Mit einem besonderen Backtag hat sich der Verein zur Erhaltung kirchlicher Traditionen der Kirche St. Anna im St. Wendeler Stadtteil Alsfassen an der Soli-Brot-Aktion des katholischen Hilfswerks Misereor beteiligt. Bereits um 7 Uhr morgens begannen die ersten der zehn ehrenamtlichen Helfer um Hausmeister Klaus Keller mit dem Anheizen des Holzbackofens im Pfarrgarten.
Die Aktion fand während der Fastenzeit statt, in der Misereor Bäckereien und Gruppen dazu aufruft, durch Brotverkäufe Spenden für hungernde Menschen zu sammeln. „Wir haben extra einen Sonderbacktag in die Fastenzeit gelegt, um uns an der Aktion zu beteiligen“, erklärte Keller. Das Team bot drei Brotsorten an: Vollkornbrot, Dinkel-Joghurt-Brot und Roggenmischbrot.
Von jedem verkauften Brot, das etwa 750 Gramm wiegt und fünf Euro kostet, ging ein Euro als Spende an Misereor. Zusätzlich wurden alle Einnahmen aus der Spendendose für das Team weitergeleitet. Der Verein verzichtete bewusst auf eine Preiserhöhung. „Wir wollten mit dem Preis nicht noch höher gehen, weil das die Leute so ein bisschen abschreckt“, begründete Klaus Keller diese Entscheidung.
Der Holzbackofen trägt die Inschrift „Unser tägliches Brot gib uns heute“ und wurde zwischen 2019 und 2021 vom Team in Eigenleistung errichtet. Bei einer Betriebstemperatur von 330 Grad können in den zwei Kammern knapp 20 Brote gleichzeitig gebacken werden. Die Arbeit erfordert viel Erfahrung, wie Marion aus dem Team bestätigte: „Es ist krass, wie abhängig wir vom Wetter sind“. Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit machten den Backvorgang im Freien unberechenbar.
Im Pfarrheim, das an Backtagen zur Backstube umfunktioniert wird, bereitete das Team die Teige vor. Die Arbeit erfolgte größtenteils von Hand, nur bei großen Mengen kam eine Teigmaschine zum Einsatz. Pro regulärem Backtag, der einmal im Quartal stattfindet, werden 60 bis 70 Brote vorbestellt. „Anders würde es auch gar nicht gehen“, kommentierte Christel an der Teigmaschine die Notwendigkeit des großen Teams.
Für zukünftige Backtage experimentierte das Team mit neuen Kreationen. Rita stellte verschiedene Blütenbrote in kleinen Größen her, darunter Varianten mit Mandeln, Dinkel-Blüten oder Hagebutte-Hibiskus. „Wenn die was werden, gibt es sie als Special zum Backtag am Muttertags-Wochenende“, kündigte sie an.
Der Verein trägt seit der Fusion der ursprünglich eigenständigen Pfarrei St. Anna mit der Pfarrei Hl. Wendelin St. Wendel zum 1. Januar 2026 maßgeblich dazu bei, das kirchliche Leben im Stadtteil aufrechtzuerhalten. Neben den regelmäßigen Backtagen wird der Ofen auch als Pizza- oder Flammkuchenofen bei Pfarrfesten, am Adventsmarkt oder am Messdienertag genutzt. Einmal jährlich backen auch die Kommunionkinder dort ihr Brot.
Am Abend standen die frisch gebackenen Brote in Tüten verpackt zur Abholung nach der Vorabendmesse bereit. Die gute Stimmung im Team war während des gesamten Tages spürbar, trotz gelegentlicher Knallgeräusche, wenn ein gärender Teig einen Deckel aufdrückte. „Früher hatten sie Spaß“, scherzte jemand, worauf prompt die Antwort kam: „Heute immer noch!“



