St. Wendel: Endlich wieder vereint – Radsportverein „Zick Zack Wassersack“ unterstützt Flüchtlingsfamilie mit 500 Euro- Spende“

Teamchef des Zick Zack Wassersack Albert Hort und Familie Refai Al Chahin beim persönlichen Kennenlernen. (v.l.n.r. Albert Hort, Sidra, Maher, Sara, Ahmed, vorne Mohammed. Mutter Ghaidaa befindet sich aktuell im Krankenhaus

Am 15. Juli 2018 berichteten wir von der Flucht der syrischen Familie Refai Alchahin und ihrem neuen Leben in St. Wendel. Im Oktober 2015 verschwand die 14-jährige Tochter Sidra bei einer gefährlichen Fluchtwanderung in der Nacht. Glücklicherweise konnte Sidra wieder gefunden werden. Seit nun 3 Jahren hat sie Ihre Eltern und Geschwister nicht mehr gesehen. Nachdem die Familie die komplexen gesetzlichen und bürokratischen Verwaltungswege hinter sich lassen konnte, ermöglichte die passionierte St. Wendeler Mountainbike-Vereinigung „Zick Zack Wassersack“ durch ihre finanzielle Unterstützung, dass Sidra ihre Familie im Oktober 2018 endlich wieder in die Arme schließen konnte.

Sidra beteuert (von ihrem Vater übersetzt):“ Wir sind endlich wieder vereint. Ich bin überglücklich wieder bei meiner geliebten Familie sein zu können. Das ist ein wahres Geschenk. Endlich konnte ich auch meine kleine Schwester Sara kennenlernen. Vielen Dank an den Zick Zack Wassersack, der sich für mich und meine Familie so stark eingesetzt hat. Danke.“ Mutter Ghaidaa, Vater Maher und die Brüder Ahmed und Mohammed sind auch sehr froh, dass sie als Familie wieder zusammen leben können. Maher sagt:Wir haben Sidra so vermisst, es war zeitweise unerträglich. Es ist wunderschön sie wieder bei uns zu haben. Ich möchte mich vielmals bei den St. Wendeler Land Nachrichten bedanken, denn nur so haben die Menschen von unserer Geschichte erfahren. Wir sind dem Zick Zack Wassersack unendlich dankbar, dass es solche tollen Menschen gibt, die sich für uns engagieren.“

Auf die Frage welche sozialen Projekte der Zick Zack Wassersack bereits unterstützt hat, antwortet Hort: „Im Gegensatz zu den Industrie-Managern, Fußballstars und anderen, halten wir uns an die „Ethik des Genug“ (Margot Käßmann). Uns geht es gut und das wissen wir auch zu schätzen. Wir erfreuen uns an der Sonne, am Mountainbiken, am kühlen Pils und den Feiern in unserem Treff. Wir schätzen das gemeinsame Miteinander, das uns durch den Sport verbindet. Um der Gesellschaft etwas zurückzugeben, spenden wir jedes Jahr 500 Euro für soziale Projekte. Dieses Geld ging bisher beispielsweise an die Tschernobylkinder und viele weitere bedürftige Menschen in St. Wendel und darüber hinaus. Wir engagieren uns bereits seit Jahrzehnten für Menschen, die in soziale Not geraten sind. Wir unterstützen von Herzen, Erwachsene und Kinder, die durch Krankheit oder persönliche Schicksalsschläge getroffen wurden. In diesem Jahr unterstützen wir die Flüchtlingsfamilie Refai Al Chahin.
Aber was hat den Zick Zack Wassersack dazu bewogen gerade die Familie Refai Al Chahin zu unterstützen? Hort erklärt: Mitte Juli bin ich durch einen Artikel von wndn.de auf die ergreifende Geschichte der Familie Refai Al Chahin aufmerksam geworden. Ich berichtete meinen Kameraden davon und für uns stand direkt fest. „Wir wollen helfen!“ Zeitnah setzte ich mich mit der Redaktion in Verbindung und teilte unsere Hilfsabsichten mit. Nach Abschluss der notwendigen Formalitäten der Deutschen Botschaft in Beirut, ist die junge Sidra nun wieder da, wo sie hingehört, bei ihrer Familie.“

Dank der großzügigen Spende des Zick Zack Wassersack konnte Sidra Refai Al Chahin, nach Abwicklung aller Formvorschriften, schnellstmöglich ein Flug nach Deutschland ermöglicht werden.

„Das wahre Geschenk besteht nicht in dem, was gegeben oder getan wird, sondern in der Absicht des Gebenden oder Handelnden.“ [Seneca]

Nähere Informationen von der Entstehungsgeschichte bis zum heutigen Bestehen des Zick Zack Wassersack findet ihr im folgenden Kurz- Interview mit „Teamchef“ Albert Hort.

