Die Winterbacher haben auch in diesem Jahr ihr historisches Versprechen eingelöst. Zum 169. Mal wanderten etwa 50 Gläubige an Christi Himmelfahrt nach Eberhardsklausen an der Mosel. Die 76 Kilometer lange Strecke bewältigten die Teilnehmer trotz widriger Wetterbedingungen in zwei Tagen.
Die Tradition reicht bis ins Jahr 1858 zurück. Damals wütete die Rinderpest im damaligen Bauerndorf. Die Landwirte standen vor dem finanziellen Ruin. In ihrer Not gelobten die Winterbacher, jährlich an Christi Himmelfahrt zum Mosel-Wallfahrtsort zu pilgern, sollte ihr Dorf von weiteren Seuchen verschont bleiben. Selbst 1944, mitten im Zweiten Weltkrieg, machte sich zumindest ein einzelner Winterbacher auf den Weg nach Klausen.
Die diesjährige Wallfahrt begann mit dem Segen von Dekan Klaus Leist in der örtlichen Pfarrkirche. Anschließend machten sich Männer, Frauen und Jugendliche auf den beschwerlichen Weg. Die Route führte über Tholey-Theley, das Primstal und Nonnweiler bis nach Hermeskeil. Am zweiten Tag ging es weiter über Bescheid und Trittenheim durch die Moselweinberge bis zum Ziel.
Mitorganisatorin Martina Weiand betonte den besonderen Charakter der gemeinsamen Wanderung: „Bei einer Wallfahrt geht es nicht ausschließlich darum zu beten. Wenn man den ganzen Tag gemeinsam in der Natur unterwegs ist, ergeben sich immer wieder Gelegenheiten zu Gesprächen. Es gilt auch körperliche Strapazen zu meistern. Man nimmt Rücksicht aufeinander, man hilft sich gegenseitig die Strapazen zu lindern und geht gemeinsam diese fast 80 km lange Wegstrecke. Singen und beten sowie persönliche Gespräche helfen den Pilgern auf dem langen Weg über manche Schwierigkeit hinweg.“
Walter Scheid, der die Wallfahrt seit Jahren organisiert, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst mitlaufen. Der 72-Jährige war jedoch an den Zwischenstationen präsent. „Ob man nun mit Kameraden zusammen ist oder mit Personen, die man nur bei der Wallfahrt sieht, es herrscht unter den Teilnehmern eine tolle Kameradschaft“, sagte er. Bereits Wochen vorher beginnen die Vorbereitungen. Scheid bedauerte die veränderten Bedingungen im Wallfahrtsort: „Bedauerlicherweise bestehen nur noch wenige Übernachtungsmöglichkeiten und auch die meisten Lokalitäten in Klausen haben inzwischen geschlossen.“
Aufgrund der eingeschränkten Übernachtungsmöglichkeiten erfolgte die Rückreise bereits am Freitagabend. Ein gemeinsames Abendessen in Nonnweiler rundete die Wallfahrt ab. Ortsvorsteher Gerhard Weiand kümmerte sich um das Begleitfahrzeug und die Verpflegung am zweiten Tag.
In der Wallfahrtskirche empfing Diakon Andreas Maria Baumeister die Pilger mit Glockengeläut. Eine besondere Rolle spielt die Votivkerze der Winterbacher Gemeinde. „Diese Kerze brennt das ganze Jahr über an Sonn- und Feiertagen zu Ehren der Mutter Gottes von Klausen, für die Anliegen der Winterbacher Pfarrei“, erklärte Scheid.
Klaus Hoffmann, der die Gruppe anführte, zeigte sich beeindruckt von der Anziehungskraft der Tradition: „Wir lassen uns auch nicht durch schlechtes Wetter von einer Teilnahme oder auch unterwegs wie in diesem Jahr mit Regenschauern und Hagel, an der Wallfahrt abhalten. Die Freude diese Fußwallfahrt nach Klausen geschafft zu haben und anzukommen ist schon ein besonderes Erlebnis.“ Viele Teilnehmer sind bereits seit Jahrzehnten dabei, zunehmend schließen sich auch junge Menschen und Pilger aus Nachbargemeinden der Gruppe an.





