Ein geplanter Erholungsurlaub auf Madeira endete für den St. Wendeler Nachtwächter Roland Geiger und seine Frau Anne in einer mehrtägigen Irrfahrt. Was als Auszeit gedacht war, entwickelte sich durch Sturmtief „Therese“ zu einer unfreiwilligen Verlängerung mit nächtlichem Aufenthalt auf einer Metallbank am Flughafen Porto.
Die Wetterkapriolen begannen bereits am Mittwoch ihrer Reise. Zu Regen gesellten sich Graupel und Hagel, auf 1400 Metern Höhe fiel sogar Schnee. Die Fahrt im Mietwagen gestaltete sich ohne Winterreifen zu einem Abenteuer. Am Donnerstag erreichte Sturm „Therese“ die Atlantikinsel. Zahlreiche Flugzeuge mieden den Flughafen Santa Cruz an der Ostseite Madeiras komplett – Starts und Landungen wurden gestrichen.
Als sich die Wetterlage am Freitag beruhigte, erhielt das Ehepaar gegen 9.30 Uhr eine SMS von Discover Airlines: Ihr Rückflug war annulliert – ohne Angabe von Gründen. Die anschließende Suche nach Hilfe entwickelte sich zur Odyssee. Das Online-Reisebüro Sonnenklar erklärte sich für nicht zuständig, da die Reise bereits angetreten war. LMX verwies auf ein Reisebüro, dessen Mitarbeiter in Erfurt ebenfalls jede Verantwortung ablehnte. Die Notfallnummer von Discover Airlines funktionierte nur sporadisch.
Nach langem Warten erreichten die Geigers einen Mitarbeiter, der ihnen einen Alternativflug für Sonntag anbot – mit Zwischenstopp in Porto. Andere Betroffene müssten bis Dienstag oder Mittwoch auf einen Rückflug warten, hieß es. Die ungeplante Verlängerung kostete das Ehepaar 87 Euro pro Nacht für zwei zusätzliche Hotelübernachtungen, 197 Euro für die Mietwagenverlängerung und 50 Euro zusätzliche Parkgebühren in Frankfurt.
Am Samstag verbrachten sie zwei regenfreie Stunden in Funchal und beobachteten die Abfahrt eines Kreuzfahrtschiffes. Sonntagmorgen stellte sich heraus, dass auf der Flugbestätigung keine Buchungsnummer vermerkt war – ein erneuter Anruf in Frankfurt wurde nötig. Für Sitze mit mehr Beinfreiheit zahlten sie weitere 66 Euro.
Nach dem Flug von Funchal nach Porto gegen 21.30 Uhr begann der härteste Teil ihrer Reise. Um 23.30 Uhr waren im Flughafen Porto nahezu alle Geschäfte geschlossen, ein belegtes Brot kostete sie 12 Euro. Im zweiten Stock fanden sie zunächst eine leere Doppelbank, mussten aber wegen Reinigungsarbeiten auf eine Metallbank am Rand der Halle ausweichen. „Den Hut übers Gesicht, den Lärm und das Deckenlicht ausblenden, die Kälte, die durch die Metallfläche in die Hose kriecht, und das kleine schreiende Kind drei Bänke weiter ignorieren, immer wieder aufschrecken, sich etwas drehen, um den Schmerz an den Druckstellen zu lindern, ja, das könnte man ‚Schlafen‘ nennen“, beschreibt Geiger die Nacht.
Zwischen 3 und 4 Uhr erwachte der Flughafen wieder zum Leben. Ein Kaffeeautomat im Transitbereich spendete für 1 Euro Sprudelwasser – in Frankfurt hatte das Ehepaar dafür über 3 Euro bezahlt. Der ersehnte Kaffee für 3,99 Euro folgte eine Stunde später. „Mit Lufthansa zu fliegen, ist ein Genuss – und der Kaffee, hmmm“, schwärmt Geiger vom Rückflug. Die A321 startete pünktlich um 6.30 Uhr und landete nach 2 Stunden und 40 Minuten exakt nach Flugplan in Frankfurt. Nach weiteren zwei Stunden Autofahrt und einem zusätzlichen Kaffee erreichte das erschöpfte Ehepaar endlich St. Wendel.