Was ist der Zick Zack Wassersack für eine Vereinigung? Wie kam es zur Gründung?
Woher stammt der außergewöhnliche Name „Zick Zack Wassersack?“

 „Ich berichte euch gerne die Zick Zack Wassersack-Geschichte in Kurzform. Um1960 waren Hans und Hemmi Becker, Michael Riotte, Gisbert Conrad, Peter und Wendelin Haßdenteufel, Tom Bouillon, Pitti Lauer, ich und andere die Kicker der ersten Stunde. Das war der Beginn unserer schönen Vereinigung, die uns durch den Sport bis heute verbindet. In der Zeit von 1959 bis 1976 spielten wir als Kinder und Jugendliche nur unter uns. Damals hatten wir noch kein Geld für Fußballschuhe und entsprechende Vereinsbeiträge. Zunächst kickten wir in der Wiese oberhalb des Gymnasium Wendalinum oder, wenn Herr Ost, der „Bewacher“ des Schulsportplatzes und ehemalige Sportlehrer am Wendalinum nicht da war, auch dort.

In den 60er und 70er Jahren wuchs unsere Hobbysportgruppe deutlich an. Über einen längeren Zeitraum spielten wir immer donnerstagabends in der Turnhalle des Wendalinum, später im Sportzentrum und in der Bosenbach.

1976 wurde der Hobby-Fußball-Club FC Wassersack in St. Wendel richtig bekannt. Wir hatten unser erstes Turnier und unseren ersten Sieg in der Tasche. Es war sensationell. Eine tolle Erinnerung! Wir wurden Sieger unter 12 Mannschaften. Im Endspiel gegen „Tante Annis Buwe“ aus Primstal siegten wir mit 2:0. Das war der große Durchbruch für unseren „Verein.“ Wir spielten damals einfach in Unterhemden, da keine Trikots vorhanden waren. Dieser Missstand wurde nachträglich durch unseren Vereinskameraden und Hauptsponsor Wilfried Houy behoben.

Nach und nach bekamen wir immer mehr Mitglieder, die unsere Leidenschaft für den Sport teilten.

Unser mittlerweile verstorbenes Mitglied Gerhard Kiefer erfand beim Fußballspielen den genialen Namen Zick Zack Wassersack. Der Wassersack ist ein Flurname, beziehungsweise ein Wohngebiet in St. Wendel, in dem wir schon in Kindertagen zusammen wohnten und spielten.

1982 organisierten wir ein kleines Fußballturnier mit 12 Mannschaften auf dem Sportplatz Wendalinum. Unser Mitglied Bulli (Klaus Bouillon) wurde 1983 Bürgermeister. Vereinskamerad Specki und ich erfanden daraufhin den Bouillon-Cup, ein echtes Kleinfeld Hobby-Fußball-Turnier auf Rasen und Hartplatz mit 40 Mannschaften und inaktiven Spielern, das 19 Mal ausgetragen wurde. Ein toller Erfolg. Alle Hobbyfußballer und Mannschaften der Stadt beteiligten sich.“

Der ehemalige Bürgermeister der Kreisstadt St. Wendel Klaus Bouillon überreicht den Siegerpokal an Teamchef Albert Hort. ( v.l.n.r. Gerhard Kiefer, Dr. Jochen Tholey, Klaus Bouillon, Joachim Spengler, Harald Becker, Teamchef Albert Hort, Bernard Hervé
vorne: Zico, Jochen Hort

„Am 24.08.1986 gewannen wir den Bouillon-Cup, eine wunderbare Erinnerung. Um über die Jahre den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, integrierten wir weitere Spieler. Als Mitte der 80er Jahre etwa 10 Aussiedler zu uns kamen, wurde unsere Fußballzeit nochmals um 10 Jahre verlängert.

Seit dem Jahre 2000 steht eine andere Sportart in unserem Fokus. Die „Fußballer–Knochen“ machten bei vielen absolut nicht mehr mit. Es war also höchste Zeit, die Sportart zu ändern. Mountainbiken war angesagt. Eine Top- Idee! Unsere Sportler-Vereinigung erlebte mit der Einführung des „Mountainbiker des Jahres“ und neuen Mitgliedern einen neuen Aufschwung.

Unsere erste Mountain-Bike-Tour startete im Mai 2000. Seither fahren wir bei Wind und Wetter jeden Samstag, also 52 MTB-Touren im Jahr. Im Laufe eines Jahres pedalieren wir ungefähr 2000 km mit circa 30.000 Höhenmetern, bei einer durchschnittlichen Teilnehmeranzahl von 15 Personen. Jedes Jahr feiern wir aufs Neue den Mountainbiker des Jahres. Der samstägliche Teilnehmerrekord liegt bei 22 Mountainbikern. Der sportliche Höhepunkt des Jahres war jahrelang die Teilnahme am St. Wendeler Marathon und das auch bei widrigen Wetterverhältnissen.

Ich danke meinen Kameraden für alle die schönen, gemeinsamen Jahre. Auf dass wir noch viele weitere Jahre, getreu dem Motto „sportlich, kreativ, aktiv, engagiert“ zusammen verbringen werden.“

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