„Ein Jahr danach“ – Kreisbrandinspekteur Dirk Schäfer schildert Einsatz am Tag der Flutkatastrophe

(Foto: Feuerwehr St. Wendel / Dirk Schäfer)

Kreisbrandinspekteur und Leiter des Katastrophenschutzamtes im Landkreis St. Wendel Dirk Schäfer schildert zum traurigen Jahrestag der Flugkatastrophe im Ahrtal den Einsatz der Feuerwehren im Landkreis St. Wendel.

„Heute Abend, vor genau einem Jahr, nahm die Katastrophe in NRW und RLP ihren Lauf. Bereits einige Tage zuvor warnten die Wetterdienste vor erheblichen Niederschlägen. Auch für unseren Landkreis wurden entsprechende Warnungen ausgesprochen. Intern wurden, wie in solchen Lagen üblich, organisatorische Vorbereitungen getroffen um beim Eintreffen der Vorhersagen gewappnet zu sein und zeitnah reagieren zu können.“

Nur durch sehr viel Glück sei der Landkreis St. Wendel von der Unwetterfront verschont geblieben. und am frühen Abend sei absehbar gewesen, dass das Unwetter hier bei uns kein größeres EInsatzgeschehen fordern würde. „Daher konnten wir die Hilfeanfrage aus Bitburg positiv bescheiden und gegen 22:00 Uhr mit der taktischen Einheit „Sandsackfüllanlage“ ausrücken“, beschreibt er.

Ziel war der ehemalige Flughafen. Dort wurde die Sandsackfüllanlage stationiert und gemeinsam mit Einheiten des THW aus den Landkreisen St. Wendel und MZG-Wadern betrieben. In den frühen Morgenstunden wurde dann eine Teileinheit mit dem neu angeschafften Teleskoplader des Katastrophenschutzes zum Einsatz in den Stadtteil Stahl beordert.
„Dort wurden wir dann erstmals mit den verheerenden Folgen der Niederschläge konfrontiert. Ganze Straßenzüge waren von den Wassermassen umgeben und Bewohner in ihren Häusern eingeschlossen. Mit Hilfe des Teleskopladers konnten sechs Menschen an diesem Morgen gerettet werden. Wenige Stunden später wurden wir aus dem Einsatz ausgelöst und konnten die Heimreise antreten.“
Kaum zu Hause angekommen erreichte sie der Hilferuf der Einsatzleitung aus Trier. Gemeinsam mit der Rettungseinheit des DLRG rückten sie dann in das Unglücksgebiet im Bereich Kordell aus. Auch dort mussten mit den mitgebrachten Booten Menschen aus den Wohnhäusern gerettet oder versorgt werden.
Dann folgten mehrere Hilfeleistungsanfragen des Landes Rheinland Pfalz für das Gebiet Ahrtal unter anderem an das saarländische Innenministerium. Auch Einheiten der Feuerwehren aus unserem Landkreis wurden abgerufen.
„Wir hatten zwar Berichte aus den Lagemeldungen, Medien und sozialen Netzwerken über die Entwicklung verfolgt. Aber dennoch war das, was uns vor Ort begegnete nicht zu erwarten und mit Worten oder Bildern weder zu beschreiben noch zu transportieren“, schildert Schäfer das verheerende Ausmaß der Flutkatastrophe.
„Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, aber auch den bloßen Händen, wurde den Menschen versucht Hilfe zu leisten. Jedoch leider nicht immer mit Erfolg. Insgesamt verloren 134 Menschen ihr Leben. Unter Ihnen auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren. Der Einsatz für die Feuerwehren konnte am 28. Juli beendet werden. Die Kameradinnen und Kameraden von THW, DLRG, DRK, Malteser und Notfallseelsorge verblieben noch weitere Zeit im Einsatzgebiet Ahrtal.“
Noch heute machen sich zahlreiche Helfer aus den Hilfsorganisationen privat auf den Weg ins Katastrophengebiet zur Unterstützung beim Wiederaufbau. „Die Katastrophe hat bei uns allen bleibende Erinnerungen hinterlassen“, sagt Schäfer.
Bereits vor der Katastrophe hatte der Landkreis mit der Neustrukturierung des Katastrophenschutzes begonnen und organisatorische Strukturen geschaffen. Ebenso wurde bereits ein zentrales Lager eingerichtet. „Aber auch Lehren aus den Einsatzgebieten wurden für unseren Landkreis gezogen und erste Maßnahmen bereits umgesetzt.“ Beispielsweise konnte ein flächendeckendes Sirenenwarnsystem auf den Weg gebracht werden.
Hierfür hatten Landrat, Bürgermeister sowie Kreistag binnen kürzester Zeit die Weichen gestellt. „Somit waren wir in der Lage mit dem Arbeiten zeitnah zu beginnen. In wenigen Wochen werden alle Kommunen mit neusten elektronischen Sirenen ausgestattet sein. Eine entsprechende Öffentlichkeitskampagne wird die Inbetriebnahme begleiten.“
Ebenso wird auf Beschluss des Kreistages das Katastrophenschutzlager zu einem zentralen Katastrophenschutzzentrum ausgebaut. Wir werden über die Entwicklungen, Infrastruktur, Aufgaben und Vorsorgeplanungen weiter informieren.

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