Wohnungsmarkt verdrängt Junge und Alte aus dem Kreis St. Wendel

Foto: IG BAU | Nils Hillebrand

Die Wohnungssituation im Kreis St. Wendel trifft besonders junge Menschen in Ausbildung und künftige Rentner hart. Von den etwa 1.260 Auszubildenden im Landkreis leben viele noch im Elternhaus – häufig unfreiwillig, da sie sich keine eigene Unterkunft leisten können. Dies geht aus dem aktuellen „Sozialen Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts hervor, den die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mitbeauftragt hat.

Die Bezirksvorsitzende der IG BAU Saar-Trier, Ute Langenbahn, sieht darin eine ernsthafte Gefahr für die regionale Wirtschaft: „Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können.“ Sie mahnt eindringlich: „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlaufen.“

Als Lösungsansatz schlägt die Gewerkschaft vor, dass Bund und Saarland gezielt den Bau von Unterkünften für Auszubildende fördern sollten – insbesondere in der Nähe von Ausbildungsstätten. Steuerliche Anreize könnten Unternehmen motivieren, selbst für Wohnraum ihrer Lehrlinge zu sorgen. Auch Studierende seien betroffen und benötigten in Universitätsstädten spezielle Förderung für studentischen Wohnraum.

Eine weitere Problemgruppe stellen die geburtenstarken Jahrgänge dar. Etwa 13.100 sogenannte Baby-Boomer im Landkreis St. Wendel werden laut Pestel-Institut bis 2035 vollständig aus dem Arbeitsleben ausscheiden. „Viele der Baby-Boomer im Kreis St. Wendel bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet. Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm“, warnt Langenbahn.

Die Gewerkschaft fordert eine Trendwende bei der Mietentwicklung. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, betont die IG BAU-Bezirkschefin. Der Schlüssel dazu liege im verstärkten Bau von Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, so Langenbahn.

Konkrete Zahlen nennt der „Soziale Wohn-Monitor“: Bundesweit soll die Zahl der Sozialwohnungen von derzeit einer Million auf zwei Millionen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts steigen. Für das Saarland bedeutet dies: „Bis 2035 muss es im ganzen Saarland 17.600 Sozialwohnungen geben“, erklärt Langenbahn. Dies entspricht einem jährlichen Neubau von 1.500 Sozialwohnungen.

Zur Umsetzung dieser Ziele seien erhebliche Fördermittel von Bund und Land erforderlich. „Die Fördergelder des Bundes müssen dabei schon gleich zum Baubeginn bereitstehen. Sie dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden“, fordert die Gewerkschaftsvertreterin.

Um die Baukosten zu senken, empfiehlt sie den Regelstandard „Erleichtertes Bauen“. „Es geht darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten“, erläutert Langenbahn.

Zusätzlich fordert die IG BAU eine transparente Dokumentation: „Es ist wichtig, zu wissen, wo im Saarland wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind“, betont die Vorsitzende der IG BAU Saar-Trier.

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