Wirtschaftstag der Kreissparkasse St. Wendel: „Das Neue ist nicht aufzuhalten“

Der Wirtschaftstag der Kreissparkasse St. Wendel bringt immer wieder spannende Redner ins St. Wendeler Land. Gestern war der Journalist und Internetexperte Tim Cole zu Gast im St. Wendeler Saalbau und sorgte mit seinem Vortrag zum Thema „Unternehmen 2020: Verschlafen wir die digitale Zukunft?“ für einen kurzweiligen Abend. Cole ging zunächst auf drei Trends ein, die derzeit einen „perfekten Sturm“ auslösen. Durch Digitalisierung sei die Grundlage für die „Internetrevolution“ gelegt worden. Durch Vernetzung der Menschen und durch mobile Endgeräte wurden die perfekten Bedingungen für die Vollendung der Digitalisierung geschaffen. Durch Smartphones und Vernetzung sind die Menschen jederzeit für neue Geschäftsmodelle aus dem Netz  erreichbar. So surfen Jugendliche heute fast ausschließlich mit dem Smartphone im Internet und sind zusätzlich auf sozialen Netzwerken wie Facebook, WhatsApp oder Snapchat unterwegs. Das führe dazu, dass sich traditionelle Unternehmen mit Konkurrenten auseinandersetzen müssen, die ihr Geschäftsmodell angreifen ohne vor Ort sein zu müssen. Leider, so Cole, kommen diese Unternehmen und auch die großen Player des Internets, wie beispielsweise Amazon, Google, Facebook oder der Fahrdienstvermittler Uber, alle aus den USA und nicht aus Deutschland. Was natürlich dazu führe, dass auch die Wertschöpfung teilweise ins Ausland fließe. Beispielhaft nannte er Amazon. Die Plattform plane derzeit in den USA einen Dienst, der sich auf die Vermittlung von Handwerkern spezialisiere. Dadurch würde eine traditionelle Branche angegriffen und fundamental aufgewirbelt. Digitale Transformation eben. „Wenn ich Unternehmer wäre, dann würde ich mir jeden Abend anschauen, welches Startup aus dem Silicon Valley versucht, in meiner Branche tätig zu werden“, so Tim Cole. Doch was kann man als Unternehmen tun, um vom „perfekten Sturm“ nicht hinweggefegt zu werden? Zunächst sei der Staat gefordert. Denn im Internet, so Cole, herrsche derzeit eine „Wild West“ Mentalität, die es zu regulieren gilt. Wie nach der Gründung der Bundesrepublik der Kapitalismus durch den Wirtschaftsminister und späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard mit dem Konzept der Sozialen Marktwirtschaft reguliert wurde, müsse auch nun der Staat und die Gesellschaft einschreiten, um Monopolbildungen im Internet zu verhindern und fairen Wettbewerb zu schaffen. Doch das reiche laut Cole noch nicht. Auch der einzelne Unternehmer sei gefragt. Zum einen sollte man aufmerksam sein und schauen, was im Netz passiere, um reagieren zu können. Denn etablierte Unternehmen sind meist besser als Startups, die erst in der Branche Fuß fassen müssen und sich nicht so gut auskennen. Deshalb sollte man auch altes neu überdenken und sich notfalls neu erfinden, um als Unternehmen weiter bestehen zu können. Dazu gehört auch, dass man offen für Neues sein sollte. Trends sollten schnell erkannt und aufgegriffen werden. „Das Neue ist nicht aufzuhalten“, so Cole abschließend zu den Gästen im voll besetzen Saalbau.

Im Gespräch mit wndn.de äußerte sich Cole auch zur Situation des lokalen Einzelhandels, der immer stärker unter der Konkurrenz des Onlinehandels leide. „Der Onlinehandel wächst seit Jahren kontinuierlich. Das kann man bei den Umsätzen des stationären Handels nicht behaupten, denn diese schwanken meist. Wenn ich Einzelhändler wäre, würde ich dorthin gehen, wo Wachstum ist und das ist der Onlinehandel“, so Cole. Er präsentierte auch eine Studie, in der sich viele Kunden wünschten, bestellte Ware im Einzelhandel abzuholen oder umzutauschen. Tim Cole dazu: „Das kann eine große Chance sein, um die Kundenfrequenz im eigenen Laden zu erhöhen.“

Unser Buchtipp: „Digitale Transformation“ von Tim Cole, 2. Auflage 2017 (auch im stationären Buchhandel erhältlich)

Neben Cole berichtete der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Klaus-Dieter Schmitt, über die Geschäftsentwicklung der Bank. Landrat Udo Recktenwald analysierte die derzeitige ökonomische Lage des St. Wendeler Landes. Hierüber werden wir noch berichten.

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