854 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben im vergangenen Jahr die Lebensberatung des Bistums Trier in St. Wendel aufgesucht. Weitere 94 Personen nahmen an Elternkursen, offenen Sprechstunden und Weiterbildungen teil. Das geht aus dem nun vorgestellten Jahresbericht 2025 hervor. An der Spitze des Beraterteams gab es einen Wechsel: Andreas Reichert übernahm die Leitung von Theresia Wagner, die in den Ruhestand ging.
Bei den 276 beratenen Kindern und Jugendlichen zählten emotionale Belastungen durch Trennung und Scheidung der Eltern, Partnerschaftskonflikte und sonstige Problemlagen der Eltern, Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten sowie Erschöpfung und Überlastung zu den häufigsten Beratungsgründen. Mehr als die Hälfte von ihnen – 50,7 Prozent – lebte nicht mehr in der Ursprungsfamilie. Erwachsene wandten sich vor allem wegen kritischer Lebensereignisse wie Verlusterlebnissen, depressiver Verstimmungen, Überlastung und Stress, familiärer Belastungen sowie gestörter Kommunikation an die Beratungsstelle. Die durchschnittliche Beratungsdauer betrug 8,77 Stunden.
Neben der Einzelberatung bot das Team das Elterntraining „Liebevoll und kompetent“ an, bei dem Eltern lernen, Alltagsprobleme auf liebevolle Art zu lösen. Außerdem gab es eine Gruppenförderung für lese- und rechtschreibschwache Kinder sowie Schulungen und Fortbildungen zur Prävention sexuellen Missbrauchs. Diese zusätzlichen Angebote wurden vom Bistum Trier als Mehrstunden finanziert, sodass die regulären Beratungsleistungen in vollem Umfang erhalten blieben.
Ein besonderer Schwerpunkt des Jahresberichts liegt auf der Beratung hochstrittiger Eltern. Häufig seien die Konflikte zwischen den Elternteilen bereits stark eskaliert und die Bereitschaft zur Veränderung begrenzt. Beratungsangebote würden zum Teil im Kontext gerichtlicher Verfahren strategisch genutzt, um dem anderen Elternteil mangelnde Kooperationsbereitschaft zuzuschreiben. Da die Mitarbeit der Eltern auf Freiwilligkeit beruhe, könnten die Berater keine verbindlichen Vorgaben durchsetzen. Gleichzeitig erwarteten Gerichte und Jugendämter von der Beratung eine Deeskalation. Eine enge Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Familiengerichten sei daher notwendig, um stabile Rahmenbedingungen zu schaffen und das Kindeswohl zu sichern.
Die Gesamtkosten der Beratungsstelle beliefen sich auf rund 369.900 Euro. Davon trug der Landkreis St. Wendel 65,2 Prozent, das Bistum Trier 34,8 Prozent. Insgesamt wendete das Bistum im Jahr 2025 rund 3,49 Millionen Euro für seine 20 Beratungsstellen im Saarland und in Rheinland-Pfalz auf. Hinzu kamen Landes- und Kommunalzuschüsse von insgesamt rund 4,57 Millionen Euro. Die 20 Standorte erbrachten 10.595 Beratungsleistungen und erreichten damit 22.855 Personen.
Die Beratung ist für Hilfesuchende kostenfrei. Die Beratungsstelle hat ihren Sitz in der Werschweilerstraße 23 in St. Wendel und ist telefonisch unter (06851) 4927 sowie per E-Mail unter sekretariat.lb.st.wendel@bistum-trier.de erreichbar. Weitere Informationen gibt es unter www.st-wendel.lebensberatung.info.





