Missionshaus St. Wendel: Müller kritisiert Stillstand und fordert Plan B

Foto: Kreisstadt St. Wendel / Josef Bonenberger

Mehr als drei Jahre nach der Ankündigung einer Millioneninvestition in das Missionshaus in St. Wendel hat SPD-Stadtratsmitglied Marc André Müller den aktuellen Sachstand des Projekts öffentlich hinterfragt. In einem Beitrag kritisiert er fehlende Transparenz, mangelnde Bürgerbeteiligung und einen längst überschrittenen Zeitplan. Zugleich fordert er, dass sich die Stadt mit einem alternativen Konzept der Bürgerinitiative Missionshaus auseinandersetzt.

Am 3. März 2023 hatten die Steyler Missionare den Verkauf des Missionshauses bekannt gegeben. Die CDU St. Wendel hatte das Vorhaben damals als großen Erfolg präsentiert. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Alexander Zeyer erklärte seinerzeit: „Der heutige Tag ist für unsere Stadt wie ein Sechser im Lotto. … Während andere sich über die Stadtentwicklung den Kopf zerbrechen, arbeiten wir kontinuierlich an Lösungen. Wie man sieht, mit Erfolg.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Schorr sagte: „Dieses Projekt ist ein Glücksfall für St. Wendel.“

Seitdem hat das Projekt eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Im Februar 2024 beschloss der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Areal. Bereits im März 2024 billigte der Rat in einer außergewöhnlich gut besuchten Sitzung den Entwurf des Bebauungsplans 01.54 B „Missionshaus St. Wendel und östliche Missionshausstraße“ sowie eine parallele Änderung des Flächennutzungsplans. Gleichzeitig wurde die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung beschlossen. Als Ziel wurde genannt, das Bebauungsplanverfahren bis September oder Oktober 2024 abzuschließen. Im April 2024 kündigte Bürgermeister Peter Klär im Rahmen des Bürgermeisterwahlkampfs einen städtebaulichen Vertrag an.

Im Herbst 2024 gingen im zweiten Offenlegungsverfahren weit über 60 Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern ein. Bis heute hat sich der Stadtrat laut Müller in keiner Sitzung mit diesen befasst. Der ursprünglich genannte Zeitplan sei längst verstrichen, ein städtebaulicher Vertrag vom Stadtrat bisher nicht abgesegnet worden. Die Öffentlichkeit habe seit Monaten keine umfassende Darstellung erhalten, wo das Projekt stehe und wie es weitergehen solle.

Im April 2025 veranstaltete die SPD-Stadtratsfraktion nach eigenen Angaben einen eigenen Bürgerdialog zum Missionshaus, weil die Bürgerinnen und Bürger aus ihrer Sicht bis dahin nicht ausreichend beteiligt worden seien. Die Veranstaltung sei gut besucht gewesen. Zudem habe sich die SPD-Fraktion dafür eingesetzt, dass auch die Bürgerinitiative Missionshaus ihr alternatives Konzept vorstellen könne. Dies sei von der Ratsmehrheit jedoch nicht gewünscht gewesen.

Müller betont, dass die Entwicklung des Areals eines der prägendsten Gebäude der Stadt betreffe und eine zentrale Frage der langfristigen Stadtentwicklung darstelle. Eine formale Beteiligung im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens ersetze keinen offenen politischen Dialog. Besonders dringlich sei die Frage, ob im Hintergrund an einem Plan B gearbeitet werde, falls sich das Vorhaben nicht wie geplant verwirklichen lasse. „Ein Projekt dieser Größenordnung darf nicht über Jahre hinweg nur von der Hoffnung leben, dass sich am Ende schon alles fügen wird“, so Müller.

Er fordert, das Alternativkonzept der Bürgerinitiative ernsthaft zu prüfen und öffentlich zu diskutieren. Entscheidend müsse sein, ob es fachlich tragfähig, finanziell realistisch und städtebaulich überzeugend sei – unabhängig davon, von wem es stamme. Müller schließt mit den Worten: „Wer große Erwartungen weckt, muss sich an ihnen messen lassen. Und wer Verantwortung für die Zukunft unserer Stadt trägt, muss auch dann vorbereitet sein, wenn der Plan nicht aufgeht.“

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