtete sein Amt nicht als Beruf, sondern als Berufung.
Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Klaus Bouillon sei laut Stadtverwaltung somit eine angemessene Wertschätzung für sein Lebenswerk, das stets dem Wohle der Stadt St. Wendel galt und weiterhin gilt.
Gerhard Koepke: Sozialer Wegbereiter und Förderer der Wohlfahrtspflege in St. Wendel
Gerhard Koepke, geboren 1952 und ehemaliger Superintendent und Pfarrer, prägte fast drei Jahrzehnte lang die Stadt St. Wendel mit außerordentlichem Einfühlungsvermögen und Engagement. Seine Initiativen erstreckten sich weit über den kirchlichen Kernbereich hinaus und haben bis heute anhaltende Wirkung.
Hervorzuheben ist Koepkes bedeutender Beitrag im Bereich der Wohlfahrtspflege zugunsten benachteiligter Personen. Sein Wirken zeigt sich beispielhaft in der Hospizarbeit als Vorsitzender der Christlichen Hospizhilfe und seiner Rolle in der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Saarland. Zudem engagierte er sich als stellvertretender Vorsitzender im Verein „Arbeitsmarkt-Initiative Stadt St. Wendel e.V.“ für die Eingliederung sozial Benachteiligter in den Arbeitsmarkt. Seine Vorstandstätigkeit bei der Lebenshilfe St. Wendel e.V. und sein Sachverstand im Beirat der Herzogin-Luise-Stiftung unterstreichen sein breites soziales Engagement.
Mit seiner mediativen Art führte Koepke auch anspruchsvolle Projekte erfolgreich durch, darunter das Wohnbauprojekt „Oberthaler Straße“ in den 90er Jahren, realisiert in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bürgermeister Klaus Bouillon. Dieses Projekt schuf 10 Wohnungen für sozial Benachteiligte. Ebenso begleitete er das Projekt des KiTa-Neubaus der Gesamtkirchengemeinde St. Wendel im Jahr 2019.
Besonders hervorzuheben sind sein Einsatz für die Demokratie als Vorsitzender des Adolf-Bender-Zentrums, seine Mitarbeit im Beirat der Dr. Walter-Bruch-Stiftung (Museum im Mia-Münster-Haus in St. Wendel) sowie seine vielfältigen Vereinstätigkeiten.
Durch sein vielfältiges Wirken hat Gerhard Koepke bleibende Maßstäbe in der Vermittlung von Werten in unserer Stadt gesetzt und gilt als Fürsprecher des bürgerschaftlichen Engagements, das er vorbildhaft vorlebt.
Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde sei auch für ihn laut Stadtverwaltung eine angemessene Wertschätzung für sein Lebenswerk und seine kontinuierlichen Bemühungen für St. Wendel.
Michael Schultheis: Förderer und Stille Kraft in St. Wendel
Michael Schultheis, geboren 1969 und Unternehmer aus St. Wendel, prägt das gesellschaftliche Leben der Stadt auf vielfältige Weise als Förderer. Sein Engagement erstreckt sich über verschiedene Bereiche, in denen er durch sein umfangreiches Netzwerk in Sport und Kultur zahlreiche kulturelle, soziale und gemeinnützige Aktivitäten unterstützt.
Zu seinen Förderprojekten gehören der Euro Youth Cup und der Talents Cup ebenso wie das internationale Leichtathletikmeeting mit Weltmeistern und die breite Unterstützung von Vereinstätigkeiten. Dazu zählen auch Veranstaltungen wie Benefizkonzerte zu Weihnachten zugunsten von Einrichtungen wie dem Hospiz oder dem Förderverein „Kleine Hände“, sowie ein Inklusionsmusical der REHA GmbH.
Besonders in der schwierigen Corona-Zeit unterstützte Schultheis verschiedene Künstler, damit diese trotz Pandemie ihre künstlerische Tätigkeit fortsetzen konnten. Ein weiteres Herzensprojekt war die Zukunft des St. Wendeler Missionshauses, das nach der Schließung des Arnold-Janssen-Gymnasiums aufgegeben werden sollte. Durch Schultheis‘ Einsatz eröffneten sich Möglichkeiten für die städtebauliche Entwicklung dieses prägenden Areals.
Als Business Angel fördert Michael Schultheis Startups im Stadtgebiet St. Wendel, unterstützt so Unternehmensgründungen und junge innovative Unternehmer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit.
Weniger bekannt ist sein Engagement für Kinder in Afrika und die Unterstützung sozialer Projekte über die Grenzen von St. Wendel hinaus.
Schultheis übt seinen Gemeinsinn eher zurückhaltend aus und wird als stiller Bürger im Hintergrund geehrt, der mit besonderer Verbundenheit zu seiner Stadt für das Gemeinwesen gewirkt hat und somit Vorbild sein kann.
Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde ist eine entsprechende Wertschätzung für sein vielseitiges Engagement und seine stillen, aber kraftvollen Beiträge zum Wohl der Stadt.
Diskussion im Stadtrat: Kontroverse um Verleihung an alle drei Kandidaten
Die Entscheidung über die Verleihung der Ehrenbürgerrechte an Klaus Bouillon, Gerhard Koepke und Michael Schultheis sorgte im Stadtrat für kontroverse Diskussionen und unterschiedliche Standpunkte.
Jürgen Möller (SPD) betonte die Wichtigkeit der Ehrenbürgerschaft als höchste Auszeichnung für das Wohl der Stadt. Er stellte in diesem Zuge die Frage, warum gleich für drei Personen abgestimmt werden solle, da dies im Laufe von 150 Jahren lediglich sechs Mal Tradition gewesen sei. Auch Sören Bund-Becker (Grüne) mahnte zur Zurückhaltung bei der Vergabe der Ehrenbürgerschaft, um die besondere Bedeutung zu wahren. Die Entscheidung müsse sich auf die herausragendsten Personen beschränken. Sebastian Schorr (CDU) hingegen hielt die bisherige Praxis von nur sechs Ehrenbürgern in der langen Geschichte der Stadt für zu restriktiv und verwies darauf, dass andere Gemeinden häufiger ehrten.
Die Abstimmung über Bouillon und Koepke erhielt uneingeschränkte und einstimmige Zustimmung im Stadtrat. Bei Schultheis hingegen herrschte geteilte Meinung, jedoch ohne ihm seine Ehrbarkeit absprechen zu wollen. Stephan Rieth (FDP) argumentierte, Schultheis brenne für die Stadt und unterstütze vor allem im Sportbereich. Doch würde er erst in Zukunft für die Ehrung infrage kommen, sobald beispielsweise das Engagement bezüglich des Missionshauses Früchte tragen würde. Bund-Becker plädierte dafür, die Entscheidung für oder gegen die Verleihung der Ehrenbürgerrechte an Michael Schultheis zu vertagen. Die CDU sprach sich geschlossen gegen den Antrag aus.
Letztendlich wurde die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Michael Schultheis mit 13 Nein-Stimmen, 18 Ja-Stimmen (CDU geschlossen) und Enthaltungen von Linken und AfD angenommen.



