Die geplante Umstellung der Radwegebeschilderung im Saarland sorgt für politischen Gegenwind. Statt grüner Wegweiser sollen künftig bundesweit einheitliche weiße Schilder zum Einsatz kommen – doch Umfang, Kosten und Nutzen des Vorhabens sind offenbar unklar. Die CDU-Landtagsfraktion will das Thema deshalb am 8. Mai im Verkehrsausschuss des Landtags auf die Tagesordnung setzen.
Nach aktuellen Berichten stehen rund 300.000 Euro für den Austausch der Schilder im Raum. Hinzu könnten etwa 400.000 Euro für ein externes Wegweisungskonzept kommen, das an ein Beratungsunternehmen aus Berlin vergeben werden soll. Eine belastbare Datengrundlage zu Anzahl der betroffenen Schilder oder zu den Gesamtkosten liegt bislang nicht vor.
Scharfe Kritik kommt vom stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Alwin Theobald. Er sieht falsche Prioritäten in der Verkehrspolitik von Ministerin Petra Berg: „Das Saarland hat beim Radverkehr kein Farbproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Angesichts von hunderten Kilometern sanierungsbedürftiger oder fehlender Radwege sei es nicht nachvollziehbar, warum funktionierende Beschilderung ausgetauscht werden solle.
Die bestehenden grünen Wegweiser sind Teil des sogenannten „SaarRadLand“-Systems, das seit den frühen 2000er-Jahren eine einheitliche Orientierung für Radfahrer bietet. Aus Sicht der CDU hat sich dieses System bewährt und wird auch im Radverkehrsplan als wichtige Grundlage hervorgehoben. Ein flächendeckender Austausch ohne klare Notwendigkeit sei daher weder wirtschaftlich noch sachlich begründbar.
Gleichzeitig verweist die Opposition auf erheblichen Investitionsbedarf bei der Infrastruktur selbst. Laut Radverkehrsplan Saarland 2025 werden rund 515,5 Kilometer Neubau oder Markierungslösungen empfohlen. Die bisherige Umsetzung bleibe jedoch deutlich hinter diesen Zielen zurück.
Neben der CDU äußert auch das Bündnis Sahra Wagenknecht deutliche Kritik. Landesvorsitzende Astrid Schramm spricht von einem „Schildbürgerstreich“. Es sei nicht vermittelbar, warum funktionierende Schilder ersetzt werden sollen, während gleichzeitig dringend benötigte Investitionen in neue Radwege ausbleiben. Auch die geplanten Ausgaben für externe Beratung stoßen auf Unverständnis.
Die CDU fordert einen sofortigen Stopp des Vorhabens, solange keine fundierte Kosten-Nutzen-Analyse vorliegt. Bestehende Schilder sollten demnach nur bei Verschleiß, Orientierungsproblemen oder im Zuge neuer Streckenabschnitte ersetzt werden. Zudem verlangt die Fraktion vollständige Transparenz über Kosten, Planungen und mögliche Förderrisiken.



