Stilllegung der Ostertalbahn: Grüne kritisieren Kreistag und warnen vor unumkehrbaren Folgen

Die Grünen im Kreis St. Wendel haben sich mit deutlichen Worten gegen den geplanten Kreistagsbeschluss zur Einleitung eines Stilllegungsverfahrens für die Ostertalbahn gewandt. Besonders scharf fällt die Kritik am Umgang mit dem Arbeitskreis Ostertalbahn aus, der offenbar nicht einmal über den geplanten Beschluss informiert worden sei.

„Es ist völlig unverständlich, dass ein solcher, über die Zukunft der Ostertalbahn entscheidender Beschluss in den Kreistag eingebracht wird, ohne den Arbeitskreis Ostertalbahn darüber auch nur zu informieren“, erklärt der Kreisvorsitzende Sören Bund-Becker. „Seit 25 Jahren engagieren sich dort Ehrenamtliche mit großem Einsatz für den Erhalt und Betrieb der Strecke. Dieses Engagement einfach zu übergehen, ist ein fatales Signal, auch für das gesamte Ehrenamt im Landkreis.“

Mit einer Stilllegung stünde nach Ansicht der Grünen nicht nur das Ende einer Bahnstrecke bevor, sondern auch der Verlust eines touristischen Angebots. Die Museumsbahn ziehe seit Jahren Besucherinnen und Besucher an, insbesondere die Sonderzüge erfreuten sich großer Beliebtheit. Darüber hinaus warnt die Partei davor, die strategische Bedeutung der Trasse leichtfertig aufzugeben. Auch wenn das Rüstungsunternehmen KNDS derzeit keinen Bedarf an Schienengüterverkehr angemeldet habe, könnte der Gleisanschluss angesichts der aktuellen Sicherheitslage künftig wieder für den Gütertransport relevant werden. Eine einmal stillgelegte Strecke zurückzugewinnen, sei in der Praxis äußerst schwierig und kostspielig.

Auch die Argumentation, dass Flächen entlang der Strecke dringend benötigt würden, überzeugt die Grünen nicht. „Bislang ist nicht nachvollziehbar dargelegt worden, dass diese Flächen akut und zwingend benötigt werden. Es stehen genügend andere Flächen zur Verfügung, dies wurde auch von Vertreter:innen der KNDS so kommuniziert. Hier entsteht der Eindruck, dass Fakten geschaffen werden sollen, bevor der tatsächliche Bedarf belastbar belegt ist“, so Julian Bonenberger, Mitglied des Kreisvorstands.

Erhebliche Zweifel äußern die Grünen zudem an den derzeit kursierenden Kostenschätzungen für eine Brückensanierung. Belastbare Erkenntnisse lägen erst mit dem Gutachten der nächsten großen Brückenprüfung vor, die für das Jahr 2030 vorgesehen sei. „Wer heute auf Basis unsicherer Zahlen und ohne vollständige Prüfung unumkehrbare Entscheidungen trifft, handelt fahrlässig. Die Stilllegung der Ostertalbahn darf nicht im Schnellverfahren beschlossen werden“, betont Bund-Becker.

Die Grünen fordern deshalb, nicht voreilig in das Stilllegungsverfahren einzusteigen. Seien die Verträge erst einmal gekündigt und das Verfahren eingeleitet, sei eine Umkehr nur sehr schwer möglich.

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