Verein wirft Landkreis St. Wendel Vertrauensbruch vor und kämpft um letzte Museumsbahn im Saarland

Der Arbeitskreis Ostertalbahn (AkO) e.V. wehrt sich mit scharfer Kritik gegen eine Beschlussvorlage des Landkreises St. Wendel, die bei der Kreistagssitzung am 22. Juni 2026 behandelt werden soll. Darin ist vorgesehen, ein Stilllegungsverfahren für die Ostertalbahn einzuleiten und den bestehenden Pachtvertrag zu kündigen. Der Verein fordert einen sofortigen Stopp dieser Pläne und einen ergebnisoffenen Dialog mit allen Beteiligten.

Die Ostertalbahn blickt auf eine bewegte jüngere Geschichte zurück. Als die Deutsche Bahn die Strecke 1999 stilllegen wollte, gelang es dem damals neugegründeten AkO gemeinsam mit dem Landkreis, die Infrastruktur zu retten. Zum 1. Januar 2000 übernahm der Kreis die Betreiberrolle, unterstützt von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern, die sich um Betrieb und Instandhaltung kümmerten. Ab dem 1. Mai 2002 wurde ein touristischer Museumszugbetrieb etabliert, der sich laut dem Verein zu einem festen Bestandteil des Tourismus im Ostertal und dem nordöstlichen Saarland entwickelt habe – mit steigenden Fahrgastzahlen und zahlreichen Veranstaltungen. Über 26 Jahre lang habe der Landkreis regelmäßig in den Streckenerhalt investiert, während die Ehrenamtlichen dem Kreis dadurch erhebliche Kosten erspart hätten.

Besonders irritiert zeigt sich der AkO über den abrupten Kurswechsel des Landkreises. Noch bei der Saisoneröffnung 2024 habe Landrat Udo Recktenwald öffentlich für die Ostertalbahn geworben, wie ein Bericht des Saarländischen Rundfunks vom 2. April 2024 belege. Auch in der Kreistagssitzung am 30. März 2026 sei von einem ergebnisoffenen Prozess die Rede gewesen, bei dem ein Weiterbetrieb hätte geprüft werden sollen. Ein entsprechender Austausch mit dem Verein habe jedoch nie stattgefunden. Stattdessen offenbare sich, dass ein beauftragtes Gutachten einer Anwaltskanzlei allein dem Zweck gedient habe, die Strecke loszuwerden und das Bahnhofsgelände in Schwarzerden für den Rüstungskonzern KNDS bereitzustellen.

Dabei habe ein gemeinsames Treffen am 22. Mai 2026 mit Vertretern von KNDS Deutschland Maintenance, der Strukturholding Saar und dem Landkreis ein anderes Bild ergeben. Die KNDS habe dabei klar mitgeteilt, dass eine Umnutzung des Bahnhofsgeländes derzeit nicht aktiv weiterverfolgt werde. Aufgrund zeitlicher Einschränkungen plane man mit alternativen saarländischen Flächen in direkter Umgebung des bestehenden Werkes. Dass der Landkreis dennoch weiterhin die KNDS-Nutzung als Begründung anführe, sei aus Sicht des Vereins mehr als unverständlich.

Der AkO kritisiert zudem, dass die Beschlussvorlage den Museumszugbetrieb mit keinem Wort erwähne und die Folgen für den Tourismus und das kulturelle Angebot vollständig ignoriere. Im Gegensatz zu anderen touristischen Projekten wie dem Bostalsee werde der Mehrwert der Ostertalbahn missachtet. Die Bahn sei als letzte im Saarland in Betrieb genommene Strecke ein Stück Zeitgeschichte und Zeugnis saarländischer Industriekultur – und zugleich die einzige betriebsbereite Museumsbahn des Bundeslandes.

Der Verein räumt ein, dass die Brücken der Strecke rund 90 Jahre alt seien. Er kritisiert jedoch scharf, dass mit Vermutungen über möglicherweise anstehende Sanierungen versucht werde, die Bahn schnellstmöglich abzuwickeln – ohne dass konkrete Zahlen zu notwendigen Maßnahmen vorlägen. Auch in der Beschlussvorlage fehlten diese. Angesichts der angestrebten Mobilitätswende und der Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene sei es der grundfalsche Ansatz, leistungsfähige Bahnstrecken stillzulegen, während andernorts im Saarland Schienenwege reaktiviert würden. Der Kreistag verbaue damit sehenden Auges jede Chance auf einen künftigen planmäßigen Bahnbetrieb. Niemand könne derzeit vorhersagen, ob nicht Firmen im entstehenden Gewerbegebiet in wenigen Jahren froh über einen funktionierenden Bahnanschluss wären.

Der Vereinsvorstand sieht in dem Vorgehen des Kreises einen offenen Vertrauensbruch. Der AkO werde weder über geplante Entscheidungen informiert noch auf Augenhöhe in die Diskussion einbezogen. Dr. Philipp Schepper, Erster Vorsitzender des AkO, erklärte im Namen des gesamten Vorstands, der Verein fühle sich von den vorgeschlagenen Beschlüssen verraten. Eine einst fruchtvolle Partnerschaft werde einseitig durch den Kreis gebrochen. Das Verhalten des Landkreises sei ein offener Schlag ins Gesicht der unzähligen Ehrenamtlichen – und das von einem Kreis, der an anderer Stelle hauptamtlich das Ehrenamt fördere. Sollten die Pläne umgesetzt werden, sei das Schicksal der Ostertalbahn nach fast 90 Jahren Eisenbahngeschichte im Ostertal endgültig besiegelt.

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