Lehrer werden – Höllenjob oder Traumberuf? – Ein Interview mit Referendaren für berufliche Schulen

Die Ferien sind vorbei und das neue Schuljahr hat begonnen. Nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer. Aber wie ist es überhaupt Lehrer zu sein? So viel Freizeit und nur „halbtags arbeiten“? Wir haben sechs angehende Lehrer an beruflichen Schulen über die Anforderungen, Vorurteile und Stressfaktoren, sowie Sonnen- und Schattenseiten des Lehrerberufes befragt.

Auf die Frage „Warum wollen Sie Lehrer werden?“ waren sich die Referendare alle einig. Als Hauptgründe wurden die berufliche Sicherheit als Beamter, die guten Aufstiegschancen und die tägliche Abwechslung und Vielfalt im Job, genannt. Außerdem seien der Spaß an Wissensvermittlung und Unterrichtsplanung, sowie der Wunsch junge Menschen auf ihrem Weg in das Berufsleben zu begleiten und sie zu unterstützen ebenfalls sehr relevante, positive Faktoren.

Die Vorteile, die ein angehender Lehrer vorweisen kann, sind unter anderem ein gutes und sicheres Gehalt, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine konstante Gehaltserhöhung.

Die Nachteile des Lehrerjobs liegen ebenso auf der Hand. Immer mehr Lehrkräfte erkranken an Depressionen oder dem Burnout- Syndrom. Ungezogenes, respektloses Verhalten, verbale Attacken, bis hin zu tätlichen Angriffen sind das Standardverhalten von manchen Schülern. Aggressivität  und gewaltsames Verhalten sind nicht mehr selten. „Lehrer haben es nicht immer leicht, auch, wenn der Laie da wohl häufig anderer Meinung ist. Gerade bei uns, also dem jüngeren Lehrpersonal, testen die Schüler sehr gerne ihre Grenzen aus und haben oft mangelnden Respekt“, stellt einer der Referendaren klar.

Da Lehrer und Lehrerinnen einen Großteil ihrer Arbeit von zu Hause aus erledigen, kann sich eine Trennung zwischen Beruf  und Privatleben sehr schwierig gestalten. „Abschalten ist kaum möglich“, beteuern die Referendaren. Nach dem Unterricht werden Klausuren korrigiert und Unterrichtsstunden vorbereitet. Die wöchentliche Arbeitszeit eines angehenden, engagierten Lehrers liegt in der Zeit der Lehrproben schon mal zwischen 40 und 60 Stunden (inklusive Vor-und Nachbereitung). „Oft sitzt man stundenlang da um eine einzige Unterrichtseinheit zu planen. Man gibt sich viel Mühe und investiert viel Zeit, honoriert wird dies jedoch nur selten, zumindest mal nicht von den Schülern.“, sagt eine der Referendarinnen.

Laut unserer Befragten sollen gute Lehrer folgende Eigenschaften mit sich bringen: Vor allem Gelassenheit und Geduld. „Man darf nicht dazu neigen schnell aufbrausend oder wütend zu werden.“ Darüber hinaus sollte man natürlich fachliche Kompetenz, sowie Stressresistenz, Planungsgeschick und eine gute Selbstorganisation vorweisen können. Man sollte kreativ, humorvoll, spontan und einfühlsam sein. „Die Anforderungen im Referendariat sind wirklich enorm. Wir haben viel zu wenig Zeit um viel zu viele Aufgaben zu erledigen. Zusätzlich zu den Hauptaufgaben, haben wir noch viele weitere Projekte oder Hausarbeiten. Oftmals ist der Arbeitstag erst um 23 Uhr abends oder sogar noch später beendet. „Wir haben kaum Zeit zum Durchatmen. Die Vorgaben bei den Lehrproben sind sehr streng und das Privatleben leidet sehr unter diesem Stress.“, sagen die zukünftigen Lehrer.

Was halten Sie vom aktuellen Bildungssystem, Stichwort Inklusion? Zu dieser Fragestellung betonten die zukünftigen Lehrer, dass sie die gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter
Schüler, als „sinnvoll“ erachten. „An beruflichen Schulen wird Inklusion schon seit Jahrzehnten betrieben. Die Umsetzung des ministeriellen Beschlusses für Berufsschulen ist unserer Ansicht nach, nicht durchdacht. Die personelle und finanzielle Unterstützung sind nicht ausreichend. Lehrer werden mit der Umsetzung alleine gelassen.“, so eine der Referendarinnen.

„Lehrer. Das sind doch diejenigen der Berufsgruppe, die 12 Wochen im Jahr frei haben.“ Diesen Spruch kommentierten die Nachwuchslehrer wie folgt:“ Die Zeit ist definitiv wichtig um sich zu regenerieren. Ferien, das bedeutet unterrichtsfreie, aber nicht arbeitsfreie Zeit. Wir müssen Unterricht vor- und nachbereiten und Klassenarbeiten korrigieren. Natürlich ist die Zeit des Referendariats sicherlich noch stressiger, als beispielsweise die Zeit nach zehn Jahren Lehrerdasein, in der sich vieles eingespielt haben wird, aber dennoch sollte man Abstand von der Annahme nehmen, dass Lehrer nur innerhalb der Unterrichtszeit arbeiten. Das ist einfach falsch. Die Vor-und Nachbereitung ist einfach sehr aufwendig und zeitintensiv.“

Wie man die Arbeit und „Ausbildung“ von Lehrern und Lehrerinnen nun auch beschreiben mag, eines ist sicher, in diesem Job sollte man ein gutes Nervenkostüm und eine gute Durchsetzungsfähigkeit besitzen. Ein Lob an unsere Wissensüberbringer.

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on linkedin
Share on telegram

ANZEIGEN