WFG-Wirtschaftskolumne: Die eigene Unternehmensnachfolge gestalten

Kolumnist: Julian Schneider, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH

Es ist wohl einer der schwierigsten Momente im Leben des Unternehmers. Monate, Jahre, Jahrzehnte wurde an der Verwirklichung des eigenen Traums gearbeitet. Am Anfang forderte es Mut, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Mittendrin waren Beharrlichkeit und Ausdauer gefragt, um Schwierigkeiten durchzustehen und neue Herausforderungen zu meistern. Am Ende der unternehmerischen Reise galt es dann im besten Fall die Lorbeeren getaner Arbeit zu ernten und ein wahres Lebenswerk zu hinterlassen. Aus der Ferne bestehen keine Zweifel: Das Unternehmertum gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt, bei der die Firma zu einem Teil der eigenen Identität wird. Umso schwieriger ist es, dem Moment des eigenen Firmenabschieds entgegenzutreten. Emotionen sind in diesen Situationen keineswegs unprofessionell, sondern richtig und nachvollziehbar: Ein echter Unternehmer gibt in solchen Situationen ein Stück seines bisherigen Lebens auf. Daher ist es essenziell, die Augen vor diesem Schritt nicht zu verschließen und die eigene Unternehmensnachfolge frühzeitig zu planen.


Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Thematik Unternehmensnachfolge sehr aktuell ist. Die KfW-Studie „Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2020“ konstatiert, dass in den nächsten beiden Jahren bundesweit über eine Viertelmillion Unternehmensnachfolgen anstehen. Von diesen über 250.000 Unternehmern haben lediglich 41 Prozent konkrete Planungsprozesse angegangen. Das heißt im Umkehrschluss, dass über die Hälfte der Unternehmer sich bisher nicht detaillierter mit der eigenen Nachfolge beschäftigt hat. Auch in unserem kleinen Bundesland ist die Unternehmensnachfolge sehr relevant: Im Saarland suchen jährlich über 1.000 Unternehmen einen Nachfolger. Insgesamt hängen an diesen Unternehmen ca. 22.000 Arbeitsplätze. Grundsätzlich sind bei der Unternehmensnachfolge zwei Wege zu unterscheiden: die interne und die externe Unternehmensnachfolge. Bei der unternehmensinternen Unternehmensnachfolge gibt es in der eigenen Familie einen Nachfolger, der die Geschäfte übernimmt. Findet sich familienintern kein Nachfolger, wird jemand außerhalb der eigenen Familie gesucht. In diesem Fall wird von der externen Unternehmensnachfolge gesprochen. Unabhängig welcher Weg gewählt wird, sollte sich der Unternehmer frühzeitig mit drei Vorbereitungsfragen vertraut machen:

Erstens ist die emotionale Vorbereitung der Unternehmensnachfolge sehr wichtig:
Beschäftigen sich Unternehmer nicht mit dem „emotionalen Loslassen“ vom eigenen Unternehmen, sind Konflikte häufig nur eine Frage der Zeit. Beispielsweise ärgert sich der Nachfolger schwarz darüber, dass der Vorgänger immer wieder seinen Senf zum aktuellen Unternehmensgeschehen abgibt und tief in die operativen Prozesse eingreift. An solchen Situationen sind schon Familien zerbrochen. Die Konflikte müssen aber nicht zwingend zwischen dem Unternehmer und einer dritten Person entflammen, sondern können beim Unternehmer selbst entstehen. Ohne das emotionale Loslassen fehlt dem Unternehmer unter Umständen der Lebensinhalt und er fällt in ein tiefes Loch. Gleiches gilt für den Nachfolger selbst, der sich in emotionale Drucksituationen hieven kann. In
manchen Fällen trägt er die Verantwortung für jahrhundertelange Familiengeschichte. Damit muss er zunächst einmal umgehen können. All diese Beispiele zeigen, wie wichtig die emotionale Vorbereitung auf beiden Seiten bei der Unternehmensnachfolge ist.

Zweitens hat der Unternehmer seine organisatorischen Vorbereitungen zu treffen:
Soll das Unternehmen familienintern übergeben werden oder ist im Vorhinein klar, dass das Unternehmen von einem externen Nachfolger übernommen wird? Der Unternehmer stellt sich in diesem Kontext auch die Frage nach der zukünftigen Vision und Strategie. In welcher Richtung sieht er das eigene Unternehmen? Wie soll der Nachfolger sein? Welche fachlichen und zwischenmenschlichen Kompetenzen waren zum Aufbau des eigenen Unternehmens notwendig? Was möchte er für sein Lebenswerk unter allen Umständen vermeiden? Es ist auch wichtig, die Belegschaft auf die Nachfolge vorbereiten. Gerade wenn eine Firma sehr auf die Person des Unternehmers zentriert war, muss der Nachfolger sich an diesen Punkten „freischwimmen“. Auch diesen organisatorischen Vorbereitungsprozess kann der Unternehmer frühzeitig angehen.

Drittens zählt zur Vorbereitung der Unternehmensnachfolge die wirtschaftliche und steuerliche
Planung:

Unternehmer brauchen bei der Unternehmensnachfolge häufig einen Preis, zu dem sie ihr Unternehmen anbieten können. Zur Ermittlung des Unternehmenswertes stehen unterschiedliche Berechnungsverfahren zur Verfügung. In diesem Fällen ist Objektivität gefragt. Wieder gilt es sich von der eigenen Emotion zu lösen und einen realistischen Blick auf das eigene Lebenswerk zu haben. Und selbst wenn das Unternehmen zu einem überteuerten Preis verkauft wird, hat der Unternehmer nicht immer ein gutes Geschäft gemacht. Wieso? Ganz einfach: Vielleicht überhebt sich der Nachfolger mit der hohen Gesamtsumme und führt das Unternehmen kurzum in den Bankrott. Es gibt weitere wirtschaftliche Aspekte, die bei der Unternehmensnachfolge anstehen. Bei der internen Unternehmensnachfolge ist man beispielsweise schnell bei erbschaftssteuerlichen Fragen. Im Rahmen der Planung der Unternehmensnachfolge ist es daher sehr wichtig, sich frühzeitig mit einem Steuerberater und
Rechtsanwalt auszutauschen. Eine gute Vorbereitung führt zu einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge. Früh anzufangen lohnt sich: Als Faustformel gelten fünf bis sieben Jahre, in denen der Unternehmer vor dem eigenen
Ausscheiden mit der Planung der Unternehmensnachfolge beginnen kann. Damit lässt sich die Nachhaltigkeit des eigenen Lebenswerks bestens gewährleisten.

Zum Autor: 

Julian Schneider ist seit Januar 2021 Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land MBH. In seiner, immer am letzten Donnerstag des Monats erscheinenden Kolumne bringt er Wirtschaftsthemen verständlich und hochaktuell ins St. Wendeler Land.

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