Rund 62,7 Prozent der Abgeordneten im saarländischen Landtag haben ein Studium erfolgreich abgeschlossen. Das geht aus einer Analyse der Lernplattform Jurafuchs hervor, die die Bildungswege von 1.898 Abgeordneten in allen 16 deutschen Landesparlamenten untersucht hat.
Damit liegt das Saarland im bundesweiten Vergleich im unteren Mittelfeld. Einen geringeren Akademikeranteil weisen lediglich die Parlamente in Bremen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 59,8 Prozent sowie Sachsen mit 63,3 Prozent auf. Spitzenreiter sind Berlin mit 85,5 Prozent und Hamburg mit 82,6 Prozent.
Auffällig ist zugleich die enge Bindung der saarländischen Landespolitiker an die Hochschulen im eigenen Bundesland. Nach der Auswertung haben 78,1 Prozent der studierten Abgeordneten ihre akademische Ausbildung im Saarland absolviert. Damit gehört das Saarland bundesweit zu den Ländern mit der höchsten regionalen Verbundenheit. Im Durchschnitt blieben deutschlandweit 72 Prozent der Abgeordneten für ihr Studium im eigenen Bundesland.
Bundesweit dominieren Juristen die Landesparlamente. Insgesamt 282 Abgeordnete haben Rechtswissenschaften studiert und stellen damit die größte Gruppe unter den Akademikern. Es folgen Politikwissenschaft (118), Betriebswirtschaftslehre (100), Geschichte (40) und Lehramtsstudiengänge (38).
Die häufigste Hochschule in den Lebensläufen der Landtagsabgeordneten ist die Universität Hamburg. Dort studierten 73 der heute amtierenden Parlamentarier. Es folgen die Freie Universität Berlin (55), die Humboldt-Universität zu Berlin (53), die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (38) sowie die Universität Bonn (37).
Auch zwischen den Parteien zeigen sich Unterschiede. Den höchsten Akademikeranteil verzeichnen Bündnis 90/Die Grünen mit 81,2 Prozent, gefolgt von Die Linke (79,5 Prozent), CSU (76,5 Prozent), CDU (75,8 Prozent) und SPD (74 Prozent). Bei der AfD verfügt dagegen weniger als jeder zweite Abgeordnete über einen Hochschulabschluss.
Neben den Absolventen gibt es auch Parlamentarier ohne abgeschlossenes Studium. Bundesweit liegt die Quote der Studienabbrecher bei 2,1 Prozent. Weitere 1,2 Prozent der Landtagsabgeordneten studieren derzeit noch.
Jurafuchs-Mitgründer Dr. Carl-Wendelin Neubert betont jedoch, dass ein Hochschulabschluss allein kein Garant für gute politische Arbeit sei: „Mehr als zwei von drei Landtagsabgeordneten haben ein Studium abgeschlossen und sich damit ein für die politische Arbeit wichtiges theoretisches Fundament aneignen können. Aber: Ein Studium allein bereitet niemanden auf das Amt als Landtagsabgeordneter vor.“
Weiter erklärt er: „Wer politische Verantwortung trägt, sollte analytisch denken, präzise arbeiten und strukturiert argumentieren können. Außerdem ist es wichtig, politische Prozesse und die Gesetzgebung zu verstehen. Das Jurastudium vermittelt viele dieser Fähigkeiten. Dass es unter den Abgeordneten das mit Abstand häufigste Studienfach ist, überrascht deshalb kaum. Genauso wichtig ist, dass in den Landesparlamenten Menschen mit ganz unterschiedlichen fachlichen Hintergründen vertreten sind. Gute Politik lebt von verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen. Entscheidend ist aber: Politisch Verantwortliche müssen ein Verständnis der tatsächlichen Probleme der Menschen haben, die sie vertreten, und entsprechend zielgerichtete Lösungen anbieten. Ein abgeschlossenes Studium bietet dafür allenfalls die Eintrittskarte.“
Alle Ergebnisse des Vergleichs stehen grafisch aufbereitet unter dem nachfolgenden Link bereit: https://www.jurafuchs.de/





